Jülich: Neues Buch über Herzog Wilhelm V. ein „Meilenstein für Jülich"

Jülich : Neues Buch über Herzog Wilhelm V. ein „Meilenstein für Jülich"

Im Jahr 502. nach der Geburt des bedeutendsten Jülicher Herrschers, der die Stadt und die weite Region bis heute sichtbar geprägt hat, ist historisch Wichtiges geschehen: In einem neuen Buch haben die drei Herausgeber und Mitautoren Guido von Büren, Ralf-Peter Fuchs und Georg Mölich mit Unterstützung vieler weiterer Experten das Wissen um Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg erstmals gebündelt zusammengetragen.

Die Person, aber auch das „Panorama“ in dem sie regiert hat, liefern eine neue Perspektive. „Ein sehr rundes Gesamtbild“, sagt von Büren. Und zu lesen sind unter anderem drei Beiträge, die den Stand der historischen Forschung derart gut zusammenfassen, dass sie sich „auf nationaler und internationaler Ebene sehen lassen können — trotz des regionalen Themenansatzes. Das sagt Georg Mölich über „Herrschaft, Hof und Humanismus. Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg und seine Zeit“.

Die Herausgeber, die das Buch in dieser Woche zunächst bei Bürgermeister Axel Fuchs und später vor Publikum in der Schlosskapelle vorstellten, skizzieren einen Herscher, den man selbst aus gegenwärtiger Perspektive als durchaus modern bezeichnen muss. Oder jünger formuliert: Wilhelm (1516 - 1592) könnte auch heute was werden.

Der gebildete Herrscher, der eines der größten Territorien im Nordwesten des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation regierte, war tolerant, was sich vor allem in der damals vom kaiserlichen Hof äußerst skeptisch betrachteten Duldung der reformatorischen Bewegung zeigte. Er war vertraglich verpflichtet, den Katholizismus zu bewahren, gestattete aber seinen Untertanen das „Abendmahl in beiderlei Gestalt“ und hat die „Priesterehe zugelassen“, sagt Ralf-Peter Fuchs. Wilhelm habe die Auffassung vertreten, dass auch innerhalb des Katholizismus eine Reformation vonstatten zu gehen habe und in theologischen Fragen zeitlebens „immer wieder mit sich gerungen“.

Politisch war der Herzog laut Guido von Büren ein „konsensualer Landesherr“, der „in allen Bereichen auf Ausgleich bedacht war“. Offensiv stieß er Diskussionen an und steckte viel Energie darin, Landtage und andere Gremien zu überzeugen. Aufgrund seiner hervorragenden (Aus-)Bildung habe für Wilhelm V. der Friedensgedanke „über allem gestanden“, erklärt von Büren. Das Buch würdigt in zum Teil berührenden Beiträgen auch den Privatmann, der einerseits mit einer schweren psychischen Erkrankung seiner zweiten Ehefrau Maria von Österreich habe leben müssen — und andererseits selbst in den letzten 30 Jahren seines Lebens nach einem Schlaganfall erheblich in seiner Sprachmotorik stark gestört gewesen sei.

Die in dem sehr gut ausgestatteten Band zu lesenden Beiträge entstammen überwiegend einer Tagung bei der Niederrhein-Akademie. Fast alle Referenten, anerkannte Experten auf ihren Gebiete, haben ihre Tagungsbeiträge zum Buch beigesteuert, so dass Guido von Büren im Ergebnis feststellt: „Das ist aus Jülicher Sicht ein Meilenstein.“ Bürgermeister Axel Fuchs zeigte sich beeindruckt und „dankbar, dass jetzt diese wissenschaftliche Arbeit vorliegt, und ich bin besonders stolz auf meinen Mitarbeiter und Vertrauten Guido von Büren“.