Mitgliederversammlung Stadtmarketing Jülich

Integriertes Handlungskonzept : Hommel vermisst die Streitkultur

Das Integrierte Handlungskonzept (InHK) in Jülich „braucht ein kommunizierbares Leitbild“, eine gemeinsame Zielsetzung in einem knapp formulierten Motto. Diese Feststellung war der wichtigste Tagesordnungs- und Diskussionspunkt bei der Mitgliederversammlung des Stadtmarketings Jülich im Haus Heitzer.

Zudem vermisst Vorsitzender Wolfgang Hommel die Streitkultur über das Thema InHK, ihm fehlt das Herzblut. Das Leitbild, zu dem der Verein zur besseren Vorstellbarkeit der gemeinsamen Zielsetzung für 2030 „den Startschuss geben will“, sollte das Thema Strukturwandel beinhalten. Davon ist Jülich auf drei verschiedenen Gebieten betroffen. Neben der Braunkohle und den Maßnahmen zur Milderung des Klimawandels ist damit die lebendige Innenstadt im Freizeit- und Einkaufsverhalten gemeint, das ureigenste Thema des Vereins.

Als ein mögliches Beispiel unter vielen hatte das Stadtmarketing Jülich das Motto „Jülich lädt ein“ ausgearbeitet. Einladend sollte die Innenstadt gleichermaßen für ihre Bewohner, Tages- und Langzeitbesucher und Migranten sein – was fehlt?

„Die moderne Forschungsstadt ist für die Bevölkerung nicht erlebbar“ monierte Dr. Volker Sander, Campussprecher der FH. „Die Landesfestung wird in Jülich unter Wert verkauft“, kritisierte Hommel die Landesregierung. Torsten Wagner, Dekan der FH, Campus Jülich, schlug in diesem Zusammenhang ein „Science Museum“ vor, womit etwa die Wissenschaftler ihre Gäste in die Jülicher Innenstadt bringen könnten.

Die „Historische Festungsstadt“, erster Teil des Jülicher Mottos, soll sich vor allem in der Präsentation der Zitadelle niederschlagen, in der auch der Strukturwandel „museal dargestellt“ werden soll. Hier war klar: „Wir brauchen ein neues, freundliches, modernes Gebäude, das sich eklatant von dem alten abhebt“, wie der scheidende Beisitzer Dr. Rüdiger Urban es ausdrückte. Dr. Peter Nieveler machte sich für ein neues „Wir-Gefühl“ mit neuem Konzept und neuem Leitbild stark. „Wir kriegen auch ein paar Seen dazu, an denen attraktive Wohnsiedlungen entstehen können“, das dürfe man nicht vergessen.

Vergessen dürfe man auch den Brückenkopfpark nicht, der in der Diskussion keinerlei Erwähnung gefunden habe. Ausgelassen wurden laut Kassenprüfer Böhmer auch die attraktiven Freizeitmöglichkeiten wie das Freibad oder die Sophienhöhe. „Im Brückenkopfpark widmen wir uns ja mit Unterstützung des Forschungszentrums diesem Thema“, sagte Bürgermeister und Kuratoriumsmitglied Axel Fuchs und meinte damit das geplante, speziell für Jülich konzipierte Exponat eines begehbaren Gehirns. „Wir müssen mutig nach vorne gehen. Wir leben in einer tollen, spannenden Zeit und wir müssen starke Projektpartner haben“, betonte Fuchs. „Es passiert verdammt viel in Jülich.“

Dreistelliger Millionenbetrag

Die Kosten für alle bislang geplanten Maßnahmen schätzte er auf einen „dreistelligen Millionenbetrag, selbstverständlich sind wir auf Fördergelder angewiesen“. Die vermisste Streitkultur entstünde ganz von selbst, „wenn die Projekte konkret werden“, da waren sich Fuchs und Urban einig.

Auch darüber, dass man ausgearbeitete Pläne bereits in der Schublade liegen haben sollte, wenn weitere Konjunkturpakete auf den Tisch kommen. Die Neuformulierung des Stadtmottos „Historische Festungsstadt – moderne Forschungsstadt“, das im Übrigen einst an Hommels Küchentisch formuliert wurde, sollte man Profis überlassen.

Im Tagesordnungspunkt „Verschiedenes“ wünschte sich Fuchs eine Neuauflage der Jülicher Stadtgespräche, und zwar zum Themenbogen „Jülich, heute und morgen“, im bewährten Format. Vorschlagsbögen für die Preisträger des Stadtmarketingspreises 2020 verteilte Hommel an die Mitglieder.

(ptj)