Jülich: „Musikschule für alle“ ein Beispiel für Jülich?

Jülich: „Musikschule für alle“ ein Beispiel für Jülich?

Wenn der Kostendruck steigt, steht fast alles auf dem Prüfstand — auch in Jülich. Die Musikschule der Stadt muss sich zwar grundsätzlich keine Sorgen machen, zumal sie in Kürze funkelnagelneue Räume im Schulzentrum beziehen wird.

Aus den Reihen der Kommunalpolitik hat man allerdings schon ein Auge auf die Einrichtung geworfen und die Konzeption hinterfragt. Der Gedanke dahinter: Die Stadt subventioniert die Schule, allerdings kommen diese Gelder bei weitem nicht jedem Kind zugute, weil Teilnehmerbeiträge anfallen, die sich nicht jeder leisten kann. Daher waren Anregungen erwünscht und wurden nun geliefert. Der Leiter der mehrfach preisgekrönten Musikschule der Stadt Monheim erklärte am Donnerstag im Jülicher Rathaus, warum dort eine „Musikschule für alle“ entstanden ist.

„Wir erreichen 100 Prozent der Kinder im ersten Schuljahr“, sagte Georg Thomanek. In Kooperation mit allen Grundschulen bekommen die Erstklässler ein Jahr lang die musikalische Grundausbildung in Halbklassen spendiert. Diese Herangehensweise kommt offenbar an, denn ab dem zweiten und dann freiwilligen Schuljahr macht immer noch mehr als die Hälfte aller Jungen und Mädchen mit, die nun etwas bezahlen müssen, aber kostenlose Leihinstrumente erhalten. Dieser Trend setze sich fort. Im dritten Schuljahr besteht die Möglichkeit, im Schulorchester mitzuwirken, über das jede Monheimer Grundschule verfügt.

Dieses Modell kommt laut Thomanek bei Kindern wie Eltern ungewöhnlich gut an. Wie bei jedem neuen Projekt gab es anfänglich einen hohen Organisations- und Personalbedarf. Die Musiklehrer(-innen) mussten fortgebildet, neue Unterrichtsmaterialien entwickelt werden. Das ist durch hohen Einsatz gelungen, „war aber ja auch eine arbeitsplatzsichernde Maßnahme“, so Thomanek.

Im Jülicher Ausschuss für Jugend, Familie, Schule und Sport interessierte die Kostenseite. Das Monheimer Modell erhöht den Finanzbedarf. Die 43.000 Einwohner-Stadt subventionierte zuvor die Musikschule, die etwa 10 Prozent der Kinder erreichte, mit 600.000 Euro. Das neue Modell verursacht jährliche Zusatzkosten von 35 000 Euro. Wenn man eine besondere Landesförderung herausrechnet, sind es „ehrliche“ Mehrkosten von 100 000 Euro. Dafür aber machen die jungen Einwohner Monheims flächendeckend Musik. Zum Vergleich: Kämmerer Karl-Josef Kohnen beziffert den Musikschul-Zuschussbedarf in Jülich auf jährlich 350 000 Euro.

Das Monheimer Modell erntete auch im Jülicher Ausschuss viel Lob und gab Denkanstöße. Marco Johnen (CDU) fand es beispielhaft: „Es lohnt sich, sich damit auseinanderzusetzen.“