Namensherkunft: Jülich möglicherweise älter als römisches Juliacum

Herkunft des Stadtnamens : Jülich ist möglicherweise älter als das römische Juliacum

Zur Herkunft des Namens der Stadt gibt es keine gesicherten Erkenntnisse, aber eine Reihe spannender Theorien. Ein Keltisch-germanischer Ursprung? Aber warum heißt Jülich Jülich? Wie so oft bei Fragen, die auf eine weit entfernte Vorzeit abzielen, gibt es keine dingfeste Antwort.

Dafür aber Theorien, die als mehr oder weniger plausibel gelten. „In der Namensforschung gibt es unterschiedliche Traditionen“, sagt der Jülicher Historiker Guido von Büren. Die kann man einfach gesagt so unterscheiden: Entweder werden Orte nach einer Person benannt oder nach geografischen Besonderheiten. Eine abschließende wissenschaftliche Meinung gibt es nicht.

Als sicher gelten die Quellen, in denen die lateinische Version des Namens Jülich erwähnt wird. Eberhard Graffmann zählt sie in einem Aufsatz „Zur Geschichte des Namens Jülich“ auf, der in der Festschrift zum 75-jährigen Jubiläum des Jülicher Geschichtsvereins erschienen ist. Im sogenannten „Itinerarium Antonii“, einem römischen Straßenverzeichnis, sei Jülich zweimal erwähnt, auf einer mittelalterlichen Kopie einer römischen Karte ein weiteres Mal.

Der Geschichtsschreiber Ammianus Marcellinus begleitete Kaiser Julian von 356 bis 363 auf Feldzügen gegen Franken und Alemannen. „Er berichtet von einem Marsch von Köln nach Reims, wobei man bei Juliacum auf fränkische Truppen stieß“, gibt Graffmann die Quelle wieder. Weiter nennt er den Matronenstein aus der Kirche Müntz, einem von vielen Steinen, die im 1. Jahrhundert keltisch-germanischen Göttinnen geweiht wurden. „Mehr als 1000 Steine mit ihren Inschriften haben sich erhalten. Im Jülicher Land sind fast in allen Dörfern Matronensteine gefunden worden, und die Matronen Julineihiae klingen wie die Jülicher Matronen“, führt Graffmann aus.

Schließlich erwähnt er den im Museum Zitadelle aufbewahrten Sockelteil der Jupitersäule, auf dem der Jülicher Vicus – also die Siedlung – als „Vicani Iuliacenses“ erwähnt ist.

An der Stelle werden zwei weitere Denkmodelle für den Namen Jülich deutlich: dass Jülich seinen Namen in Römerzeit erhalten hat, und von einer noch älteren Bezeichnung. „Es wäre natürlich schick, wenn sich Jülich von Julius Caesar oder einem Mitglied des julisch-claudischen Herrscherhauses ableitet“, sagt von Büren.

„Aber es gibt keinen Beleg für einen römischen Namensursprung“, erklärt von Büren. Das sei kein Beweis gegen eine römische Tradition, aber auch keiner dafür. Als stimmig, aber ebenfalls nicht abschließend bewiesen, bewertet von Büren die Theorie von einem Namen, der älter als die römische Besiedlung ist und der von den Römern latinisiert wurde.

Die beinhaltet sogar, dass der heutige Name Jülich in einer sehr ähnlichen Variante älter sein könnte als das römische Juliacum. „Die Römer kannten einen ‚ch‘-Laut. Deswegen haben sie den Namen möglicherweise verändert“, gibt von Büren die Theorie wieder. Beweise gebe es dafür nicht, was aber wenig verwunderlich sei. Schließlich hätten die Römer das linksrheinische Gebiet überprägt. Beispielsweise, indem sie die hier ursprünglich ansässigen Eburonen weitgehend vernichtet und an ihrer statt die ursprünglich rechtsrheinischen Ubier hier angesiedelt hatten. „Ortsnamen überleben solche Brüche aber häufig“, sagt von Büren, der sich in seiner These vom vorrömischen Namen Jülich auf Graffmanns Ausführungen stützt.

Beide führen den ersten Teil des Ortsnamens Lich-Steinstraß an, der auch die zweite Silbe in Jülich bildet und im Keltisch-Germanischen für Lichtung gestanden haben könnte. Zudem nennt von Büren Graffmanns Bezüge zur französischen Namensforschung plausibel. „Die neueren französischen Namensforscher kennen ein keltisches Wort ‚ialo‘, das freier Platz, Lichtung bedeutet und in zahlreichen französischen Ortsnamen vorkommt“, führt Graffmann in seinem Aufsatz aus. „iIal-lich“ – das kommt Jülich ziemlich nah.

Der doppelt bezeichnete freie Platz könnte eine lichte Stelle bezeichnen, die sich in einem ansonsten bewaldeten Gebiet befunden hat. Nämlich auf einem Hügel, um den der Ellbach herumgeflossen ist, auf dem später das römische Kastell gestanden hat. „Der Ellbach hatte früher eine größere Bedeutung für Jülich als man heute vielleicht denkt“, sagt von Büren.

Die große Rur sei schwer kontrollierbar und nutzbar gewesen – im Gegensatz zum Ellbach. „Es kann also sein, dass der Name Jülich in sehr ähnlicher Form auch schon von der indigenen Bevölkerung genutzt wurde“, sagt Guido von Büren. ‚Jülich‘ könnte also älter sein als ‚Juliacum‘. Einen abschließenden Beweis wird es aber nicht mehr geben.

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