Rödingen: Opernsängerin eröffnet Kunstausstellung in der Galerie „Alte Weberei“

Rödingen : Opernsängerin eröffnet Kunstausstellung in der Galerie „Alte Weberei“

„Ma‘agal Dayira“ ist die Gesangsperformance von Opernsängerin Susanne Hille betitelt, mit der sie die Kunstausstellung in der Galerie „Alte Weberei“ krönte. Sowohl „Ma‘agal“ (hebräisch) als auch „Dayira“ (arabisch) bedeutet Kreis.

Sich auf dem Boden krümmend, sich dann langsam suchend erhebend, voller Hoffnung dem Mittelpunkt des Lebens zustrebend, um langsam wieder am Boden zu vergehen, beschreibt die Sopranistin singend den kreisenden Lebenszyklus vom Kommen und Gehen, Leben und Tod, Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Sie singt mal leise, mal so laut, dass Gläser zerspringen könnten, etwa in Latein, Französisch, Italienisch und Deutsch.

Sie trägt ein langes Gewand in Rosttönen, auf dem in helleren Farbnuancen nackte, ineinander verschlungene Körper zu sehen sind. Eine gute Viertelstunde wird zum beeindruckenden Erlebnis. Zunächst leise, dann immer eindringlicher und lauter gestaltet sich zudem der Hintergrundklangteppich, viele Gäste stehen im Kreis und lauschen. „Ma‘gal Dayira“ wurde 2017 in Israel im Rahmen einer Ausstellung mit arabischen und israelischen Künstlerinnen und Künstlern ins Leben gerufen.

Nach Rödingen gelangte die Sängerin durch ihren Ehemann Bernhard Kucken aus Düsseldorf, der mit seinen der Werkgruppe „barocco“ zugehörigen Plastiken und Bildern in Gouache-Technik zu den vier aktuellen Ausstellern zählt. Ins Auge fällt seine nackte, deutlich erkennbare männliche Skulptur aus rohem, unbearbeitetem Naturholzstamm, die sich inmitten der alten Scheune in leichter Überdehnung spiralförmig hochwindet.

Brust und Bauch sind glatt abgesägt. Zweiter Mann im Ausstellerquartett ist Charly Holzinger aus Aachen, der sich selbst „Skulpturenbauer“ und „Autodidakt in Sachen Kunst“ nennt. Sein Materialfavorit ist die Wellpappe, weil ihn „die Festigkeit, gepaart mit der filigranen Leichtigkeit dieses Materials fasziniert“. Daraus hat er dreidimensionale Werke geschaffen, etwa eine imposante „freie Schwinge“ in Erdfarben oder „Lucifers Lustchaise“. Der Satan aus blauer Wellpappe mit roten Augen ist mit seinen spitzen roten Händen in zwei Räder eingebunden, während sein roter Schwanz mit zwei geerdeten Enden für das Gleichgewicht der Konstruktion sorgt.

Eine alte Bekannte in der „Alten Weberei“ ist Malerin Ada Blochwitz aus Kaarst. Ihre verfremdete Darstellungsweise von Menschen, Tieren und Natur ist liebevoll/ironisch gehalten. Die Menschen wirken trotz ihrer vollständigen Darstellung eher erstarrt als lebendig und stimmen den Betrachter nachdenklich. Er taucht ein in den Themenkreis von (Selbst)täuschung, Einbildung, Schein und Wahn.

Zum sechsten Mal ist auch Gisela Machalz mit Atelier in Düsseldorf in der „Alten Weberei“ zu Gast. Sie arbeitet in ihrem selbst entwickelten Brennverfahren mit Feuer und Glut, Asche und Rauch und dem Einsatz von Naturmaterialien und Fundstücken. In ihren neuesten Werken widmet sie sich stärker der Formgebung. Bislang wollte sie etwa mit durch Leid geprägten Masken im Käfig oder „Kokons“ mit vom Brand gezeichneten Flächen Abstand erzwingen. „Der Prozess der Verwandlung des Materials durch zum Teil archaische Brennverfahren hat für mich etwas Magisches, ist ständige Metamorphose“, sagt sie.

(ptj)
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