Aachen/Jülich: Nackenschuss war sofort tödlich

Aachen/Jülich: Nackenschuss war sofort tödlich

Eindeutig stellte am Montag der Rechtsmediziner im Prozess gegen den wegen Mordes an seiner Ehefrau angeklagten Heinz G. (52) aus Jülich-Welldorf fest: „Der Schuss in den Nacken war der zweite Schuss. Er war tödlich.”

Der erste Schuss aus der SIG Sauer des Sportschützen G. hatte die Frau im Gesicht getroffen und ihren Unterkiefer zertrümmert. Die Verletzung durch die Neun-Millimeter-Kugel blutete nach innen. „Weil wir aufgesogenes Blut in den Lungen gefunden haben, wissen wir, dass der Schuss in den Nacken der zweite war.” Denn der war sofort tödlich, da die Kugel lebenswichtige Teile des Kleinhirns zerstörte. Der Rechtsmediziner: „Um das Blut einatmen zu können, muss das Opfer also noch gelebt haben.”

In dem Welldorfer Ehedrama geht es in letzter Konsequenz darum, ob die Aachener Schwurgerichtskammer (Vorsitz Richter Gerd Nohl) Anhaltspunkt für einen heimtückischen Mord sieht. Momentan sieht es für den Angeklagten Heinz. G., der bislang als völlig braver Bürger durchs Leben ging, weder gut noch schlecht aus. Dass er wegen der Tötung seiner lebenslustigen und 13 Jahre jüngeren Ehefrau verurteilt wird, steht selbst für seinen Anwalt Albrecht Fuchs außer Frage.

Das Spurenbild stützt in gewisser Weise in Grundzügen die Angaben des eifersüchtigen Diplombetriebswirts. Der 52-Jährige hatte sich in eine nach der Trennung von ihrem deutschen Mann als Prostituierte in Mönchengladbach arbeitende Brasilianerin verliebt und sie 2010 geheiratet.

Das Paar, sie hatte einen zehnjährigen Sohn, fuhr sogar nach Rügen, um sich dort romantisch das Ja-Wort zu geben. Dann gab es Probleme, vor allem, weil der von ihr als finanzkräftig eingeschätzte Prokurist durch die zwischenzeitliche Firmeninsolvenz nicht mehr so viel Geld hatte.

Besonders bei einem Straßenfest etwa drei Wochen vor der Tat vom 15. Oktober 2010 eskalierten die Beziehungsprobleme ein erstes Mal. Nachbarn beschrieben am Montag dem Gericht, wie der 52-Jährige ausrastete und seine neue Liebe an den Haaren nach Hause zog. Damals konnten die engagierten Nachbarn noch schlichten.

Im Oktober dann ertrug G. nicht mehr, dass seine Frau ankündigte, wieder mit der Prostitution Geld verdienen zu wollen. Er habe gedroht sich umzubringen. Dann sei sie auf ihn zugekommen und er habe geschossen, ist seine Version. Zwar sei dies eine affektgeladene Situation gewesen, meinte die psychiatrische Sachverständige in ihrem Gutachten. Eine Bewusstseinstrübung konnte sie allerdings keinesfalls feststellen. Am Donnerstag wird plädiert.

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