Jülich: „Olle Römer“ in Jülich: Neues Informationszentrum

Jülich: „Olle Römer“ in Jülich: Neues Informationszentrum

Obwohl Generationen von Schülern im Geschichts- oder Lateinunterricht über die „ollen Römer“ lästerten und lamentierten, ist nicht von der Hand zu weisen: Ohne diese expansive Weltmacht und Hochkultur am Beginn unserer Zeitrechnung gäbe es Jülich nicht.

Ihre sichtbaren Hinterlassenschaften hier sind allerdings nicht ganz so üppig wie in Köln oder Trier. Es gibt Ausnahmen. Die Römerstraße in Jülich ist eine solche.

Die heutige Straßenführung entspricht noch ihrer über 2000-jährigen Geschichte, denn sie war Bestandteil der „Via Belgica“, des römischen Handels- und Versorgungswegs von Köln bis zum Atlantik. Die frühere Bundesstraße 1 (heute B 55) entspricht dem Verlauf der Via Belgica, die allerdings durch Tagebau und Rekultivierung nicht mehr vollständig erhalten ist. In der Jülicher Zitadelle und an mehreren Stellen der Stadt wird der römische Ursprung künftig wieder sichtbarer — eine Art Straßenshow.

Im Südostturm der Zitadelle entsteht derzeit das „Informationszentrum Via Belgica“. Der Ausstellungsraum des Museums ist kaum wiederzuerkennen und erstrahlt nun in einem — dem Thema entsprechenden — „imperialen Rot“. In Schaukästen verschiedener Größen, teils klimatisiert, werden zur Eröffnung am 14. September prominente Exponate aus drei Epochen zu sehen sein. Denn: „Jülich war schon immer der Ort an der Straße.“

Das sagt Dr. Christoph Fischer vom Jülicher Museum, der wie auch Museumsleiter Marcell Perse die Einrichtung des Infozentrums genau verfolgt. Die Handelsroute beeinflusste Jülichs auch in der Renaissance und der Romantik. Nicht zuletzt war die Straße von sicher großer Bedeutung, als das Herzogtum Jülich zur größten Blüte wuchs.

An diese Epoche in der Renaissance erinnert künftig das wertvolle Ölgemälde „Die Belagerung von Jülich 1621/22“ des zeitgenössischen Malers Pieter Snayers. Bilder von Johann Wilhelm Schirmer und seinen Schülern stehen für die Romantik, auch mit direktem Bezug zu Italien.

Ein Schaustück aus römischer Zeit ist der Teil des Sockels einer Jupitersäule, die als erste urkundliche Erwähnung Jülichs gilt, weil dieser Text zu lesen ist: „Dem größten besten Jupiter von den Einwohnern Jülichs geweiht.“

Der „Vicus Juliacum“ war zunächst unbefestigt. Die Namensgebung ist laut E. Graffmann die romanisierte Form aus „ialo“ (keltisch) und „lich“ (germanisch). Beides steht für einen freien Platz oder eine Lichtung, die in der Römerzeit offenbar am Ufer der Rur vorgefunden worden ist.

Im 4. Jahrhundert wurde ein Kastell errichtet, das sich im Bereich des heutigen Marktplatzes befunden hat.

Das Informationszentrum bietet also reichlich „Stoff“. Mitten im Raum befindet sich eine Karte der Via Belgica in einem großen Schaukasten. Außerdem ist im Vorfeld des Tagebaus ein Teil der Straßenverbindung gesichert worden, der sowohl den römischen Ursprung als auch die Entwicklung bis in die Gegenwart veranschaulicht.

Das neue Zentrum in der Zitadelle ist nur ein Bestandteil, die römische Straße sichtbarer zu machen. In der Touristen-Information auf dem Schlossplatz wird es multimediale Informationen geben.

Ein Radweg mit Beschilderung des antiken Straßenverlaufs durchquert natürlich auch Jülich. In der Stadt sind künftig sieben Informationsstelen zu finden, die markante Punkte erklären.

All das hätte die Stadt Jülich allein natürlich nie finanzieren können. Sie hat sich aber wie die anderen Via-Belgica-Anrainer an dem Projekt beteiligt. 80 Prozent der Gelder kamen von der EU und dem Land. Das Gesamtprojekt mit Zentrale in Köln, das neben der Via Belgica auch die Via Agrippa umfasst, hat Kosten von fast 6 Millionen Euro verursacht. Davon entfielen etwa 500.000 Euro auf die verschiedenen Maßnahmen in Jülich.

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