Jülich: Neuartiges Sonnenkraftwerk in Jülich in Betrieb

Jülich: Neuartiges Sonnenkraftwerk in Jülich in Betrieb

Die gebündelte Kraft der Sonne in elektrischen Strom verwandeln, das klingt im ersten Moment ebenso einfach wie genial. Der Weg von der Idee über ein Modell bis zum fertigen Kraftwerk war indes länger, doch dann war der große Moment gekommen.

Im Gewerbegebiet Königskamp wurde das erste Solarthermische Versuchs- und Demonstrationskraftwerk Deutschlands feierlich an die Stadtwerke Jülich (SWJ) als Betreiberin der Anlage übergeben.

Mit einer Leistung von maximal 1,5 Megawatt ist das Kraftwerk zwar von der Kapazität her nur ein Zwerg, das vielleicht 400 Haushalte mit Strom versorgen kann, doch die Perspektiven sind riesig. „Der Solarturm wird ein Leuchtturm” jubelte Thomas Rachel, Staatssekretär im Bundesministerium für Forschung und Bildung, über das gelungene Zusammenspiel von Forschung und Unternehmen. Zudem stelle das Versuchskraftwerk einen idealen Ausbildungsstandort für angehende Ingenieure dar.

„Jülich wird das Mekka der Solarthermie”, wird auch Bürgermeister Heinrich Stommel gerne gehört haben, der die Übergabe „eines herausragenden technischen Bauwerks” in der historischen Festungsstadt begrüßte. „Jülich ist Vorreiter”, positioniere sich die Herzogstadt als Spezialist für saubere Energie.

Zudem stärke das Projekt Wirtschaftskraft und den Forschungsstandort. Selbst aus touristischer Sicht sei der Solarturm interessant, der international Beachtung finde, da er Grundlage für die Energieversorgung er Zukunft sei.

Christa Thoben, NRW-Ministerin für Wirtschaft und Energie, die auch schon zum ersten Spatenstich nach Jülich gekommen war, freute sich, das die eingesetzte Technik zur Stromerzeugung aus NRW kommt und betonte die industriepolitische Bedeutung der Versuchsanlage. Es gelte, bei neuen Entwicklungen an der Spitze zu stehen. So fördert neben Bund und NRW (5 Millionen Euro) auch Bayern (2,1 Mio.) das Projekt.

Weltweit einmaliges Kraftwerk

Das mag darin begründet sein, das die Kraftanlagen München GmbH (KAM) als Generalunternehmer an Planung, Bau und Fertigstellung des Solarturmkraftwerks beteiligt war. KAM-Geschäftsführer Ludwig Geißinger erinnerte daran, dass sein Unternehmen bereits vor fünf Jahren an der Machbarkeitsstudie beteiligt war.

Er blickt zuversichtlich auf das „weltweit einmalige Kraftwerk, das technologische wie wirtschaftliche Perspektiven eröffne. KAM baut seit 50 Jahren Kraftwerke in der ganzen Welt.

Deshalb ist gut fürs Geschäft und den Erhalt der Arbeitsplätze, neue Methoden der Energieerzeugung in die Tat umzusetzen. Geißinger räumt der neuen Technologie große Marktchancen ein.

Dabei besteht der modular ausgebaute Solarturm zu einem großen Teil aus konventioneller Kraftwerkstechnik. Neu am Gesamtkonzept sind die Befeuerung durch die Kraft der Sonne, deren Strahlen mit gut 2000 Spiegeln gebündelt und auf einen Receiver geworfen werden, in dem ein Luftstrom auf rund 700 Grad aufgeheizt wird, sowie ein thermischer Speicher, bestehend aus einer keramischen Schüttung, der die Zeit überbrücken kann, in der Wolken die Sonne verdecken oder der sogar die Anlage rund um die Uhr laufen lässt.

Die Entwicklung des Receivers als Herzstück der Anlage geht auf das Konto des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt (DLR) und des Solar-Instituts Jülich (SIJ) der FH Aachen als Forschungspartnern. Über einen Lizenzvertrag hat sich die KAM die Nutzung dieser Technologie gesichert.

Bei den anlaufenden Forschungsvorhaben am Jülicher Versuchskraftwerk geht es nicht nur darum, die vorhandenen Komponenten und deren Zusammenspiel zu optimieren, sondern auch um neue Anwendungen. Prof. Bernhard Hoffschmidt, Geschäftsführender Vorstand des SIJ, der einst den Anstoß zum Bau der Anlage gab, kann sich auch Hochtemperaturprozesse wie die solare Wasserstoffsynthese vorstellen.

Zukunftstechnologie

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel, der die Festansprache hielt, sieht in dem Bau des Solarturms Jülich „einen Meilenstein auf dem Weg zur weltweiten Markteinführung dieser Zukunftstechnologie”. Ein Anfang wurde bereits im Rahmen der Feierstunde getan: Prof. Hafid Aourag, Staatssekretär des algerischen Wissenschaftsministeriums, unterzeichnete einen Kooperationsvertrag mit der FH für eine Machbarkeitsstudie zu einem weit leistungsstärkeren Solarturmkraftwerk im Norden des Landes.

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