Lich-Steintraß: Missverständnisse sind das Markenzeichen

Lich-Steintraß: Missverständnisse sind das Markenzeichen

„Traue keinem Mann mit rosa Hemden”, warnt Muriel Slater (Petra Brandt) ihre Tochter Paula (Sandra Peters), deren Gatte Gerald (Ferdi Wagemann) eben solche Hemden trägt und von dem Muriel glaubt, dass er Paula betrogen hat.

Dass es sich dabei allerdings um ein Missverständnis zwischen Mutter und Tochter handelt und diese eigentlich ihren Mann betrogen hat, ist bezeichnend für die Komödie „Wer trägt schon rosa Hemden”, die am Samstag von der Theatergruppe „TheaterLuST” des Heimatvereins Lich-Steinstraß im Andreashaus aufgeführt wurde. Ein Witz reihte sich an den anderen, fast alle ausgelöst durch Missverständnisse.

Alle vier Vorstellungen sind jetzt schon ausverkauft, und das zurecht. Denn das Stück bietet reichlich Situationskomik, die das Publikum bei der Premierenvorstellung mit schallendem Lachen und großem Applaus belohnte.

Freudiger Anlass als Auslöser

Die Geschichte beginnt mit einem eigentlich freudigen Anlass: Muriel und Harry Slater (Hans-Dieter Emunds) wollen ihren 45. Hochzeitstag in dem Hotel auf Mallorca feiern, wo sie einst ihre Flitterwochen verbracht hatten. Dazu haben sie ihre Kinder Paula und Tom (Manfred Rau) samt Lebensgefährten eingeladen. Oma Slater (Heike Hilger), Mutter von Harry, darf natürlich auch nicht fehlen. Die vergessliche alte Dame hört nicht mehr allzu gut und auch ihr Gedächtnis lässt allmählich zu wünschen übrig.

Das führt nicht nur zu Irritationen unter den Familienmitgliedern, sondern auch zu allerlei komischen Bemerkungen. So lehnt Oma Slater, auf den Urlaub in Mallorca angesprochen, stets energisch ab, mitkommen zu wollen. Sie würde niemals in ein Flugzeug steigen. Dass sie längst auf der beliebten Ferieninsel angekommen ist, realisiert sie meist nur sekundenweise. Herrlich umgesetzt - mit wackelnden Beinen und stets erstaunt dreinblickend - sorgte Heike Hilger in dieser Rolle für viele Lacher.

Familie kämpft mit Problemen

Doch die Verwirrung der Oma ist noch die kleinste Schwierigkeit, mit der die Familie zu kämpfen hat. Paula möchte sich von ihrem Mann trennen, dem etwas kleingeistigen Steuerberater Gerald, der den Tick hat, ständig mit einer Kamera herumzulaufen. Der meint nämlich, nur weil er keine anderen Frauen begehre, nicht trinke oder rauche, sei er der perfekte Ehemann.

Das sieht Paula ganz anders. Und die ohnehin schon wegen der Trennung total aufgelöste Muriel muss nun auch noch die Hoffnung auf ein zweites Enkelkind von den beiden aufgeben.

Der Verzweiflung nahe

Überzeugend umgesetzt von Petra Brandt, ringt die auf geordnete Familienverhältnisse bedachte Muriel, übertrieben weinerlich und der Verzweiflung nahe, immer häufiger um Fassung.

Mit nicht ganz schmeichelhaften Kommentaren, aber witziger Situationskomik begeisterte die Familienmutter das Publikum. „Wir hätten wissen müssen, dass dich keine Frau ansieht”, versucht sie Gerald zu trösten, als herauskommt, dass nicht er, sondern Paula eine Affäre hat.

Das Chaos ist perfekt

Als die auch noch eröffnet, sie sei von ihrem Liebhaber, einem Psychiater, schwanger, ist das Chaos perfekt.

Wenig später stellt sich heraus, dass auch noch der Sohn der Familie eine Liebesbeziehung mit seiner etwas durchgeknallten persönlichen Hippie-Assistentin hat, während seine Frau in Italien weilt.

Die Streitereien beginnen und wollen kein Ende nehmen. Der sonst so gefasste Gerald betrinkt sich an der Bar und zu allem Überfluss taucht auch noch der Psychiater Dr. Julian Johnson (Hans Nehr) auf. Er kümmert sich zunächst um den völlig betrunkenen und schwankenden Steuerberater. Der hat ja keine Ahnung, dass vor ihm der Liebhaber seiner Frau steht.

Bei all den Irrungen und Wirrungen macht auch das Erscheinen von Miranda, der Affäre von Tom, die Situation nicht weniger kompliziert. Die heile Welt ist ohnehin erschüttert und die zweiten Flitterwochen versinken im totalen Chaos.

Eine Meinungsverschiedenheit

Da bleibt es nicht aus, dass auch Harry und Muriel die ein oder andere Meinungsverschiedenheit haben. Doch dazu fällt Harry nur ein: „Wir waren uns noch nie einig, aber am Ende warst du immer meiner Meinung”, ist der Ehemann überzeugt.

Schließlich ist es die Oma, die dabei hilft, die Situation zu entschärfen, so dass am Ende doch noch alles in Ordnung kommt.

Überzeugend und professionell

Regisseurin Andrea Heinrichs ist es gelungen, dieses urkomische Stück überzeugend und professionell auf die Bühne zu bringen. Auch der aufwendige Bühnenbau und die Technik trugen zu der überaus gelungenen Aufführung bei.

Das Publikum der noch folgenden beiden Aufführungen darf sich auf einen Abend freuen, der beste Laune verbreitet.