Jülich/Niederzier: Mit Lkw Radler überfahren: Missverständnis geht tödlich aus

Jülich/Niederzier: Mit Lkw Radler überfahren: Missverständnis geht tödlich aus

Ein 52-jähriger Kfz-Mechaniker war vor dem Amtsgericht Jülich angeklagt, einen jungen Radler in Niederzier fahrlässig getötet zu haben, als er mit einem Lkw auf der L 264 links abbiegen wollte.

Das Verfahren wurde gegen Zahlung von 1200 Euro an die Verkehrswacht eingestellt.

Aus Sicht des Angeklagten, so Strafrichterin Claudia Wolny, habe ein „Missverständnis” zu dem tödlichen Unfall geführt. Denn er habe das Verhalten des jungen Mannes, der mit seinem Rennrad etwa 30 Kilometer pro Stunde schnell war, vor der Kreuzung so verstanden, dass er weiterfahren könne.

R.E. (52) selbst gab bei der Beweisaufnahme an, er habe Handzeichen gesehen, die ihm bedeuteten: „Ich sollte durchfahren”. Dass sich der Kölner auf der Rechtsabbiegespur befand, konnte der Unfallzeuge, ein RWE-Beschäftigter, nicht bestätigen. Auch habe er keine Handzeichen bemerken können. Der Verteidiger führte aber an, dass laut polizeilicher Vernehmung R. E. unmittelbar nach dem Unfall von Handzeichen gesprochen habe. Es sei ein „klassisches Missverständnis mit tragischen Folgen” gewesen, „das kann jedem von uns passieren”.

Sein Mandant sei seit dem Vorfall arbeitsunfähig, dieser „geht ihm wahnsinnig nahe”. Er leide unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung und sei deswegen in Behandlung. Zudem sei ihm gekündigt worden. Dem Einwand des Nebenklägers, R.E. habe nicht den Kontakt zu den Eltern des Opfers gesucht, begegnete der Verteidiger mit dem Hinweis, davon habe ein Psychologe abgeraten.

Richterin Wolny konnte sich unter dem Strich dem § 153a der Strafprozessordnung „nicht verschließen”, auch wenn Staatsanwaltschaft und Nebenkläger zunächst zögerten. R. E. sei „nicht der typische Straftäter” und er sei nicht vorbestraft.

Deshalb wurde das Verfahren eingestellt unter dem Auflagen, dass der Angeklagte 1200 Euro an die Verkehrswacht zahlt, die Kosten des Nebenklägers übernimmt und sich bei den Eltern des Opfers entschuldigt.