Operationen in Allgemein- und Viszeralchirurgie in Jülich und Linnich

Einblick in den OP-Saal : Das Verheilen ist ein Teil der Operation

„Guten Morgen, Herr Weber (Name von der Redaktion geändert). Sie haben es geschafft.“ Es dauert nicht lange, bis Herr Weber die Augen aufschlägt und blinzelt. Sabine Tack lächelt ihn an. Die Anästhesistin weiß aus jahrelanger Anschauung, dass diese Momente für Patienten schwierig sind.

Sie werden wach, der Beatmungsschlauch ist noch im Hals. Freundlich und beruhigend redet sie deswegen auf Herrn Weber ein.

Das Aufwachen wartet Alwin Bulla noch ab, dann verlässt er den Operationssaal. Herr Weber kriegt das vermutlich noch nicht so richtig mit. Es ist kurz nach 8.45 Uhr, als sich Bulla, der neue Chef der Allgemein- und Viszeralchirurgie für die Nordkreis-Kliniken Jülich und Linnich, vom OP-Team verabschiedet. „Vielen Dank. Gute Arbeit“, sagt er, nickt anerkennend und verlässt den Saal.

Wir haben Alwin Bulla begleitet, um zu dokumentieren, was da passiert, wo ein gesunder Mensch keine Einblicke erhält, wenn er nicht gerade zum Personal eines Operationssaals gehört. Ist er trotzdem anwesend, dann ist er in der Regel narkotisiert.

„Man darf nie aus den Augen verlieren, dass das für den Patienten eine Ausnahmesituation ist“, sagt Bulla. Das mache er sich immer wieder klar, auch, wenn er einen Leistenbruch wie den von Herrn Weber seit vielen Jahren mehrfach in der Woche macht. „Trotzdem darf man nie den Respekt vor dieser Aufgabe verlieren“, spricht der 54-Jährige weiter, während er sich in der Personalschleuse entkleidet. Raus aus der grünen OP-Arbeitsbekleidung, rein in den normalen Ärztekittel.

Alwin Bulla (links) bereitet das kleine Metallnetz vor, das er dem Patienten gleich in den Unterleib einsetzt, um den Leistenbruch zu stabilisieren. Foto: Guido Jansen

Falls Sie sich jetzt wundern, dass Bulla auf den Fotos im OP in blauer Montur zu sehen ist: Für diejenigen, die unmittelbar Kontakt zum Patienten haben, gelten strengere Hygienevorschriften als für die Anästhesisten und deren unterstützendes Personal. Das wird in dem Moment deutlich, als Bulla gut eine Stunde vorher den OP betritt. Mit dem Desinfektionsmittel haben er und sein heutiger OP-Assistent Oberarzt Thomas Gierlich sich minutenlang die Hände eingerieben. Jeder für sich, nicht gegenseitig versteht sich. Dann kommt die sogenannte sterile OP-Schwester und hilft Bulla und Gierlich in die blauen OP-Kittel und die Handschuhe. Ab jetzt herrscht Kontaktverbot mit allen anderen. Nur Bulla, Gierlich und die sterile Schwester arbeiten am Patienten.

Das restliche Personal hat den OP so vorbereitet, dass die beiden Operateure in den Saal kommen, steril eingepackt werden, operieren und wieder gehen. Man könnte meinen, dass sie sich in ein gemachtes Bett legen. Bulla hat eine andere Sichtweise. Das Team sei gut und definiere sich auch darüber, den Operateuren eine optimal vorbereitete Situation zu überlassen. „Ich bin nicht der Typ Chirurg, der hier alles selbst machen muss. Jeder hat seinen Bereich, jeder ist gut darin.“

Der Bauchraum und der Unterleib von Herrn Weber werden mit Luft aufgepumpt, um Platz für die endoskopischen Instrumente zu machen. Außerdem wird der Patient leicht zur Seite gekippt, damit die Organe der Schwerkraft gehorchend zur Seite kippen. Der Eingriff war nicht ganz unkompliziert, denn Herr Weber ist früher schon einmal am Unterleib operiert worden, das Gewebe unter der Narbe war recht stark vernarbt. „Es ist aber trotzdem alles gut gelaufen“, fasst Bulla später zusammen. Das kleine Metall-Netz hat sich mit etwas Nachhilfe genau dahin gelegt, wo es hin sollte: zwischen den Bauchraum um die Muskelschicht. „Das Sieb alleine reicht aber nicht, um den Leistenbruch zu korrigieren“, erklärt Bulla. Die Stelle, an die Bulla das Netz eingesetzt hat, vernarbt. Netz und Narben in Tateinheit bringen dann die beabsichtigte Stabilität.

Große äußerliche Narben wird Herr Weber nicht davontragen, wenn die Wunden der Leisten-Operation verheilt sind. Denn es gibt keine großen Schnitte mehr. Auch die Stellen am Torso, die Bulla geöffnet hat, um die Kamera und die beiden endoskopischen Instrumente – eine Art Greifer und eine Art Schere, beide vielleicht einen Zentimeter groß – in den Körper einzuführen, werden wohl so verheilen, dass nichts bis kaum was zurückbleibt. Und die Vernarbung im Körper ist geplant. „Eigentlich kann man uns mit Mechanikern vergleichen. Allerdings gehört ein wichtiger, zusätzlicher Aspekt zu unserer Arbeit: Sie muss so ausgeführt werden, dass sie im Nachhinein verheilen kann“, erklärt Bulla. So wie bei Herrn Weber. Höchstens zwei Tage, dann kann er das Krankenhaus verlassen. In ein paar Wochen ist er wieder voll belastbar.