Jülich: Musikalisches Mittagsvergnügen in der Propsteikirche

Jülich : Musikalisches Mittagsvergnügen in der Propsteikirche

Während des Samstagvormittags herrscht am Jülicher Markt gewöhnlich ein munteres Treiben. Bunte Marktstände und geschäftig umher eilende Menschen fügen sich zum allbekannten Stadtbild zusammen. Jeden dritten Samstag des Monats lädt die Propsteikirche um die Mittagszeit zu musikalischer Verschnaufpause ein.

Wie Christof Rück, leitender Kirchenmusiker und Kantor der Gemeinde Heilig Geist, sagt, „ist die Matinee zur Marktzeit mittlerweile zu einer Institution geworden“. Seit 2014 werden hier von namhaften Musikensembles und Solokünstlern aus der Region Momente der Entspannung und des Innehaltens mitten im Einkaufstrubel geboten.

Beim Konzert der Overbacher Camerata waren die Plätze in den Kirchbänken nahezu restlos besetzt. Mit und ohne Einkaufstaschen lauschten die Zuschauer gleichermaßen entspannt wie konzentriert den barocken Klängen.

Eine Europareise

Das Programm des Ensembles „Von Nürnberg nach Venedig“ führte das Publikum durch das musikalische Europa des 17. und 18. Jahrhunderts. Die Unabhängigkeit der Instrumentalmusik vom Gesang sowie die Einführung des Generalbasses, Basso Continuo (ital.), charakterisieren die Kompositionen des Barocks. Die große Instrumentenvielfalt der Renaissance wurde in dieser musikalischen Periode reduziert. Von den uns heute noch bekannten Musikinstrumenten gehörten damals Orgel, Cello, Blockflöte und Violine mit zu den meistgespielten.

Die Overbacher Camerata entstand bereits 2012 um ihre Gründungsmitglieder Philomena Pallaske und Kerry Jago als Blockflötenensemble mit Continuo. Die Zusammensetzung der Instrumente impliziert das barocke Repertoire. Je nach Programm konzertiert die Overbacher Camerata gegenwärtig mit vier bis sechs Musikern.

Die im Konzert gespielten Sonaten präsentierten sowohl Werke der berühmten Meister wie Antonio Vivaldi und Georg Philipp Telemann als auch Instrumentalstücke der in Vergessenheit geratenen Komponisten der Epoche. In der „Prima Sonata a due Soprani“ von Dario Castello wurde die musikalische Darbietung dem technisch anspruchsvollen und kontrastreichen Musikstück mehr als gerecht.

Der „fortlaufende Bass“ mit Kerry Jago an der Orgel und Jochen Grooß, Cello, bildete in allen Konzertteilen eine harmonische Untermalung für die Melodielinien der Blockflöten und der von Annette Grooß gespielten Violine.

In der „Sonata in f-Moll“ von Georg Philipp Telemann, der mit seinen über 3600 Werken zu den produktivsten Komponisten der Musikgeschichte gehört, brillierte Philomena Pallaske mit ihrem Blockflötensolo.

Als letztes Stück des Konzerts präsentierten die Musiker die „Sonata in B-Dur“ von Johann Friedrich Fasch.

Unterstützt von Marion Esser, zweite Blockflöte, wurde auch hier die Polyphonie, das Zusammenklingen von einzelnen Melodielinien der Instrumente, vortrefflich ausgeführt. Bezeichnend für die Musikwerke des Barocks ist die Wiederspiegelung der menschlichen Gemütszustände. Die Musiker der Overbacher Camerata erfüllten mit ihrer einfühlsamen und gefühlvollen Interpretation nicht nur den musikalischen Anspruch des Barocks sondern auch die Erwartungen der Jülicher Zuschauer.

Ein lang andauernder Applaus war ein Dankeschön an die Künstler für den musikalischen Genuss in der Mittagszeit.

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