Anschluss an die Rurtalbahn: Neues Gleis für das Forschungszentrum?

Anschluss an die Rurtalbahn : Neues Gleis für das Forschungszentrum?

Mehrere Gleisprojekte sollen den Nordkreis Düren weiter nach vorn bringen und befinden sich buchstäblich auf der Schiene. Der Lückenschluss der Gleisverbindung von Linnich nach Hückelhoven-Baal und damit in den Kreis Heinsberg ist sicher das prominenteste Beispiel, das in diesem Frühjahr ein gutes Stück vorangekommen ist.

Der „Brain-Train“ von Aachen über Aldenhoven/Siersdorf nach Jülich ist ein weiteres, für das allerdings noch die beste Streckenführung gefunden werden muss. Ein drittes Projekt befindet sich unterdessen auf der Überholspur und soll wohl schon in naher Zukunft realisiert werden. So deuten das jedenfalls die Fachleute aus Kreispolitik und -verwaltung. Die Rede ist von einem neuen Rurtalbahngleis bis vor die Tore des Forschungszentrums

Der bisherige Haltepunkt liegt nicht wirklich ideal für die rund 6.500 Beschäftigten der Einrichtung und in den angrenzenden Unternehmen. „Es besteht ein grundsätzlich sehr hohes Verkehrsbedürfnis und Fahrgastpotenzial, das jedoch aufgrund des großen Abstandes des vorhandenen Haltepunktes der Rurtalbahn nicht ausgeschöpft wird“, heißt es in einer Vorlage der Kreisverwaltung, die dem Ausschuss für Kreis- und Regionalentwicklung vorgelegt worden ist.

Weil das Forschungszentrum sich gleichzeitig baulich in Richtung Südwesten – und damit der Bahnanlagen – erweitern will und zudem ein öffentlich zugängliches Transfer- und Konferenzzentrum geplant sei, will die Rurtalbahn näher an das FZJ rücken, erfuhren die Ausschussmitglieder. In einer Neubauschleife soll das Gleis nach Nordosten verlängert werden, um unmittelbar am Konferenzzentrum einen neuen Haltepunkt zu errichten. Auf diese Fläche soll auch die Einlasskontrolle der großen Wissenschaftseinrichtung verlegt werden. Der Fahrweg der Bahn würde dadurch einen Kilometer länger, was die Fahrzeit um rund eineinhalb Minuten erhöht. Das sei „durch Optimierungsmaßnahmen im Bestandsnetz der Rurtalbahn“ zu kompensieren.

Die Rurtalbahn soll näher ran an das Forschungszentrum: Im Moment befindet sich die Haltestelle „Forschungszentrum“ noch über einen Kilometer entfernt vom Haupteingang der Einrichtung. Das soll sich nach neuesten Plänen ändern. Foto: Volker Uerlings

Der Neubau ist nicht unaufwändig, denn die Gleisschleife erfordert „diverse Kreuzungen mit Gewässern und Feldwegen“. Der alte Haltepunkt wäre entbehrlich und soll zurückgebaut werden. Dieses Projekt ist schon seit Jahren ein Wunsch in der Chefetage des Forschungszentrums, nun aber kommt unverhofft Schwung in die Angelegenheit, weil die maßgebliche Stelle ein wichtiges Signal gegeben hat.

Die Nahverkehr Rheinland GmbH (NVR), die den Schienenpersonennahverkehr und die Mittelvergabe in unseren Breiten plant, hat laut Walter Weinberger, Amtsleiter für Kreisentwicklung und Wirtschaftsförderung in Düren, die Beteiligungsgesellschaft des Kreises (BTG) darum gebeten, Mittel für das neue FZJ-Gleis anzumelden. „Es ist selten, dass der Impuls vom NVR selbst kommt. Wir waren ehrlich gesagt etwas überrascht“, sagte Weinberger auf Anfrage der Redaktion. Zugleich sei das ein Zeichen für die Ernsthaftigkeit, mit der das Projekt nun vorangetrieben werde.

Die ausführliche Planung bleibe zwar abzuwarten, aber die Mittelanmeldung werde natürlich erfolgen. Der NVR will das Vorhaben vorbehaltlich einer Prüfung in sein Investitionsprogramm 2019-2023 aufnehmen. Voraussetzung dafür ist, dass es für die auf und außerhalb des FZJ-Geländes geplanten Bauten (Kongresszentrum/neue Einlasskontrolle) verbindliche Standorte gibt.

Noch etwas weiter in der Ferne, aber in Sichtweite scheint sich der Lückenschluss Linnich-Baal zu befinden. Die Streckenaktivierung soll in die 1. Stufe des ÖPNV-Bedarfsplans NRW und nach Möglichkeit auch in den Infrastrukturfinanzierungsplan des Landes aufgenommen werden. Diesen Vorschlag hat die Verbandsversammlung des Nahverkehr Rheinland einstimmig beschlossen Der Regionalrat der Bezirksregierung Köln hat sich dem ebenfalls angeschlossen. Damit sind noch nicht alle, aber hohe Hürden genommen.

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