Jülich: Museumstag in Jülich mit einem Schuss Romantik

Jülich : Museumstag in Jülich mit einem Schuss Romantik

Das Museum Zitadelle feiert Silberjubiläum und mit ihm Museumsdirektor Marcell Perse, der 1992 erster hauptamtlicher Mitarbeiter wurde. In Wirklichkeit reicht die Geschichte des Museums viel weiter zurück, wie Bürgermeister Axel Fuchs „im Wohnzimmer von Herzog Wilhelm“, nämlich der Schlosskapelle, ins Gedächtnis rief.

Jülichs damaliger Beigeordneter Peter Linnartz initiierte die „Städtische Sammlung für Heimatkunde“, die 1902 im mittelalterlichen Hexenturm eingerichtet wurde. 1923, nach den Wirren des Ersten Weltkrieges wurde das Museum neu geordnet wiedereröffnet, auf Initiative des Ehrenamtlers Max Hermkes. Mit der Zerstörung Jülichs im November 1944, bei der auch ein großer Teil der Sammlung verlorenging, endete die erste Phase der Jülicher Museumsgeschichte.

In der Zeit des Wiederaufbaus dokumentierte und barg Lehrer Johannes Halbsguth römische Funde. Im Keller des Alten Rathauses wurde das Römisch-Germanische Museum eingerichtet, „das jetzt in Köln ist“, scherzte Fuchs. In den 1970er und 80er Jahren betreute Wilhelm Scharenberg ehrenamtlich das Museum. Seit der Innenstadtsanierung Mitte der 1980er Jahre präge der heutige Museumsdirektor Marcell Perse die Jülicher Stadtarchäologie.

„Wenn in Jülich der Bagger ins Erdreich geht, steht Marcell Perse neben der Schaufel und sagt irgendwann Stopp, und dann ist auch lange Zeit Stopp an der Baustelle“, spielte Fuchs mit einem augenzwinkernden Seitenblick in Richtung Silberjubilar auf den halbjährigen Baustellenstopp in der Mariengartenstraße an.

Wie sehr der Bürgermeister aber die „Geschichte, Kunst und Kultur, die wir in Jülich dank toller Mitarbeiter jeden Tag erleben können“, schätzt, hob er deutlich hervor, auch, dass er es „falsch“ findet, dort den Rotstift anzusetzen.

In Feierlaune stellte Perse die „konstruktiven Mitarbeiter in der Verwaltung, besonders in den letzten Jahren“ und sein tolles Mitarbeiterteam symbolisch den ersten beiden Bastionen der Festung gleich. Als dritte Bastion benannte er die finanziellen Unterstützer, Familie Jagdfeld, die Stadtwerke, die Kultur- und Naturstiftung der Sparkasse Düren und das Land NRW — nicht zuletzt ist Ministerpräsident Armin Laschet Schirmherr des Festprogramms. Die „offene Flanke der vierten Bastion schließt das Publikum, wofür wir es ja auch machen. Das Publikum macht die ideale Festung rund“, lobte der den Verdienst der Besucherströme, die auch am Museumstag nicht ausblieben.

„Scheuen Sie sich nicht, uns anzusprechen, wir sitzen nicht im Elfenbeinturm“, ermunterte er die vielen Gäste. Die ersten der vielen Führungen am Museumstag übernahm Perse gleich im Anschluss. Beide Blickpunktausstellungen sind bis November geöffnet, für beide sind Kuratorführungen terminiert. „Heute ist auch bei den Römern Romantik am Start“, deutete Perse auf die römische Liebesfibel aus Hasselsweiler mit ihrer Aufschrift „Domina, te amo alias derido“ (Herrin, ich liebe dich. Die anderen verlachen dich).

Damit wird die lange vorherrschende Meinung widerlegt, die romantische Liebe in der römischen Gesellschaft habe kaum eine Rolle gespielt. Doch Liebesbotschaften drückten, manchmal auch in vulgären Worte, auf Schreibgriffeln, Ringen oder Fibeln Gefühle für die Adressaten aus. So bekannte sich die beschenkte Frau mit der gut sichtbaren Gewandschließe, in dem Fall eine dekorative Brosche, zu ihrem Verehrer. Interessant ist, das die Brosche aus Hasselsweiler einer Fibel aus der Nähe von Budapest so ähnlich sieht, dass eine Spezialwerkstatt mit weitem Vertriebsnetz vermutet wird.

Zur zweiten Blickpunktausstellung zog die beschirmte Besucherschar zum Pulvermagazin, um das Schirmerbild „Autumnal Storm“ (Stürmische Zeiten) aus Amerika in den Blick zu nehmen. Das künstlerisch hochwertige Gemälde mit einem der beliebtesten Motive des Jülicher Landschaftsmalers Johann Wilhelm Schirmer in stets neuer Abwandlung ist aufwändig in Gold gerahmt. „Besonders interessant ist aber die Geschichte, die dahintersteckt“, wie der Museumsleiter betonte.

Denn das Gemälde wurde vor 150 Jahren in der New Yorker „Dusseldorf Gallery“ zum Verkauf angeboten und wanderte von dort in Privatbesitz. Einem „seltenen Glückfall“ sei der Erwerb des prominenten Gemäldes durch das Museum zu verdanken gewesen. Nicht zuletzt ist der Bilderwerb auch „ein sehr schönes Beispiel für die weltweite Popularität und die Vertriebswege der Düsseldorfer Malerschule“.

(ptj)
Mehr von Aachener Nachrichten