"Promi-Stones": Der Trend mit bunten Steinen in der Schule angekommen

Internet-Trend geht auch Offline : Mit bunten Steinen ein Lächeln zaubern

Ein Internet-Trend inspiriert Grundschulkinder zum malen und spazieren. Und das ganz ohne selbst online zu sein.Mit ihren bunten „Promi-Stones“ verschönern die Schüler der Promenaden-Schule ihr Umgebung

Der Herbst ist da und mit ihm zahlreiche bunte Blätter. Das Laub sorgt aber nicht für die einzigen Farbklekse, die ein aufmerksamer Spaziergänger entdecken kann. Man findet sie an Bushaltestellen, unter Bäumen, an Sitzgelegenheiten und im Gebüsch. Sie tragen auffällige Muster und starke Farben. Die Rede ist von bemalten Steinen. Das klingt erst mal unspektakulär, das Verschönern und Verteilen der bunten Kiesel hat sich aber zu einem echten Trend entwickelt.

Das liegt vor allem daran, dass sich Steinkünstler und Finder online, insbesondere bei Facebook, vernetzen. Dort werden zum Beispiel Fotos von gefundenen und frisch versteckten Steinen geteilt. Aufmerksam werden viele Finder durch eine Beschriftung auf der Rückseite, die auf den Facebook-Auftritt verweist. Das Interesse ist groß: Die Gruppe Linnich Stones hat rund 300 Mitglieder, bei AldStones Aldenhoven machen schon über 370 Menschen mit und die JülStones kratzen an der 400-Mitglieder-Marke.

Ursprung des Trends ist wahrscheinlich eine aus den USA stammende Aktion. Mit aufmunternden und positiven Nachrichten verzierte Steine wurden dort ausgelegt, gesammelt und die Fotos davon online geteilt. Neben den inspirierenden Nachrichten nutzen viele auch bunte Motive, um zum Beispiel ihre Stadt zu verschönern oder einem Finder ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern. In Jülich begeistern sich nicht nur Hobby-Künstler und Spaziergänger für den Trend. An der Promenaden-Schule ist das Steinebemalen zu einer beliebten Mittagsaktivität für die Kinder geworden. Inzwischen findet man die handbemalten „Promi-Stones“ an allen möglichen Orten der Herzogstadt. Auch Schulleiterin Susanne Lucas hat das bemerkt: „Auf dem Lehrerparkplatz finden wir regelmäßig neue Steine“, sagt sie und lacht. „Sogar neben dem Kopierer tauchen sie auf.“ Kein Wunder, denn die Kinder der Über-Mittag-Betreuung fertigen fleißig neue „Promi-Stones“.

Betreuerin Ulrike Küppers hat die Aktion ins Leben gerufen und auch eine passende Facebook-Seite eröffnet. Die Idee allerdings hatte ihre Tochter Leonie: „Ich habe einen Stein an einer Bushaltestelle gefunden“, erzählt die Siebenjährige. Im Gegensatz zu ihrer Mutter wusste Leonie auch sofort, was sie damit machen soll. „Sie hat mir dann erklärt, dass man ein Foto für das Internet machen und den Stein irgendwo anders wieder hinlegen soll“, berichtet Küppers. „Ich hatte davon noch nie gehört.“

Die Kinder benutzen Acrylstifte, denn ihre Farbe muss nur kurz trocknen. Foto: zva/Kim Statzner

Nach ein wenig Recherche war Küppers klar: Das könnte auch etwas für die Grundschüler sein. Seitdem sammelt sie auf Spaziergängen mit ihrem Hund regelmäßig Rohmaterial für die kleinen Künstler. Gemalt wird mit Acrylstiften, Lack wäre eigentlich auch eine Option, sagt Küppers, aber der trockne einfach viel zu langsam. Denn viele Kinder wollten ihre Kunstwerke möglichst sofort verstecken. Die Aktion kommt gut an, Bedenken hatte Küppers jedoch zunächst beim Thema Facebook: „Ich will nicht, dass sich die Kinder verpflichtet fühlen, bei Facebook reinzugucken“, sagt sie. Deshalb drucke sie die Fotos von gefunden Steinen regelmäßig aus. Im Klassenraum gibt es für diese Bilder eine eigene Pinnwand. „Die Kinder freuen sich, wenn jemand ihren Stein findet“, sagt Küppers. „Aber eigentlich ist ihnen das Gestalten viel wichtiger.“

Tochter Leonie und ihre Klassenkameraden sind jedenfalls mit Elan dabei, wenn es neue Steine zu verzieren gilt. „Ich mag malen und ich mag Versteckenspielen“, sagt Leonie. Ganz besonders gern male sie in ihrer Lieblingsfarbe blau. Bei der Motivwahl sind keine Grenzen gesetzt. Ein Merkmal hat aber jeder „Promi-Stone“: Damit Finder den Stein später erkennen können, versieht Küppers jeden mit dem Namen der Aktion und dem Facebook-Symbol.

Wer einen Stein findet oder selber bemalen möchte sollte einige Dinge beachten. Sie sollten nicht in oder an Gewässern, auf Straßen, um Fahrzeuge herum oder in der Nähe von Lebensmitteln abgelegt werden. Auch in der Bahn haben sie nichts zu suchen, das kann sogar eine Anzeige wegen Vermüllung nach sich ziehen. Auf die Steine sollte außerdem nichts geklebt werden, denn das könnte für Tiere und Umwelt schädlich sein.