Museum Jülich: An jedem dritten Sonntag ist der Eintritt frei

Museum Jülich stellt das Programm 2019 vor : An jedem dritten Sonntag ist der Eintritt frei

„Wir haben im (silbernen) Jubiläumsjahr unser ganzes Spektrum abgebildet, sind aufmerksam wahrgenommen worden und hatten einen guten Besucherzustrom“. Marcell Perse nahm bei der „ersten gemeinsamen Pressekonferenz von Stadtverwaltung und dem Museum Zitadelle“ im Neuen Rathaus eine Doppelfunktion ein.

Er vertrat Bürgermeister Axel Fuchs und war in seiner Eigenschaft als Museumsleiter zugegen. Perse nannte eine Besucherzahl von 6200 Menschen 2018. Umgerechnet auf 365 Tage hätten immerhin im Schnitt 17 Menschen das Museum besucht, eine „kontinuierliche Bank“. „Wir bedanken uns mit einem eintrittsfreien Sonntag am jeweils dritten Sonntag im Monat.“ Initiator dieser Idee sei der Bürgermeister.

Zwischen April und Oktober bietet das Museumsteam zudem an jedem der eintrittsfreien Sonntage eine ebenfalls kostenlose Führung an. Der attraktive Programmflyer 2019 hat bunte und schwarz/weiße Elemente und veranschaulicht düstere und verträumte Aspekte. Weil das Programm eine „Gemeinschaftsleistung“ ist, waren bei der Konferenz alle Kuratoren vertreten, die sich federführend um eine der Ausstellungen kümmern. „Museen sind auch Bildungseinrichtungen. Die Präsentation von Projekten erschließt sich ja nur Fachleuten. Welche Aspekte schnüren wir jedes Jahr, damit die Besucher das Museum auch interessant finden?“, verdeutlichte Dr. Christoph Fischer die Blickrichtung des Museumsteams.

Eine Neuerung ist ein Gemeinschaftsprodukt des Netzwerks „Museen im Kreis Düren“. Das Netzwerk brachte ein Gutscheinheft für zehn Euro auf den Markt, mit dem eine Person einmalig freien Eintritt in die neun beteiligten Museen erhält. Das Angebot ist zeitlich unbegrenzt. „Wir sind sehr gespannt, wie das einschlägt“, sagte Fischer. Die im Anschluss von den jeweiligen Kuratoren präsentierten Ausstellungen sind jeweils Höhepunkte im Jahresprogramm, zu dem ferner unter anderem eine Fledermausaktion, der „Tag der Druckkunst“ oder der „Tag des Restaurierung“ zählen.

Im Pulvermagazin werden vom 19. Mai bis 3. November in der Ausstellung „Landlust“ die „Meisterwerke Düsseldorfer Landschaftsmalerei“, derer das Museum Jülich eine der weltweit führenden Sammlungen besitzt. Bestandteil der Ausstellung sind bekannte Höhepunkte und bisher nie gezeigte Neuerwerbungen. „Wir wollen jetzt ein bisschen fröhlicher werden“, betonte Kurator Jacek Grubba. Sponsor ist die Galerie Paffrath in Düsseldorf. Aus deren Stiftung stammen zwei Dauerleihgaben. Als Appetithappen zeigte Grubba das Bild „Landschaft mit Burg und Wäscherin“ vom Schirmerschüler Johann Wilhelm Lindlar.

„Nach dem großen Krieg“ heißt die Ausstellung im Schlosskeller, die vom 24. Februar bis zum 8. September „Kriegsenden in europäischen Heimaten“ auf den lokalen Rahmen herunterbricht. Es handelt sich um ein Gemeinschaftsprojekt des Jülicher und Opladener Geschichtsvereins. Behandelt werden auch die jeweiligen Partnerstädte. Zur Präsentation zählen ein Konzert mit zeitgenössischer Musik, ein Begleitband und ein dreisprachiger Katalogband.

In Kooperation mit dem Förderverein Kommende Siersdorf wird vom 19. Mai bis 14. Juli im Schlosskeller eine Fotoausstellung des Aachener Fotografen Pit Siebigs zu sehen sein, in deren Fokus die Deutschordens-Kommende Siersdorf steht. Bei der fotografischen Dokumentation mit Tiefenwirkung handelt es sich um ungewöhnliche Einblicke in das Gebäude mit seiner unverwechselbaren Atmosphäre. Vom 19. Mai bis 3. November kommen Besucher in den Genuss des Sahnehäubchens unter den Ausstellungen. Die Schau „Das Geheimnis römischer Prunkkameen“ im Schlosskeller präsentiert die „Politik in Edelsteinen“, in der sich hochrangige Technik mit politischen und ästhetischen Dimensionen vermischt. Gezeigt werden von Gerhard Schmidt meisterhaft replizierte Prunkkameen der Antike. „Das Panoptikum der Macht ist genau die Zeit, in der Jülich entsteht“, gab Perse einen Einblick und fügte hinzu: „Wir zeigen die Ausstellung als Erste, weil sie quasi von uns erfunden wurde“.

Die letzte Schau unter dem Titel „Bildgewaltig“ vom 8. September bis 8. Mai 2020 widmet sich erneut einem düsteren Kapitel, nämlich der Zerstörung Jülichs. „Diese Zeit wach zu halten ist auch eine Aufgabe des Museums“, unterstrich Kurator Bernhard Dautzenberg. „Wir wollen nicht nur irgendwelche Straßenzüge zeigen. Die Fotografen selbst stehen im Fokus. Wir stellen bestimmte Meinungen gegenüber“ sagte er und präsentierte ein berühmtes, in einem leicht schrägen Winkel aufgenommenes Luftbild der weltbekannten Fotografin Margret Bourke-White aus der Zeitschrift „Live“ aus 1945. „Jülich dient hier als Beispiel einer ganz normalen Stadt“, fügte Dautzenberg hinzu. „Es ist keine Monoperspektive der Stadt Jülich“ hob Guido von Büren heraus.

„Dass man der Geschichte ein Gesicht gibt, ist wichtig. Es geht um den Spagat, Einzelschicksale aus der Anonymität der großen Geschichte herauszuheben“, fasste Perse abschließend zusammen. Gemeinsam mit dem Team hofft er, „dass wir viele erreichen“.

(ptj)
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