Private Hilfsaktion unterstützt zahlreiche benachteiligte Familien

Private Hilfsaktion für benachteiligte Familien : Eine Dankbarkeit, die unbezahlbar ist

Silke Junggeburth aus der Gemeinde Inden lässt seit zweieinhalb Jahren Wünsche wahr werden. Von ihrer privaten Hilfsaktion „Wünsche werden wahr“ profitieren vor allem Kinder.

Eigentlich ist das ständige Mitteilen, was man gerade macht, über das Netzwerk Facebook nicht so die Sache von Silke Junggeburth. „Normalerweise sagt man seinen Kinder, dass sie nicht immer schreiben sollen, was sie gerade machen“, sagt Junggeburth. Aber genau damit hat sie vor zweieinhalb Jahren begonnen. Sie hat geschrieben, dass sie Spenden sammelt für Weihnachtsgeschenke für ein Kinderheim in Düren.

So hat das angefangen mit ‚Wünsche werden wahr‘, einer der größten privaten Hilfsinitiativen im Kreis Düren. Nach kurzer Zeit habe sie viel zu viel gehabt für das Kinderheim und konnte andere Einrichtungen mit Weihnachtsgeschenken versorgen. „Und dann stand ich da mit den Geschenken und habe die Kinder gesehen“, beginnt sie zu beschreiben, wie aus einer spontanen Idee mehr geworden ist.

Mehr als nur Geschenke

Da habe sie sich überlegt, dass es möglich sein müsste, den Kindern nicht Geschenke zu machen, die sie sich nicht aussuchen können. Irgendwie müsse da ein bisschen mehr möglich sein, ein bisschen persönlicher, auf die Wünsche der Kinder bezogen. Weil sie Fußball mag, stampfte sie im folgenden Sommer ein „Unser Dorf spielt Fußball“-Turnier aus dem Boden.

„Dass das so durch die Decke gehen würde, habe ich nicht für möglich gehalten“, sagt sie heute über den Tag, an dem ‚Wünsche werden wahr‘ richtig groß geworden ist. So viele Menschen haben damals mitgeholfen, Vereine, die Gemeindeverwaltung, die Parteien und Unternehmen, die gespendet haben. Am Ende sei mehr bei dem Benefizturnier herausgekommen als ursprünglich benötigt. Mit den Spendengeldern habe sie mithelfen können, einen Therapiehund für ein Kind zu finanzieren und ein Fahrrad für ein schwer herzkrankes Kind.

Bürokratische Hindernisse

Bei diesen ersten Begegnungen im Frühstadium von ‚Wünsche werden wahr‘ haben sich zwei Eindrücke bei Silke Junggeburth gesetzt. Zum einen die tiefe Dankbarkeit und Freude, die sie wahrnimmt, wenn sie Kindern und deren Familien gezielt Wünsche erfüllt. „Das gibt mir ungemein viel zurück“, sagt die Frau, die heute wieder vollzeitbeschäftigt als Erzieherin arbeitet. Ein zweiter Gedanke käme ihr ebenfalls häufiger. „Manchmal denke ich mir: Wir leben doch in Deutschland. Es ist eigentlich unmöglich, dass solche Verhältnisse hier herrschen.“ Damit meint die Mutter zweier Kinder nicht nur die Zustände im Haushalt der Familien, die sie unterstützt. Die seien für sie auch schon mal unbegreiflich. „Das kommt schon mal vor, dass ich mir die Mutter schnappe, mit ihr in den Supermarkt fahre und dafür sorge, dass die Familie wieder was im Kühlschrank hat.“

Kennengelernt hat Silke Junggeburth aber auch die Hindernisse, vor denen beispielsweise die Eltern behinderter Kinder stehen. „Ich finde das unglaublich, wie hart diese Familien teilweise kämpfen müssen, um Hilfe zu finden.“

Aktuell fällt ihr da das Beispiel einer Familie mit einem Kind ein, das auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Ein Treppenlift wird installiert, der kostet bisher gut 12.000 Euro, das meiste übernimmt die öffentliche Hand. Und trotzdem bestand die Gefahr, dass das Projekt zumindest zum Stillstand gekommen wäre. Die zuständige Kommune bestand darauf, dass die Familie die Gebühr von rund 300 Euro für den Bauantrag bezahlen solle. Den Elektriker und die Trockenbauarbeiten hätte die Familie aus Sicht der Kommune ebenfalls bezahlen müssen.

Junggeburth hat mitgeholfen, dass das Projekt trotzdem ins Rollen kommt. Ein anderes Beispiel: ‚Wünsche werden wahr‘ hat eine Familie finanziell bei den Urlaubsplanungen unterstützt. Ein Kind ist permanent auf zusätzliche Sauerstoffzufuhr angewiesen. Normalerweise stellt die Versicherung die Sauerstoffversorgung, für den Urlaub gilt das aber offenbar nicht. Junggeburth sprang ein und übernahm die Rechnungen.

Drei Prinzipien folgt die Frau, die Wert darauf legt, dass sie gebürtige Altdorferin ist. Sie hilft Kindern, die im Radius von 50 Kilometern leben. Dazu hat Peter Borsdorff ihr geraten, der Dürener Leichtathlet, der schon über zwei Millionen Euro für behinderte Kinder gesammelt hat. Ihn hat sie so manches Mal um Rat gefragt.

Der Radius ist sinnvoll, auch, um Prinzip zwei gewährleisten zu können. „In fast allen Fällen besuche ich die Kinder vorher, um zu schauen, wo die Bedürftigkeit am größten ist“, berichtet sie.

Prinzip drei: Sie gibt fast nie Bargeld aus der Hand, nur in akuten Not-Situationen. Entweder, die Spenden befinden sich in ihrem Fundus im heimischen Keller. Der Fundus ist groß. Regelmäßig stellen Menschen Sachspenden auf ihre Garageneinfahrt. Oder sie kauft Dinge mit Spendengeldern, die auf dem Aktionskonto liegen. Oder sie begleicht Rechnungen der Familien, die sie unterstützt.

Silke Junggeburth räumt ein, dass sie sich „viel eingehandelt hat“ mit der Sache, die mit einem Eintrag auf Facebook begonnen hat. Der heimische Keller ist ein Lager für Spenden, fast täglich ist sie unterwegs. Auf ihren Wegen fühlt sie sich getragen von der Unterstützung der Menschen, die spenden. „Da sind mittlerweile Leute bei, die ich gar nicht kenne und die gerne regelmäßig viel spenden. Die Unterstützung aus meinem Freundeskreis ist ebenfalls groß.“ Und das, was sie an Freude und Dankbarkeit erhalte, wenn sie benachteiligten Kindern Wünsche erfüllt: „Unbezahlbar“, sagt sie.

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