Protest gegen möglichen Kahlschlag auf dem Jülicher Rurdamm

Unternehmen plant „Freischnitt“ auf einer Gas-Trasse : Protest gegen Kahlschlag auf Jülicher Rurdamm

Die kilometerlange Rosskastanien-Allee auf dem Rurdamm ist vielen Menschen in Jülich heilig. Sie soll die längste dieser Art in Europa sein. Allerdings ist die Baumgattung durchaus bedroht, weil sie von Insekten (wie Miniermotten) oder auch Pilzen befallen und geschädigt wird. Insofern legen sich Bürger und Stadt seit Jahren ins Zeug, um die Allee, die man durchaus als Wahrzeichen betrachten kann, zu schützen.

Nun aber droht eine beinahe groteske Gefahr: Es kann sein, dass ausgerechnet einige Dutzend auch gesunder Bäume gefällt werden müssen. Das ist nach Angaben von Thyssengas notwendig, um eine Hochdruck-Ferngasleitung im Untergrund des Damms vor dem Wurzelwerk der Bäume zu bewahren.

Bei bestimmten Arten, zu denen laut Thyssengas auch Rosskastanien zählen, bestehe ein „erhöhtes Risiko von Baumwurzel-Rohrleitungsinteraktionen“. Ein Baumsachverständiger habe bereits eine Bewertung der Bäume vorgenommen, die in einem Abstand von weniger als 2,5 Metern zu den Leitungen stehen. Nach dessen Einschätzung wurden 59 Bäume als kritisch eingestuft, informiert das Unternehmen weiter, das sich auch auf gesetzliche Maßgaben zum Erhalt der Betriebssicherheit bei Energieanlagen beruft und einen „Freischnitt der vorhandenen Trassen“ bei der Stadt schriftlich angemeldet hat. Am Donnerstag, 24. Januar, wird ein Unternehmensvertreter über das Vorhaben in der öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Planung, Umwelt, Bauen berichten (18 Uhr, Ratssaal).

Das ist für sicher nicht wenige Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) Rosskastanienallee Rurdamm ein Pflichttermin. Sie engagiert sich regelmäßig zum Beispiel bei Laubsammlungen, denn in den abgeworfenen Blättern überwintern die Puppen der Miniermotten. „Wir möchten Bäume erhalten und erst einmal informiert werden“, formuliert Gabi Frinken für die BI klare Ziele. Und Sonja Völler fügt hinzu: „Wir haben Angst, dass alles recht schnell geht und wir vor vollendete Tatsachen gestellt werden.“ Sie werden von Jürgen Laufs und Emily Willkomm-Laufs unterstützt. Alle vier verlangen im Vorfeld von Fällungen eine Bürgerinformationsveranstaltung und adressieren diesen dringenden Wunsch an die Stadt.

Die Initiative Kastanienallee fordert nähere Informationen, bevor die Sägen jaulen (v.l.): Jürgen Laufs, Sonja Völler, Gabi Frinken, Emily Willkomm-Laufs. Foto: Volker Uerlings

Beim Jülicher Beigeordneten Martin Schulz stoßen sie auf offene Ohren, da er sich vorstellen kann, dieser Bitte nachzukommen. Mit Blick auf den Zeitfaktor beruhigt er: „Aktuell machen die nichts.“ Der „Freischnitt“ soll nach seinen Informationen in der Phase ab Oktober 2019 bis Ende Februar 2020 erfolgen. Er schlägt zudem vor, weil ja auch der Wasserverband Eifel-Rur (WVER) Pläne im Bereich des Rurufers Kirchberger Straße vorgestellt hat, alle Pläne (Thyssengas und WVER) von einem Gutachter prüfen zu lassen und danach eine Bürgerinformationsveranstaltung zu terminieren.

Die Mitglieder der Bürgerinitiative hegen jedenfalls einige Zweifel, ob der Thyssengas-Sachverständige wirklich bei jedem Baum das Gefährdungspotenzial für die Gasleitung dezidiert untersucht habe, wie sie im Gespräch mit unserer Zeitung darlegten. Gabi Frinken fragt grundsätzlich: „Die Leitungen müssten uralt sein. Sind die denn noch so stabil, dass sie überhaupt genutzt werden können?“

Diese Fakten werden entweder am Donnerstag im Ausschuss oder in einer späteren Bürgerinfo vorgelegt werden können. Die Daten vor Ort kennt die BI genauestens: Die 70 Jahre alte Allee bestand einmal aus über 800 Rosskastanien. Im Herbst 2018 waren es nach ihrer Zählung noch genau 359 zwischen Bundesstraße 56 und Freibad.

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