Projekt "Barmer Driesch" erhält "Heimat-Scheck" der Landesregierung

Projekt „Barmer Driesch“ : Erste Schritte auf dem Weg zu Weideland

Um die Gegenwart zu verändern, muss man sich erst einmal die Zukunft vorstellen und die Vergangenheit kennen. Beides trifft auf die Initiatoren des „Barmer Driesch“-Projekts zu.

„Driesch“ bedeutet  ins Hochdeutsche übersetzt Baumweide und beschreibt die traditionelle Doppelnutzung der Gemeinschaftsflächen als Land- und Forstwirtschaft. Bereits seit fünf Jahren verfolgt die „Landwirtschaft, Naturschutz und Tourismus AG“ (LaNDT) des Kultur- und Verkehrsvereins Barmen das Ziel, die einstige Tradition in der Region für die Bevölkerung wieder erfahrbar zu machen.

Die Kulturlandschaft rund um die mäandrierende untere Rur prägte über Jahrhunderte die Lebensweise der Menschen in den anrainenden Dörfern. Das heutige Erscheinungsbild der einstigen Weidenlandschaft wurde vom Strukturwandel in der Landwirtschaft geprägt. Nach Aufgabe der Beweidung folgte die Ausbreitung von Pflanzenarten, die die heimische Flora und Fauna massiv bedrohen. Vielfältige Gräser, Kräuter und Binsen sowie Wasserlilien und -minze weichen zunehmend den Neophyten wie Springkraut, japanischem Knöterich und der für die Gesundheit der Menschen besonders gefährlichen Herkulesstaude (Riesen-Bärenklau) aus.

Die Machbarkeit des  Projekt-Ziels „Erhalt und Bewahrung des Drieschs als Natur-, Kultur- und Erholungsgebiet durch eine extensive landwirtschaftliche symbiotische Nutzung“ wurde von Stefanie Heidner (RWTH Aachen) wissenschaftlich untersucht. Anhand dieser Studie wurde ein Konzept für die Einführungsphase erarbeitet. Sie umfasst zwei Untersuchungsräume auf dem Driesch, in denen der Beweidungseinfluss auf die Neophyten, die Uferbereiche der Rur und die Bäume im Auwald geprüft werden. Weidende Rinder in Rurauen zwischen Jülich und Linnich, regionale Gewinnung von Lebensmitteln, nachhaltige Bewirtschaftung und Neuschaffung der ursprünglichen biologischen Vielfalt unter Berücksichtigung der großen Bindung der Bevölkerung an den Driesch ist die Zukunftsvision des LaNTD-Vorhabens.

Landtagsabgeordnete Dr. Patrizia Peil (2. von rechts) überreichte auf Schloss Kellenberg den „Heimat Scheck“ der Landesregierung NRW an den Leiter der LaNDT-AG, Thomas Muckenheim (rechts). Foto: ZVA/Marzena Vomberg

In das Projekt eingebunden sind bereits die Entwicklungsgesellschaft Indeland GmbH, die Biologische Station des Kreises Düren und der Wasserverband Eifel-Rur. Das Konzept findet einen großen Zuspruch beim Förderprogramm Leader der Europäischen Union und involviert ebenso den Kreis Düren als Behörde sowie die Stadt Jülich als Eigentümer der Flächen. Bürgermeister Axel Fuchs übernahm die Schirmherrschaft des Projekts.

Dank des ehrenamtlichen Engagements der AG-Mitglieder unter Leitung von Thomas Muckenheim konnte mit finanzieller Unterstützung von Sponsoren bereits die Pilotphase der Driesch-Wiederbeweidung eingeleitet werden. Dieser besonderen regionalen Initiative hat sich auch die Landesregierung NRW angenommen und würdigte das Projekt mit einem „Heimat-Scheck“ des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung. Vergeben wird die Förderung zur Unterstützung der Projekte lokaler Vereine, die sich mit Heimat beschäftigen und einen großen Mehrwert in der Region versprechen. Die feierliche Übergabe übernahm Landtagsabgeordnete Dr. Patrizia Peil, die auf Schloss Kellenberg vom Vereinsvorsitzenden Joachim Hecker und Mitgliedern der LaNDT-AG begrüßt wurde.

„Seit mehreren Jahren verfolgen wir hartnäckig unsere Projektziele und versuchen Dinge möglich zu machen, die in der Vergangenheit sehr unmöglich erschienen und jetzt immer mehr Realität werden“, berichtet Thomas Muckenheim. Der erste Schritt  ist mit der Anschaffung von zwei Prachtexemplaren der vom Aussterben bedrohten Rinderrasse „Rotes Höhenvieh“ bereits getan. „Mit dem Beitrag unserer Landesregierung ist es möglich, die kleine Herde von zwei auf vier Tiere aufzustocken“, sagt Patrizia Peil, „und unseren Dank an die Projektinitiatoren als Möglichmacher auszusprechen“. Die Landwirtschaft regional wieder erkennbar und erfassbarer zu machen, sei eine der ganz großen Aufgaben dieser Zeit. Mit solchen Projekten, die das Engagement vieler Menschen generieren,  werde es verwirklicht.

„Wir können heute einen großen Baustein in das Projekt einfügen“, freut sich der AG-Leiter, „so dass wir tatsächlich in den nächsten Wochen mit der Beweidung auf dem Driesch beginnen können“.

Mehr von Aachener Nachrichten