Neues Stadtviertel in Jülich für 120 Millionen Euro

Weitere Pläne für die Merscher Höhe: Neues Stadtviertel für 120 Millionen Euro?

Der Braingery-Park ist nicht das einzige Großprojekt, das auf der Merscher Höhe entstehen kann. Der Jülicher Architekt Joachim Loseck und die Fundus FMZ GmbH aus Hürth planen ein neues Viertel mit einem Investitionsvolumen von bis zu 120 Millionen Euro.

Wirft man einen Blick auf Jülichs Stadtplan, dann wird schnell klar, dass die Möglichkeiten begrenzt sind, neue Wohngebiete zu schaffen, die sich an eine vorhandene Bebauung anschließen. Da, wo mal ein Golfplatz geplant war, also im Bereich der Aachener Landstraße, gibt es noch Potenzial, vor allem aber in Norden der Stadt mit Blick auf die Merscher Höhe. „Wir streben innerhalb des Von-Schöfer-Rings eine Wohnbebauung an“, sagt Jülichs Beigeordneter Martin Schulz. Den Auftakt dazu könnte ein Projekt bilden, das vor knapp zwei Jahren erstmals im Planungsausschuss der Stadt präsentiert worden war: die Bebauung des Sondergebietes unmittelbar am Kreisverkehr Merscher Höhe.

Neuer Besitzer

Das 80.000 Quadratmeter große Areal gehörte früher einer bundeseigenen Gesellschaft, dort befinden sich noch einige Gewerbehallen, ein Verwaltungsgebäude der Telekom und eine kleine Bungalowsiedlung. Die Wohnhäuser sind bis heute meist von ehemaligen Beschäftigten der Deutschen Welle bewohnt. 2017 wechselte das Areal den Besitzer. Die Fundus FMZ GmbH aus Hürth mit Geschäftsführer Joachim Wollny erwarb das Gelände und der Jülicher Architekt Professor Joachim Loseck präsentierte erste Pläne für eine Wohnbebauung plus Gewerbeeinheiten. Diese Planung wird nun konkreter. Beigeordneter Martin Schulz: „Die Bezirksregierung hat uns vor wenigen Tagen bei einem Gespräch in Köln erklärt, dass sie grundsätzlich nichts gegen die Planung hat. Wir müssen jetzt eine Flächennutzungsplanänderung vornehmen, dann startet die Bauleitplanung. Grob geschätzt dauert das in der Regel ein Jahr.“

Bis ein rechtsgültiger Bebauungsplan vorliegt und auch die ersten Bauanträge abgesegnet sind, dürfte allerdings noch mehr Zeit vergehen. „Frühestens 2021“, schätzt Planer Joachim Loseck, der einen Maßnahmenbeginn für nicht vor 2022 anvisiert: „Alles andere wäre zu ambitioniert“. Bis dahin gilt es für ihn und den Investor noch zahlreiche Auflagen zu erfüllen, zum Beispiel mit Blick auf den Artenschutz oder das bestehende Einzelhandelskonzept der Stadt. So ist im Bereich der Gewerbeeinheiten beispielsweise ein Discounter plus ein Restaurant vorgesehen. Dafür müssen die Investoren den Bedarf darlegen können. Allein bei den Gutachterkosten planen die Investoren Ausgaben in Höhe von einer Million Euro ein. Auf 100 bis 120 Millionen Euro schätzt Loseck die Gesamtinvestitionen.

Die Hallen sollen einer neuen Nutzung zugeführt beziehungsweise abgerissen werden. 80 Wohnhäuser sollen auf dem Areal entstehen, zusätzlich Studentenwohnungen und Miniappartements. Foto: Burkhard Giesen

Neben einer energetischen Ertüchtigung der bestehenden Bungalow-Siedlung soll im südlichen Bereich ein neues Wohngebiet mit 80 Wohneinheiten in Form von Doppel- und Reihenhäusern entstehen. Ein in dem Bereich vorhandenes Regenrückhaltebecken soll als Biotop weiterentwickelt werden. Zudem ist nach derzeitigem Stand ein Studentenwohnheim mit 120 Appartements geplant, plus weitere etwa 100 Miniappartements für Beschäftigte des Forschungszentrums und der Fachhochschule, die nur während der Woche in Jülich vor Ort sein wollen. In zwei Fällen gibt es für weitere geplante Projekte bereits Investoren. Loseck: „Eine Gruppe aus Köln ist an uns herangetreten, weil sie gerne an dieser Stelle ein Zentrum für Autisten realisieren würden. Bei diesem inklusiven Wohnprojekt mit Gruppen- und Therapieräumen würden 16 Menschen von 16 Betreuern versorgt. In Köln gibt es bereits eine entsprechende Einrichtung.“ Nach Aussage von Loseck gibt es ebenfalls für eine Seniorenanlage mit betreutem Wohnen für 100 Menschen einen Investor.

Im nördlichen Bereich des Areals soll sich dann als Übergang zum Gewerbegebiet Brainergy-Park eine gewerbliche Nutzung an die Wohnbebauung anschließen. Dort sind neben einer Tankstelle unter anderem ein Discounter, ein Restaurant und ein Fachmarkt vorgesehen. Im zweiten Geschoss soll ein Hotel im mittleren Preissegment untergebracht werden.

Frühestens 2022, schätzt der Jülicher Architekt Joachim Loseck, können die Maßnahmen umgesetzt werden. Foto: Burkhard Giesen

Um das Projekt zu realisieren, benötigt die Fundus FMZ GmbH einen langen Atem. Stadt, Kreis Düren und die Bezirksregierung müssen sich abstimmen. „Das kostet Zeit. Wir sind 2017 gestartet. Wenn wir 2022 mit den Maßnahmen beginnen könnten, lägen wir noch gut im Zeitrahmen“, sagt Architekt Joachim Loseck. Mit einer früheren Realisierung rechnet er nicht: „Ich glaube nicht, dass es mit dem anstehenden Strukturwandel Verbesserungen beim Planungsrecht geben wird. Diese Diskussion gibt es seit 40 Jahren. In dieser Zeit ist es immer komplizierter geworden.“

Allerdings dürfte die Stadt selbst ein eigenes Interesse an einer zügigen Bebauung haben, kommt sie doch dem Ansinnen entgegen, innerhalb des Von-Schöfer-Ringes die Wohnbebauung zu schließen. Dann dürfte auch eine Bebauung bis zur Bahnlinie realistisch werden.

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