Jülich: Nur 8,3 Prozent der üblichen Regenmenge im Juli

Jülich : Nur 8,3 Prozent der üblichen Regenmenge im Juli

Grau ist alle Theorie, Spekulationen liegen im Dunkeln und die Sonne scheint hell. Konkret wird der außergewöhnliche Sommer bei einem Blick auf die Daten der Wetterstation im Forschungszentrum Jülich (FZJ).

Deren primäre Aufgabe ist zwar nicht die Wetterlage, sondern die Sicherheit im FZJ und welche Auswirkungen das Wetter haben könnte, falls es einen nuklearen, chemischen oder biologischen Störfall gibt.

Deswegen hat Dr. Axel Knaps die Wetterlage ständig im Blick. Er bestätigt, dass die Wetterlage im Moment nicht normal ist. „So heiß war es Anfang Juli 2015 auch schon mal. Da haben wir hier 38,7 Grad gemessen“, sagt Knaps. „Aber dass es neben der Hitze auch noch so lange keine Niederschläge gibt, ist sicher ungewöhnlich.“

Beispiel Juli: In einem durchschnittlichen Juli misst die FZJ-Wetterstation etwa 60 bis 70 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Im jüngsten waren es 6,3, Liter oder ziemlich genau 8,3 Prozent von dem, was normal ist. In seinen Aufzeichnungen muss Knaps ganz genau hinschauen, um die jüngsten Niederschläge in Jülich zu finden. Am 17. Juli gab es weniger als einen Millimeter pro Quadratmeter, am 10. Juli 1,2 Millimeter, am 4. Juli 2. „Also eigentlich gar nichts“, stellte Knaps fest.

Das Problem: Im August gab es noch gar nichts, und auch der Juni und der Mai waren ungewöhnlich trocken, in beiden Monaten fiel nur knapp die Hälfte der durchschnittlichen Niederschläge. Der krasse Kontrast dazu sind zwei Stunden am 30. April, in denen alleine zwölf Liter pro Quadratmeter fielen. März und April insgesamt waren ungewöhnlich feucht, da registrierte die Jülicher Wetterstation 125 beziehungsweise 140 Prozent Regenmenge im Vergleich zum Mittel.

Ob Dienstag der heißestes Tag werden würde, vermochte Knaps am Mittag noch nicht zu sagen. Die Marke von 38,7 Grad war da noch nicht geknackt, rund ein Grad fehlte. „Es ist aber gut möglich, dass wir nachträglich feststellen, dass es heißeste Tag in den vergangenen Jahren war“, erklärte Knaps. Schließlich bedeute die pralle Mittagssonne, derzeit zwischen 13 und 13.30 Uhr, nicht die Höchsttemperatur. „Die messen wir meistens am späten Nachmittag, vielleicht gegen 16 Uhr.“ Dann sei der Sonnenhöchststand zwar vorbei, aber aufgrund der Trägheit der Atmosphäre rolle die Temperaturwelle immer zeitversetzt später an.

Die Suche nach Regen in den Wetterprognosen ist laut Axel Knaps eine schwierige Angelegenheit. Vorhersageprogramme, die ein amerikanisches Wettermodell als Grundlage haben, hatten bisher in der Trockenphase schon häufiger Regen angesagt. So auch für die Nacht zum Mittwoch. „Je näher wir an den Termin des möglichen Niederschlags kommen, desto mehr sinkt die Regenwahrscheinlichkeit in diesen Programmen“, sagt Knaps.

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Derzeit treffsicherer seien die Simulationen eines deutschen Wettermodells und die Programme, die ihre Vorhersage hieraus ziehen. „Das hängt letztlich von der Rechnerleistung ab, die zur Verfügung steht. Je mehr Parameter da berücksichtigt werden können, desto genauer wird die Vorhersage“, sagte der Jülicher Forscher.

Seines Wissens nach sei die Leistung der deutschen Wetterrechner unlängst deutlich gesteigert worden. Deswegen seien die Prognosen immer treffsicherer geworden. Nur eines können sie nicht: Regen machen.

(jan)
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