Jülich: Mitten in der Brutzeit: „Heckmeck” an der Hecke

Jülich: Mitten in der Brutzeit: „Heckmeck” an der Hecke

Da rieb sich Georg Schmidt aus Jülich erstaunt die Augen, und staunte nicht schlecht. Mitten in der Brutzeit rückte am Donnerstagmorgen ein Trupp der Rurtalbahn an und begann damit, am Bahnhof Nord in Jülich eine Hecke zu stutzen.

Schmidt: „Die ist vor Jahren als Lärm-und Schutzhecke für unser Haus angepflanzt worden. Die darf doch jetzt in der Schutzzeit nicht geschnitten werden. Das ist doch verboten!” Der Jülicher setzte sich gleich mit dem Ordnungsamt in Verbindung. „Ich habe sofort einen Mitarbeiter herausgeschickt”, bestätigt Ordnungsamtchef Hans Pinell auf Anfrage.

Der verschaffte sich in der Artelleriestraße einen Überblick und wies den Bautrupp auf die Vorschriften hin. „Mehr können wir als Ordnungsamt nicht machen, denn solche Maßnahmen liegen im Zuständigkeitsbereich der Unteren Landschaftsbehörde in Düren”, erklärt Pinell. Auch diese Stelle wurde von Georg Schmidt informiert.

„Wir haben die Maßnahme sofort stoppen lassen, denn es lag weder eine Anfrage, geschweige denn eine Genehmigung für diese Arbeiten am Jülicher Bahndamm vor”, erklärte Erwin Reinartz als stellvertretender Leiter der Unteren Landschaftsbehörde.

Ob die Rurtalbahn eine solche bekommen hätte, stellte Reinartz In Frage. „Man kann natürlich zur jetzigen Zeit Form- oder Pflegeschnitte durchführen, das ist zulässig. Aber man muss sich vorher vergewissern, dass es keine Brutstätten für Vögel in der Hecke gibt.”

Eine solche Kontrolle durch die Arbeiter hat laut Schmidt nicht stattgefunden. „Die sind morgens angerückt, haben vom Hubwagen aus die Hecke radikal geschnitten. Und was gemacht wurde, ist alles andere als ein Formschnitt.” Denn die ursprünglich rund acht Meter hohe Hecke wurde etwa auf einer Länge von zehn Metern auf die Hälfte gekürzt. „Die kann doch somit ihre Funktion überhaupt nicht mehr erfüllen. Dieser Teil der zurückgeschnittenen Hecke liegt doch jetzt deutlich unter dem Niveau der Bahngleise”, ärgert er sich.

Sein Anruf bei der Unteren Landschaftsbehörde hat aber bewirkt, dass die Arbeiten sofort eingestellt werden mussten und ein Großteil der Hecke - etwa 70 Meter - vom Radikalschnitt verschont geblieben ist.

Ob die Rurtalbahn nun mit einer Anzeige rechnen muss und eventuell auch ein Bußgeld zu bezahlen hat, war nicht in Erfahrung zu bringen.