Neupflanzungen: Grüne in Jülich kritisiert Verwaltung

Abholzungen : Neupflanzungen nach Baumfällungen Fehlanzeige

In einem Bericht der Stadtverwaltung Jülich wird deutlich, dass viele Bäume gefällt werden, aber keine Neuanpflanzungen erolgen. Grünen-Fraktionsvorsitzender Lutz Baumgarten kritisiert das scharf.

Lutz Baumgarten sagt es mit deutlichen Worten: „Da wird das Nichtstun zum Prinzip erhoben.“ Dabei ist das, was der Vorsitzende der Jülicher Ratsfraktionen der Grünen so harsch kritisiert, zunächst harmlos. Für die kommende Sitzung des Planungs-, Umwelt- und Bauausschusses hat die Verwaltung eine Sitzungsvorlage erstellt, in der sie einfach nur einen Sachstandsbericht abliefert. Das Thema: „Bäume im Bereich der Stadt Jülich“.

Ein Beschlussentwurf ist in solchen Fällen gar nicht vorgesehen. Stattdessen stellt die Verwaltung nur dar, dass in den vergangenen Monaten „leider an verschiedenen Stellen von der Rußrindenkrankheit befallene Bäume gefällt werden mussten“. Pikant wird es dann im Detail, weil aus dem Bericht der Verwaltung erkennbar wird, dass in keinem einzigen Fall abgeholzte Bäume ersetzt wurden.

Beispiel Bertastraße: Dort musste der komplette Bestand entfernt werden, danach wurde eine Blühwiese eingesät. Weil der Kreis plant, die Kita Bertastraße zu erweitern, ist die vorgesehene Aufforstung zurückgestellt worden, „bis entschieden ist, welche Fläche für die Kindergartenerweiterung benötigt wird“. Von einer Ersatzfläche, die aufgeforstet werden könnte, ist nicht die Rede. Auch im Bereich verschiedener Denkmäler mussten Ahornbäume entfernt werden.

„Mit Blick auf die Bausubstanz ist eine Aufforstung in diesen Bereichen ausgeschlossen“, heißt es im Sachstandsbericht. Ersatzmaßnahmen? Fehlanzeige. Richtig auf die Palme bringt Baumgarten ein anderes Beispiel. Auch in der Königsberger Straße musste ein größerer Ahornbestand entfernt werden. Auch die sollen offenbar nicht ersetzt werden. „Die ursprünglich geplante Aufforstung wird zunächst nicht durchgeführt, da sich die Fläche offensichtlich ohne Hilfe regeneriert“, schreibt die Verwaltung.

Ein Satz, der Baumgartens Zitat vom Prinzip Nichtstun erklärt. „Die Vorlage macht deutlich, wie sich die Verwaltung seit Jahren präsentiert: Es gibt kein Konzept, wie man Bäume pflanzen will. Stattdessen wird einfach nur gefällt“, ärgert sich Baumgarten. Er fordert eine Handlungsanweisung des Bürgermeisters ein. „Ursprünglich ist der Bürgermeister mit der Forderung nach einer Baumschutzsatzung angetreten.

Die haben wir bis heute nicht. Im öffentlichen Raum könnte er aber selbst mit einer einfachen Anweisung dafür sorgen, dass jeder Baum, der gefällt wird, auch zu ersetzen ist“, sagt Baumgarten, der in dem Zusammenhang ausgerechnet einen CDU-Amtsträger lobt: „Die Grünen im Kreis haben beantragt, dass 50.000 Bäume neugepflanzt werden sollen. Darauf ist der Landrat aufgesprungen und will jetzt 100.000 Bäume anpflanzen lassen.“

Von Anpflanzungen ist in Jülich eher nicht die Rede. „Wir wissen, dass Stadtbäume einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Wir gründen eigens einen Arbeitskreis zum Klimaschutz, aber im Innenstadtbereich fällen wir die Straßenbäume. Mir kommt es oft so vor, als ob uns Parkplätze wichtiger sind.“ Dass es anders ist, lässt sich der Vorlage zur Ausschusssitzung am 20. November nicht entnehmen.