Offizieller Baustart für den zweiten Jülicher Solarturm

Offizieller Baustart für den zweiten Jülicher Solarturm : Dreifache Unterstützung für den Dauerbrenner

Der Bau des zweiten DLR-Solarturms im Jülicher Gewerbegebiet Königskamp hat begonnen. Sechs Millionen Euro kostet der Turm, der im nächsten Sommer fertig sein soll.

Da machten vor allem die Solarforscher große Augen, die für das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Jülich arbeiten. Andreas Pinkwart (FDP), NRW-Wirtschaftsminister, hatte in seinem Grußwort zum Baubeginn für den zweiten DLR-Solarturm im Jülicher Gewerbegebiet Königskamp gerade die Worte „dritter Solarturm“ in den Mund genommen. Als er meinte, ob seiner Aussage Skepsis in den Gesichtern der Forscher zu sehen, sagte er: „Lassen Sie mir doch wenigstens die Hoffnung.“

Am Freitagmittag waren Pinkwart und Andreas Feicht (CDU), Staatssekretär für Energiepolitik im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, in Jülich zu Gast zum offiziellen Baubeginn des zweiten Turms. Das Fundament steht bereits. Rund sechs Millionen Euro kostet die Großforschungsanlage, die im Sommer 2020 fertig sein soll. „Der erste Turm ist komplett ausgebucht. Da gibt es einen Engpass“, sagte DLR-Vorstandsmitglied Karsten Lemmer, der den Turm als Dauerbrenner bezeichnete.

Turm Nummer eins, den das DLR 2011 von den Stadtwerken Jülich übernommen hat, verfügt über eine Forschungsplattform, auf der die Wissenschaftler testen, was alles möglich ist mit auf einen Punkt gebündeltem Sonnenlicht. Turm zwei hat dann drei Plattformen. Er soll dabei helfen, noch mehr Wissen zu sammeln, wie man Energie aus Sonnenlicht gewinnt oder wie man diese Energie langfristig speichert. Das Sonnenlicht wird reflektiert von mehr als 2000 Spiegeln – sogenannten Heliostaten – , die alle auf einen Punkt ausgerichtet werden können.

Sie bringen Plakette am Sockel des neuen Turms an: (v.l.) NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP), DLR-Vorstand Karsten Lemmer, der Staatssekretär für Energiepolitik Andreas Feicht (CDU), die CDU-Landtagsabgeordnete Patricia Peill und FDP-Bundestagsabgeordnete Katharina Willkomm. Foto: Guido Jansen

Die drei Plattformen erfüllen verschiedene Aufgaben. Unten testet das DLR, wie Energie am besten in Flüssigsalzen gespeichert werden kann. In der Mitte geht es darum, dem Wasser mit Hilfe von Sonnenenergie Sauerstoff zu entziehen, damit Wasserstoff entsteht. Das gilt als eine der großen Möglichkeiten für die Zukunft, um Energie zu speichern. Oben wird ein Partikelreceiver installiert. Ziel ist, schwarze Partikel als Wärmespeicher zu testen.

Die Erweiterung um den zweiten Turm steht auch für das Wachstum des DLR-Standortes in Jülich. „Wir haben hier mit drei Leuten angefangen, heute arbeiten hier 40 und wir wollen weiter wachsen“, sagte Bernhard Hoffschmidt, der Direktor und Mitgründer des Instituts für Solarforschung. Von diesem Wachstum hat Andreas Pinkwart seine eigene, für die DLR-Forscher offenbar überraschende Idee. Er sprach nicht nur vom dritten Turm, sondern auch über die Dimension, die dieser haben könnte. Die könne so groß sein, dass eine solche Anlage Bestandteil der regionalen Stromversorgung wird. Solche Anlagen sind noch einmal wenigstens um den Faktor zehn leistungsfähiger als die bestehende und werden bislang nur in Ländern mit deutlich mehr Sonnenstunden gebaut.

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