Neuer Pavillon auf dem Jülicher Schlossplatz geplant

Neue Pläne für Innenstadt : Städtisches Duo zieht auf Schlossplatz

Es ist zweifelsfrei die allerbeste Lage im Zentrum: der Jülicher Schlossplatz. Genau hier wollen der Kommunalversorger Stadtwerke Jülich GmbH und zwei Einrichtungen der Stadt unter ein Dach ziehen. Sie planen den Bau eines flachen Gebäudes, das sich an der Ecke Schloss-/Kölnstraße befindet und den heutigen Pavillon der Tourist-Info ersetzt.

Allerdings sind die Dimensionen nicht vergleichbar. Um das Kundenzentrum des Unternehmens, die Touristenanlaufstelle und ein Bürgerbüro unterzubringen, muss ein 25 mal 12 Meter großer eingeschossiger Bau mit einer Nutzfläche von rund 240 Quadratmetern gebaut werden. „Wir haben Großes vor“, sagte bei der Vorstellung der Pläne Stadtwerke-Geschäftsführer Ulf Kamburg.

Damit meinte er beileibe nicht nur den prominenten Bau im Herzen Jülichs, sondern weitere Pläne des städtischen Unternehmens, das wohl in den nächsten Jahren seinen Sitz An der Vogelstange verlassen und ins Gewerbegebiet Brainergy-Park umziehen wird. Dort sollen die Stadtwerke laut Bürgermeister Axel Fuchs in unmittelbarer Nähe zum Spezialbereich für Erneuerbare Energien „in exponierter Lage“ eine neue Heimat erhalten. Die heutige Immobilie am Stadteingang hat die besten Tage lange hinter sich. Oder wie Ulf Kamburg es ausdrückt: Sie ist „deutlichst in die Jahre gekommen“. Die Verlagerung hätte für den Kommunalversorger und die Stadt als „Mutter“ den Vorteil, dass in der Nähe der Rur eine größere neue Fläche vermarktet werden kann.

Aber zurück zu den Plänen am Schlossplatz.Um Ideen für eine Bebauung in dieser 1a-Lage zu erhalten, wurde ein Wettbewerb gestartet, zu dem drei Architekten eingeladen worden waren. Der Auftrag: Sie sollten ein „modernes, nicht übertriebenes Gebäude“ am Schlossplatz entwerfen, das einerseits die drei geplanten Nutzungen zusammenführt und außerdem diesen Ort zu einem „Zentrum der Elektromobilität“ entwickelt, sagte Geschäftsführer Ulf Kamburg am Mittwoch. Eine siebenköpfige Jury hat sich am Ende einstimmig für den Entwurf des Jülicher Architektenbüros Hans-Karl Schüssler ausgesprochen. „Es ist ein guter Entwurf in einer sauberen Architektensprache. Er ist solide, ohne rückwärtsgewandt zu sein, modern, aber nicht überkandidelt“, wie die Jury schreibt. Oder mit den Worten von Bürgermeister Axel Fuchs, der ebenfalls Preisrichter war: „Wir bauen keinen Palast, sondern ein funktionales, schönes Gebäude.“

Dafür wurde bereits in der vergangenen Woche der rechtliche Grundstein gelegt, denn im Ausschuss für Planung, Umwelt, Bauen wurden sowohl das Bebauungsplan- und Flächennutzungsplanänderungsverfahren gestartet bei je einer Gegenstimme von Ortsvorsteherin Margarete Esser-Faber (CDU), die eine Befürchtung hat: „Wenn da so ein großes Gebäude hinkommt, wird das die Charakteristik des Schlossplatzes verändern.“ Diese Bedenken teilten allerdings alle anderen Mitglieder des Gremiums nicht.

Beigeordneter Martin Schulz (v.l.),Bürgermeister Axel Fuchs und Stadtwerke-Chef Ulf Kamburg schauen sich die Pläne des Gewinnerentwurfs noch einmal an. Foto: Volker Uerlings

Der Ausschuss hatte allerdings zwei Forderungen, die im weiteren Verfahren erfüllt werden sollten: Im Rahmen der Maßnahme sollen neue öffentliche Toiletten errichtet werden, die sich keinesfalls in einem Keller befinden dürften, sondern ebenerdig zu erreichen sein müssten. Dafür gibt es bislang noch keine Lösung, „die werden wir aber finden“, erklärten am Mittwoch Ulf Kamburg, Bürgermeister Axel Fuchs und Beigeordneter Martin Schulz. Da im Zuge des Baus der Fahrradparkplatz verlegt werden muss, hatte Ausschussvorsitzender Heinz Frey in der Sitzung zudem angeregt, angesichts der Vielzahl an Elektro-Bikes auf den Straßen über einen überwachten Fahrradparkplatz nachzudenken.

Als Zentrum der Elektro-Mobilität sollen vor dem Gebäude (entlang der Kölnstraße) Ladebereiche für etwa vier E-Autos entstehen. Neben dem Fahrradabstellplatz wird es auch künftig die E-Bike-Ladestation für bis zu zwölf Räder geben, wie Stadtwerke-Geschäftsführer Kamburg informierte. Noch nicht ganz klar ist, wie genau der Bau energetisch versorgt wird, da Photovoltaik durch den Schattenwurf der vielen Bäume ausscheidet. „Vielleicht ein Mikro-Blockheizkraftwerk oder Fernwärme, wir prüfen das“, sagte Kamburg, der hofft, dass die Baumaßnahme möglichst bis zum 1. Juli 2020 abgeschlossen ist – „das ist ein Wunschtermin“.

Beigeordneter Martin Schulz sieht das Projekt auch als Möglichkeit, die heute recht ungeordnete Situation mit Pavillon, Trafostation, zwei Toilettenanlagen, E-Bike-Ladestation und Fahrradparkplatz neu zu sortieren und eine wesentlich ruhigere Gestaltung zu schaffen.