„Ich bin der Welt abhanden gekommen“: Overbacher Sonntagsmatinee in der Klosterkirche Haus Overbach

„Ich bin der Welt abhanden gekommen“ : Overbacher Sonntagsmatinee in der Klosterkirche Haus Overbach

Die estnische Mezzosopranistin Maarja Purga und die ebenfalls aus Estland stammende Pianistin Hanna Heinmaa gestalten am Sonntag, 3. November, zum dritten Mal die Overbacher Sonntagsmatinee.

In den vergangenen Jahren haben sie das Publikum mit Werken von Brahms, Schumann, Richard Strauss und Wagner begeistert. Am kommenden Sonntag werden Lieder von Gustav Mahler und Franz Schubert unter dem Titel „Ich bin der Welt abhanden gekommen“ zur Aufführung gebracht. Passend zu Allerseelen und Allerheiligen berichten diese Lieder sowohl über das Leben in der irdischen als auch in der himmlischen Welt und über alles, was sich zwischen diesen beiden Welten befindet.

Franz Schubert und Gustav Mahler sind zwei österreichische Komponisten, die sich auf ganz unterschiedliche Weise mit der Gattung Lied auseinander gesetzt haben. Schubert steht am Übergang von der Klassik zur Romantik und seine Werke gehören zu den wichtigsten Stücken dieser Epoche. Obwohl er im Alter von nur 31 Jahren starb, hinterließ er ein vielfältiges Erbe. Erfolge konnte er aber nur in kleinen Fachkreisen feiern, die seine genuinen Stärken erkannten. Das große öffentliche Publikum blieb ihm Zeit seines Lebens verschlossen, aber heute sind seine Werke ein wichtiger Bestandteil vieler Liederabende und Konzerte. Am 3. November werden einige der bekanntesten Lieder Schuberts zum Vortrag kommen, unter anderem „Der Tod und das Mädchen“, „Du bist die Ruh“ und „Die Junge Nonne“.

Lieder haben auch eine zentrale Stellung im Gesamtwerk Gustav Mahlers. Die Rückert-Lieder (1901-1904) sind fünf Lieder für Singstimme und Klavier oder Orchester mit Texten von Friedrich Rückert. Im Gegensatz zu Mahlers Kindertotenliedern, die vom selben Textdichter stammen, handelt es sich dabei nicht um einen Liederzyklus, sondern um jeweils selbstständige Einzelwerke.

In seiner Liedern entdeckt und entwickelt Franz Schubert die Möglichkeiten des Klaviers über das Begleiterische hinaus zu dramatischer Gestaltung der künstlerischen Aussage. Mahler dagegen sucht nach Möglichkeiten, die Gattung des Liedes mit der sinfonischen Musik zu verbinden, um so eine musikalische einheit zu bilden. Obwohl die Lieder von beiden Komponisten dieses Mal in der Klavierfassung aufgeführt werden, kann man die verschiedenen Klangwelten leicht voneinander unterscheiden und sich die einzigartige Orchestration Mahlers heimlich vorstellen.

Allerheiligen und Allerseelen sind zwei Tage im Jahr, an denen man sich an Verstorbene erinnert und für sie betet. In Estland nennt man diese Zeit zwischen dem 1. November und dem 1. Advent „die Zeit der Seelen“. Ob es sich um die Seelen der „Normalsterblichen“, um Heilige oder um Bösewichte handelt, spielt keine Rolle. Das wichtigste ist, an die Verstorbenen zu denken und ihnen Gutes zu wünschen. Diese Liedauswahl lädt das Publikum in dieser Seelen-Zeit ein, über den Tod und das Leben, über Verstorbene und Lebende, über Heilige und Bösewichte nachzudenken, Zeit für das Unsichtbare zu nehmen, und sich durch wunderbare Musik mit dem Seelischen für eine kurze Zeit wieder zu verbinden.

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