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Staatsanwaltschaft Aachen bestätigt : Pfleger am Krankenhaus Jülich hat offenbar Patienten missbraucht

Staatsanwaltschaft Aachen bestätigt : Pfleger am Krankenhaus Jülich hat offenbar Patienten missbraucht

Ein Pfleger im Krankenhaus Jülich hat offenbar in zwei Fällen wehrlose Patienten sexuell schwer missbraucht. Die Staatsanwaltschaft Aachen hat das gegenüber unserer Redaktion bestätigt.

Demnach sind die sexuellen Übergriffe im Zeitraum 2012 bis 2014 an Patienten auf der Intensivstation begangen worden. Anfang August hatte die Staatsanwaltschaft im Zuge eines anderen Ermittlungsverfahren Beweismittel gegen den Intensivpfleger gefunden. Sie nahm sofort die Ermittlungen auf.

Am vergangenen Donnerstag wurde der 59 Jahre alte Beschuldigte außerhalb des Krankenhauses tot aufgefunden. Deswegen plant die Staatsanwaltschaft, die Ermittlungen formal einzustellen. Weiterhin bestätigte die Behörde, dass der 59-Jährige sich vermutlich das Leben genommen hat.

Die Beweise, die die Staatsanwaltsanwaltschaft im Zuge der Ermittlungen gesammelt hat, belasten den Mann demnach schwer. Bei einer Hausdurchsuchung fanden die Ermittler Datenträger mit Fotos, die die schweren sexuellen Übergriffe auf die zwei Patienten zeigen. Zudem stehen fünf bis sechs weitere Fälle im Raum, in denen der Pfleger die Patienten in einer die Intimsphäre verletzenden Weise fotografiert haben soll.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Mann ein Einzeltäter war. Derzeit werde noch geprüft, ob er die Fotos weitergegeben hat. Bisher gebe es dafür keine Hinweise. Bestätigt sich das, dann soll das Ermittlungsverfahren eingestellt werden.

Weiter teilte die Ermittlungsbehörde auf Nachfrage mit, dass es keine Hinweise auf Mittäter gebe. „Wir gehen davon aus, dass der mutmaßliche Täter sich selbst bei den sexuellen Handlungen an den Patienten fotografiert hat“, sagte Staatsanwaltschafts-Sprecher Jost Schützeberg. „Weiter gehen wir davon aus, dass die Patienten aus medizinischen Gründen nichts von den sexuellen Handlungen mitbekommen haben.“

Im Jülicher Krankenhaus ist die Bestürzung groß ob der Vorfälle. „Wir sind fassungslos und zutiefst betroffen“, sagte Judith Kniepen, Geschäftsführerin der Klinik. Bis zum Bekanntwerden des mutmaßlichen Selbstmordes des Pflegers am Donnerstag habe die Krankenhaus-Leitung laut Sprecher Kaya Erdem keinerlei Kenntnisse von den Missbrauchsfällen gehabt. Erst danach habe man von den Ermittlungen erfahren.

Kniepen kündigte an, Polizei und Staatsanwaltschaft vollumfänglich zu unterstützen. Erdem erklärte weiterhin, dass die Klinikleitung begonnen habe, die Opfer zu kontaktieren, um ihnen bei Bedarf unabhängige Hilfsangebote beispielsweise bei Psychologen zu vermitteln. Kniepen erklärte, dass es im Jülicher Krankenhaus eine Null-Toleranz-Politik gegen sexualisierte Handlungen gebe.

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