Jülich: Ökumenisches Kunstprojekt: Schon Schirmer lebte die Toleranz

Jülich: Ökumenisches Kunstprojekt: Schon Schirmer lebte die Toleranz

Die christlichen Kirchen in Jülich arbeiten in einem gemeinsamen Projekt mit dem Museum Zitadelle zusammen. Nicht zum ersten Mal, man denke an „Leidlinien“ zum Christinajahr 2012 — und bestimmt nicht zum letzten Mal.

Denn: „Die Kunst kann der Schlüssel sein, die Transzendenz im Glauben aufzuschließen“, wie Gemeindereferentin Beate Ortwein es ausdrückte. Ihr geht es darum, „die Wahrheit hinter der Wahrheit zu sehen“.

Basis des ökumenischen Projektes ist der 150. Todestag des Landschaftsmalers Johann Wilhelm Schirmer. An sein Leben und Werk erinnert das Museum mit einer Ausstellung im Pulvermagazin. Hinzu kommt eine Serie von 15 abstrakten Gemälden des englischen Künstlers Chris Billington, die vom 19. Oktober bis zum 10. November in der Schlosskapelle zu sehen sein wird.

Eine Veranstaltungs-Trilogie der ökumenischen Kunstinitiative krönt die Gemäldeausstellungen: Je ein Gottesdienst in der Propstei- und der Christuskirche und eine Museumsführung greifen Themen aus Schirmers Werken auf. Ausdrücklich laden Beate Ortwein und der evangelische Pfarrer Horst Grothe dazu ein, „in gegenseitiger Gastfreundschaft die Gottesdienste in der jeweils anderen Kirche mitzufeiern“.

Grothe stellt Schirmers „Tageszeitenzyklus“ aus dessen Karlsruher Zeit in den Vordergrund. Es handelt sich dabei um eine Reihe von vier meditativen Gemälden, die den inneren Weg des Lebens betrachten vor dem religiösen Hintergrund der Geschichte vom barmherzigen Samariter. Der Pfarrer fühlt sich besonders von des Künstlers „Liebe zum Detail“ angesprochen und lernt nach eigenen Worten daraus.

Er setzt sie in Verbindung zur „Liebe des Schöpfers zu den kleinen Details“. Museumsleiter Marcell Perse betonte: „Die Verschiedenheit im Glauben ist ja auch Reichtum.“ Zur Hintergrundinformation wies er darauf hin, dass Schirmer, der als Lutheraner neben der Propsteikirche wohnte, „für seine Zeit eine große Offenheit und Toleranz“ hatte.

„Er schätzte das Gute im Anderen“. Ortwein bezog sich auf Schirmers „Sonntagmorgen“, eine Kohlezeichnung auf Velinpapier, das Thema in der Propsteikirche sein wird. Das Werk zeigt eine Landschaft mit Schafherde vor der Stadtsilhouette mit Kirche und nähert sich dem verträglichen Zusammenleben des städtischen Menschen mit der Natur an.

Die Führung der Herde von ihrem Hirten wird gleichgesetzt mit der des Stadtmenschen von Gott. „Und alle unter einer Sonne“ fasste Ortwein zusammen.

(ptj)
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