Overbacher Kammerchor beschert eine magische Stunde

Overbacher Kammerchor : Eine magische Stunde beschert

Overbacher Kammerchor verzaubert beim Konzert unter dem Leitspruch „Fürchte dich nicht, ich bin bei dir“ mit Motetten für Chor und Orgel das Publikum in der Jülicher Propsteikirche.

„Manchmal muss man die Stille mit einem Ton ausfüllen, um sich ihrer bewusst zu werden“, heißt es bei Titus Lenk, einem jungen deutschen Autoren. Nach dem letzten Klang der ersten Motette des Konzertabends, „Fürchte dich nicht, ich bin bei dir“ von Johann Sebastian Bach, in der Interpretation des Overbacher Kammerchors herrschte in der Jülicher Propsteikirche unwirkliche Stille.

Unwirklich, denn das neue angekündigte Programm des Vokalensembles unter Leitung von Kerry Jago mit dem Titel „Fürchte dich nicht“ füllte den Kirchraum bis zum letzten Platz aus. Kein Räuspern der anwesenden Kinder, kein Hüsteln in der kalten Jahreszeit, nicht das leiseste Seufzen aus den Publikumsreihen war selbst in den kurzen Darbietungspausen zu vernehmen. Die wahrhaft meisterhafte Aufführung der Komposition Bachs überzeugte mit einfühlsamer Mehrstimmigkeit und einer harmonischen Einbettung von Kanon- und Staccato-Gesang.

Kristallklarer, heller Sopran, kraftvoller Bass, verbunden über Alt-, Tenor- und Mezzostimmen, vervollständigten sich gegenseitig und sprachen die Seele an.

Altertümlich und modern

Mit „Tota Pulchra es“, einer Vertonung des Mariengebets aus dem 4. Jahrhundert von Ola Gjelo, entführten die Musiker das Publikum in ein mittelalterliches Kloster. Die Bezeichnung „engelsgleicher Gesang“ erschloss sich den Zuhörern spätestens beim Klang der Sopran- und Altstimmen. Für die Atmosphäre eines Umberto Eco-Romans sorgten die sonoren Tenor- und Basstöne. Unter der sicheren Führung des Chorleiters fügten sich diese Klänge im sphärischen Finale zu einer ebenso altertümlichen wie modernen Hymne zu Ehren der Mutter Gottes.

Expressiv, temporeich und mit einer beinahe militärischen Disziplin zum Anfang des Stücks „The Conversion of Saul“ nach Z. Randall Stroope schilderten die Chormitglieder jene brutale Christenverfolgung durch Saulus, den späteren Apostel Paulus. Seine Jesus-Vision und die spätere Wandlung zum Christentröster und -beschützer wurden mit einer eindringlichen Rezitation seines ursprünglichen Namens und einem leichten, vibrierenden Gesang musikalisch dargestellt.

Eine vertrauensvolle Bitte an Gott um Erbarmen und Frieden ertönte mit dem bekannten „Agnus Dei“ von Samuel Barber. Zu Beginn schwebend ausgewogen, fast erzählerisch und von imposant hohen Stimmeinlagen durchsetzt entwickelte die Darbietung ihre vollkommene Klangfülle im harmonischen, ruhigen Abschluss.

Mit kraftvollen Akkorden

Von Michael Mohr an der Vleugels-Orgel interpretiert, fügte sich anschließend der Choral „Was Gott tut, das ist wohl getan“ von Alexandre Guilmant in das Abendprogramm ein. Zuerst ausnehmend melodisch, mit sinnreich ausgespielten Einzeltönen erfüllte die Musik zunehmend den Raum, um mit kraftvollen Akkorden in einem triumphierenden Finale zu enden.

Mit einer zu Beginn gospelähnlichen Interpretation von Normann Dinersteins „When David Heard“ führte der Overbacher Kammerchor weiter durch die biblische Überlieferung. Alle Nuancen von Trauer und Verzweiflung durch den Verlust eines Kindes wurden mit König Davids Wehklage über den Tod seines abtrünnigen Sohnes Abschalom gesanglich zu Gehör gebracht. Bewegend, gleichermaßen einfühlsam wie kraftvoll schilderte diese achtstimmige Motette den Trauerweg vom endlosen Bedauern über ohnmächtige Wut bis hin zur Hingabe in ein vorbestimmtes Schicksal. Melancholisch und von leisem Verlustschmerz erfüllt, erklang dagegen „The Dove“ von Pascal Martiné.

Das Konzert endete, wie es begann, mit einer weiteren Bach-Mottete, vom Publikum in vollkommener Stille empfangen. Diese bravuröse Aufführung von „Singet dem Herrn ein neues Lied“ brachte das musikalische Thema des neuen Programms vom Overbacher Kammerchor nochmals zur Geltung: „Die Musik sei Trost für die Menschen, sowie die Liebe Gottes ein Trost für die Gläubigen sei“.

Ebenso wie das andächtig stille Verhalten während des Konzertverlaufs zeugte der tosende Applaus des Publikums am Ende des Abends von höchster Wertschätzung und Anerkennung der beachtlichen musikalischen Leistungen der Ausführenden.