Jülich: Perera Tyronne aus Sri Lanka will in der Pfarre Heilig Geist arbeiten

Jülich : Perera Tyronne aus Sri Lanka will in der Pfarre Heilig Geist arbeiten

„Durch meine Patentante war ich schon als Kind Deutschland sehr zugewandt“. Das sagt Pastor Tyronne Perera aus Colombo (Sri Lanka), der mit vollem Namen Weerasinghe Arachchige Athula Tyronne heißt und 52 Jahre alt ist.

Und er sagt es in Englisch, denn trotz seiner Liebe zu Deutschland kämpft er noch mit der recht komplizierten linguistischen Struktur der deutschen Sprache, die er nichtsdestotrotz beherrschen muss, um eigenständig in Jülich als Priester zu wirken. 1996 in Sri Lanka geweiht, ist er seit dem 8. Januar Gast der Pfarrei „Heilig Geist“. Er wohnt mit Propst Josef Wolff in dessen Wohnung in der Stiftsherrenstraße.

Kurs an der VHS Jülicher Land

Weil er nicht mithalten konnte, brach Tyronne sein Sprachstudium in Bonn ab und startet nun an der VHS Jülicher Land auf dem Sprachniveau A2 neu durch. Das Bistum Aachen setzt Sprachebene B voraus, fürs Studium wird C erwartet. „With the patience of father Josef I am hopeful to learn German and to work here“, (Mit der Geduld von Pfarrer Josef hoffe ich, Deutsch zu lernen und hier zu arbeiten) betont der Pastor aus Sri Lanka.

In seiner Heimat gibt es genug Priester, die Kirchen sind zumindest sonntags überfüllt. Deswegen dauern natürlich auch die Messen länger. Im Gegenzug gibt es keine Pfarr- oder Gemeinderäte oder Gemeinde- oder Pastoralreferenten, sogar Ständige Diakone werden nicht geschätzt, weil nicht benötigt. Also sind die Menschen im ehemaligen Ceylon gläubiger? Tyronne unterstreicht den sozioökonomischen Unterschied der beiden Länder. In Sri Lanka suchen die Menschen „aus psychologischen Gründen ihre Nähe zu Gott“, hier in Deutschland haben zumeist ältere Leute aber eine „wirklich spirituelle Verbindung zu Gott“.

Ferner weiß der weltoffene Gastgeistliche die verschiedenen Messangebote in Deutschland zu schätzen, die speziell auf Familien, auf Kinder, auf Senioren zugeschnitten sind — und die es in Sri Lanka nicht gibt. Was denkt Tyronne in seiner Weltoffenheit über den Papst? „Papst Franziskus ist anderes, offener“. Er hat das Prinzip der „Unterscheidung der Geister“ in die Kirche eingeführt und findet Zugang zu Themen wie Homosexualität, Frauenpriesterweihe oder der Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zu den Sakramenten.

Wie gelangte Tyronne Perera überhaupt nach Deutschland? Die Verbindung stellte Albert Malcolm Ranjith Patabendige Don her, Kardinal und Erzbischof von Colombo. 1995 war er Bischof von Ratnapura, der Diözese, mit der St. Adelgundis Koslar seit 1992 mehr oder weniger intensiv eine Patenschaft unterhält. Bei einem seiner fast jährlichen Besuche in Koslar richtete der Würdenträger an seinen Konzelebranten, Propst Wolff, folgende Worte: „Ich habe so viele Priester, ich weiß gar nicht, was ich mit ihnen machen soll.“

Nach Bekunden Wolffs sei das Bistum in dieser Frage wegen der Unterschiede in Kirche und Kultur „sehr reserviert“ gewesen. Seit Februar existiert aber die „Bischöfliche Verlautbarung Nr. 14“, eine „Ordnung für den Einsatz von Priestern der Weltkirche im pastoralen Dienst des Bistums Aachen“. Nach dieser Ordnung dürfen Priester der Weltkirche für fünf bis acht Jahre auf Kosten des Bistums vor Ort eingesetzt werden, Tyronne würde gerne noch viel länger bleiben.

Im Gespräch entwickelte sich eine interessante Diskussion darüber, ob das priesterarme Deutschland die Gelegenheit beim Schopf packen und sich einfach „in der Welt bedienen“ oder im Lösungsansatz des eigentlichen Problems „sich seiner Verantwortung als Christ bewusst werden“ sollte.

Zurück zum Kampf mit der deutschen Sprache. Solange Pastor Tyronne nun also in Jülich seine Deutschkenntnisse verbessert, steht er gerne bei Bedarf als Zelebrant und Beichtvater in Englisch und Singhalesisch zur Verfügung, sicher ein interessantes Angebot für Katholiken im internationalen Jülich. Seine E-Mail-Adresse ist: rev.fr.tyronne@gmail.com.

(ptj)