Linnich: Neuseeländischer Spinat soll an der Bushaltestelle blühen

Linnich: Neuseeländischer Spinat soll an der Bushaltestelle blühen

Man kann es schon deutlich sehen. Aus dem Boden im Beet ringelt sich zartes Grün empor. Die Erdbeeren tragen ihre typisch weißen Blüten. Und die Tomatenpflanzen an der Wand sehen schon richtig kräftig aus. Garten eben. Von wegen.

Nicht was da wächst, sondern wo es wächst, ist das Besondere an diesem kleinen Nutzgärtchen. Es liegt mitten in der Stadt — auf dem kleinen Vorplatz an der Linnicher Stadthalle.

Dort haben bislang allenfalls Blumenrabatte und Baumkarrees existiert. Mangold oder Buschbohnen waren da nie ein Thema. Bis jetzt. „Statt-Garten“ nennen die Initiatorinnen die überschaubare Beetansammlung zwischen dem Buswartehäuschen und der verplankten Fassade der alten Stadthalle.

Dort hat Ideengeberin Dorothea Flaskam, ehemalige Umweltbeauftragte der Stadt Linnich, gemeinsam mit dem Frauenstamm vor vier Wochen begonnen, ein Gärtchen anzulegen. Eigenhändig wurden vier Holzkisten gezimmert, die nun als Beet dienen. Die Erde spendete Obstbauer Hubert Wirtz, und dann wurde gepflanzt. Neben den Buschbohnen, Erdbeeren, Tomaten und Mangold sollen Radieschen, Erbsen, Möhren und neuseeländischer Spinat in den Beeten sprießen. „Das ist ein Nutzgarten“, betont Dorothea Flaskamp, „und die Bürger sollen ernten.“

Kleiner Garten, große Idee

Dahinter steht die Idee des Urban Gardening, einer globalen Bewegung mit zum Teil bemerkenswerten Ausmaßen. Dagegen nimmt sich der Linnicher „Statt-Garten“ zwar sehr bescheiden aus, trägt aber ungeachtet seiner Kleinheit eine große Idee in sich. In Zukunftsmodellen nimmt die Nahrungsversorgung eine zentrale Bedeutung ein. Urban Farming, Landwirtschaft in den Städten zur Produktion von Nahrungsmittel wird in ebenso sinnigen wie ungewöhnlichen Varianten durchgespielt.

Das kleine Gärtchen vor der Linnicher Stadthalle muss eine solch wichtige Funktion nicht übernehmen. Aber man darf sich an seiner Idee, seinem Gedeihen und seinen Früchten erfreuen. Lore Hilger hat es in Worte gefasst und auf die Holztafeln an der Stadthallen-Fassade geschrieben: „Ich, die Muttererde, freue mich auf alles, was in mir wächst und gedeiht. Besonders erwarte ich Menschen, die diese Freude mit mir teilen.“

Offiziell eröffnet wird der „Statt-Garten“ am 31. Mai und wird dann eine Facette des Linnicher Kultursommers sein, der ebenfalls an diesem Tag offiziell seinen Anfang nimmt.

(ojo)