Jülich: Musikalische Zeitreise der besonderen Art in der Schlosskapelle

Jülich : Musikalische Zeitreise der besonderen Art in der Schlosskapelle

Nadia Singer und Lutz Görner nahmen ihr Publikum in der gut besetzten Schlosskapelle mit auf eine Zeitreise besonderer Art. Französische Konzertwalzer, von 1820 bis 1920 komponiert, standen auf dem Programm des Abends in der Schlosskapelle.

Den pianistischen Part übernahm Nadia Singer, bestens bekannt aus den Veranstaltungen der letzten Jahre. Lutz Görner „erfand“ das Programm thematisch, stellte es zusammen und führte die Recherchen zu Komponisten und deren Zeitgenossen durch.

Er selbst bezeichnete sich bescheiden als Moderator. Dabei ging seine Rolle weit über eine normale Moderation hinaus. Seine Ausstrahlung, die dezente szenische Untermalung und die Faszination seiner Stimme machten die Zeit der Entstehung der Kompositionen lebendig und ließen die Zuhörer eintauchen in die historische Welt der Menschen, die sich auch immer in der Musik widerspiegelt.

Die französischen Konzertwalzer entführten in die Welt von Weber, Berlioz, Meyerbeer, Chopin, Liszt, Gounod, Debussy und Ravel. 100 Jahre Musikgeschichte wurden anhand der Musikform des Walzers lebendig. So gelangte der Walzer durch die „Aufforderung zum Tanz“ von Carl Maria von Weber zu großer Volkstümlichkeit. Er kam in seiner konzertanten Form dem Rausch der tanzlustigen Biedermeierzeit entgegen und stellte ein prägnante, Konzertstück dar, brillant von Nadja Singer interpretiert.

Kraftvoller Vortrag

Ihr farbiger, kraftvoller Vortrag erinnerte mit seinen bestens herausgearbeiteten Facetten an die Fülle der klangvollen Orchesterversion. Bestens arbeitete sie die Passagen der reizenden, ausdrucksvollen Einleitung, bei der der Tänzer um die Dame wirbt, den eleganten, temperamentvollen Schnellwalzer und das beruhigende Nachspiel heraus.

In der Zeitreise folgten „Un Bal“ von Berlioz, „Valse Infernale von Meyerbeer und „Valse Brillante von Chopin“. Der „Valse de Bravoure“ von Franz Liszt stellte besondere technische Anforderungen an die Pianistin. Liszt schulte viele Pianisten selbst, um sie zu Wiedergabe zu befähigen.

Obwohl Nadia Singer logischerweise nie in den Genuss des Unterrichtes durch den Meister kam, gelang ihr dieser technische Wahnsinn perfekt , und sie entfachte ein wahres musikalisches Feuerwerk.

Mit der humorvollen Erläuterung geschichtlicher und ökonomischer Zusammenhänge führte Lutz Görner in den zweiten Teil der Zeitreise ein. „Die Musik ändert sich, wenn sich bürgerliche Ordnung ändert“, dieser Satz von Platon hat immer seine Gültigkeit.

So nahmen die historischen Ereignisse wie Kriege und ihre Folgen großen Einfluss auf die Musik. Der „Faustwalzer“ von Gounod, „Valse Oubliée“ von Liszt, „La plus que lente“ von Debussy und „La Valse“ von Ravel schlossen den Jahrhundertreigen.

Eine geniale Idee von Lutz Görner war das Potpourri, bestehend aus den Hauptthemen der gespielten Walzer, der als Zugabe gespielt wurde. Auch hier glänzte Nadja Singer mit spielerischer Brillanz und ihrer sympathischen persönlichen Ausstrahlung.

Die Zuhörer waren begeistert, applaudierten in Standing Ovation und genossen sichtlich den Abend, der die Elemente eines guten Konzertes und einer unterhaltsamen und informativen Moderation verband.

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