Jülich: Pedro Obiera über die Kunst im 30-jährigen Krieg

Jülich : Pedro Obiera über die Kunst im 30-jährigen Krieg

Fast ein Drittel der Bevölkerung in allen deutschen Ländern hatte er dahingerafft, und der Tod war allgegenwärtig im frühen bis mittleren 17. Jahrhundert. Die Rede ist vom 30-jährigen Krieg, einer der Urkatastrophen Mitteleuropas, deren Auswirkungen bis heute spürbar und in der Kunst nachvollziehbar sind.

Doch wie sind sie mit dem sinnlosen Sterben umgegangen, die Musik, die Malerei oder die Poesie? Einen hochinteressanten wie unterhaltsamen Vortrag zu diesem Thema lieferte Pedro Obiera im Jülicher Dietrich-Bonhoeffer-Haus vor zahlreichen interessierten Zuhörern. Vanitas — die Vergänglichkeit könnte als Oberbegriff für die Kunst der damaligen Zeit gelten.

Und so finden sich gerade in der Malerei jener Zeit viele Hinweise auf die Allmacht des Todes, der jede menschliche Macht zu brechen imstande ist. Stolze Könige in voller Pracht fallen in Staub und Asche, Insignien der weltlichen Macht verkümmern zu verstaubten Requisiten und die körperliche Schönheit der Jugend währt doch nur einen Wimpernschlag. Heinrich Schütz, der wohl bedeutendste Komponist geistlicher Chormusik, widmete 29 Motetten dem 30-jährigen Krieg, dessen Friedensschluss im Jahre 1648 nicht viel mehr beinhaltete als der Augsburger Religionsfrieden knapp 100 Jahre zuvor. Letztlich durften die Fürsten und Landesherren über die Konfession ihrer Länder selbst bestimmen.

Und so erstaunt es, dass gerade Schütz‘ Werke von Optimismus und festem Glauben an Gott geprägt sind. „Glaubt an Gott und die Zukunft wird besser“, so fasste Pedro Obiera die musikalische Botschaft des berühmten Komponisten zusammen und hielt einige Hörproben, wie zum Beispiel die Motette „Also hat Gott die Welt geliebt“ für das Auditorium bereit. Im Gegensatz zu Heinrich Schütz, der 1585 geboren eine sehr glückliche Jugend verbrachte und in Venedig studieren durfte, so wuchs der Schriftsteller Andreas Gyphius (geboren im Jahr 1616) mit und im Krieg auf.

Als Beispiel für seine Lyrik diente das Gedicht „Abend“, das ebenso von Vergänglichkeit und Tod handelt, jedoch von tiefem Glauben an die Allmacht eines guten Gottes geprägt ist. Recht schwermütig mutet die Kunst der damaligen Zeit an, doch strahlt sie bis heute durch ihr Facettenreichtum und ihr äußerst hohes Niveau.

Das Auditorium zeigte sich an diesem Abend schwer beeindruckt von Obieras gelungenem Vortrag, der am kommenden Mittwoch, 23. Mai, um 17.30 Uhr im Dietrich-Bonhoeffer-Haus mit dem zweiten Teil fortgesetzt wird.