Jülich: Nahrungsmittel-Detektiv informiert über Krankmacher im Essen

Jülich: Nahrungsmittel-Detektiv informiert über Krankmacher im Essen

„Wussten Sie schon, dass ein Kindergeburtstag mit Smarties einen Anschlag aufs Hirn darstellt?”. Diese Frage von Gastgeberin Eva Behrens-Hommel war Teil ihrer thematischen Einführung zum Beitrag der Buchhandlung Fischer zu den Aktionswochen „Konsum um jeden Preis?”.

Gastautor war der ehemalige Spiegel-Redakteur Hans-Ullrich Grimm aus Stuttgart, jetzt Leiter des Informationspools zu Nahrungs- und Gesundheitsthemen „Dr. Watson, der Food Detektiv”. Seine neueste Veröffentlichung trägt den Titel „Die Ernährungslüge: Wie uns die Lebensmittelindustrie um den Verstand bringt”.

„Es gibt Alternativen”, wollte Behrens-Hommel schon zu Beginn etwaigen resignierten Reaktionen vorbeugen. Seinen faktenreichen wie schockierenden Vortrag hielt Grimm allerdings ohne erhobenen Zeigefinger, sogar mit einer Prise Humor. „Um die ganze Welt herum schiebt sich die Parallelwelt der industriellen Nahrungsmittelindustrie mit ihren eigenen Gesetzen, die die Demokratie außer Kraft setzt”, hatte Grimm recherchiert.


Zunächst hatte sich der einstige Gourmet-Gastkolumnist nur „feinschmeckerisch betrogen gefühlt”, mit der Zeit aber die negativen Auswirkungen auf den Körper bemerkt. Dann warf er „daheim praktisch alles raus, wo Aroma draufsteht”.

Ein Beispiel sind Fruchtstückchen aus vermeintlichen Beerenarten für Müslis oder Joghurts: Sie haben Farbe, Aussehen und Geschmack der Früchte, aber sind im Produktionsprozess belastbarer und haltbarer als die Originalzutaten. „In Wahrheit sind das immer chemisch behandelte Cranberrys”. Die „Schauspielfrüchte” enthalten „claim ingredients”, ohne die die Ware nicht als Früchte bezeichnet werden dürfte.

Beim Besuch einer Messe erfuhr der Journalist von einem überaus stolzen Hersteller natürlicher Farbstoffe, dass kräftige Farben Aluminium enthalten, für dessen Einsatz es keine Mengenbeschränkungen gibt. Zu den Namen der Marken und Hersteller, die Grimm konkret nannte, zählten die beliebten Schokolinsen „Smarties” oder „m&m”. Das Metallöstrogen Aluminium (E173) stehe unter anderem im Verdacht, Demenzerkrankungen im Gehirn zu fördern und die Wirkung weiblicher Geschlechtshormone zu beeinflussen. Zudem hemme es körpereigene Stoffe, die normalerweise vor aggressiven Sauerstoffverbindungen schützen. Besonders bei Kindern werde nach einer Untersuchung der EU-Kommission die akzeptable tägliche Aufnahmemenge erheblich überschritten.

Der Geschmacksverstärker Glutamat, in Bio-Produkten oft als „Hefeextrakt” gekennzeichnet, war ein weiteres Negativ-Beispiel aus der „Parallelwelt”. Dieser senkt unter anderem das Level des Hormons Leptin, das unser Sättigungsempfinden steuert. Es suggeriert damit dem Gehirn des Verbrauchers, einen nicht vorhandenen Hunger zu stillen. Der Erfolgsautor, der „nur schreibt, was er auch belegen kann”, informierte etwa über die „Hohnheimer Konsensusgespräche”, die solche Erkenntnisse bestreiten, aber von „interessierten Kreisen” bestellt und von der Glutamatindustrie bezahlt werden.

Oder über die Machenschaften des in Rom sitzenden „Codex alimentarius”, der „weltweit alle ernährungstechnischen Standards festlegt”, in dessen Versammlungen aber hauptsächlich Mitarbeiter von Konzernen vertreten sind.

Doch welche Ernährungs-Alternativen bieten sich? Grimm selbst kocht mit „Echtweltsachen”. Das heißt, er verwendet vor allem frische Zutaten. Als Alternativlieferant für Omega3-Fette nannte der Autor im Übrigen das fast vergessene Leinöl, das außerdem „glücklich macht”.

Mehr von Aachener Nachrichten