„Maßnahmeplan" für das Jülicher Krankenhaus

Einsparungen in Nordkreiskliniken der ctw : Jülicher Krankenhaus-Belegschaft erfährt von „Maßnahmenplan“

Bei einer Betriebsversammlung am Mittwoch in Jülich hat die Belegschaft der Katholischen Nord-Kreis Kliniken Linnich und Jülich GmbH von einem „Maßnahmenplan“ erfahren. Er soll die Wirtschaftlichkeit vor allem des Hauses in der Herzogstadt erhöhen. Es schreibt nach Informationen unserer Zeitung seit Jahren rote Zahlen.

Die erarbeiteten Maßnahmen gehen laut Krankenhausträger Caritas Trägergesellschaft West (ctw) Strukturveränderungen voraus, die „unvermeidbar“ seien. Die 235 Beschäftigten in St. Elisabeth Jülich müssen sich kurzfristig auf die Zusammenlegung von Stationen durch die derzeitige „geringe Belegung“ einstellen, auf „Veränderungen in kostenintensiven Dienstplanmodellen“, auf „Optimierungen“ bei den Sachkosten und im Bereich der Belegungssteuerung der Patienten. Das geht aus einer Mitteilung der ctw hervor. Das Gesamtpaket ziele auf Erlös- und Kostenpotenziale ab.

„Wir arbeiten mit Hochdruck an dem Gesamtkonzept der Nord-Kreis Kliniken. Dabei dürfen wir allerdings den laufenden Krankenhausbetrieb insbesondere am Standort Jülich nicht aus den Augen verlieren“, sagten die beiden Geschäftsführer Stephan Prinz und Marcus Quintus. Die wirtschaftliche Lage ist offenbar aktuell aus Sicht der Geschäftsführung weiter unbefriedigend. Prinz und Quintus führen als Ursache für das Maßnahmenpaket „rückläufige Belegungen und die Ergebnisse der internen Analysen“ an. Grundsätzlich seien aber eine Standortschließung oder Entlassungen keine Option, erklärte ctw-Sprecher Kaya Erdem auf Nachfrage der Redaktion.

Zur Beurteilung der Situation haben sich Träger ctw und die Nord-Kreis Kliniken GmbH auch externen Rat geholt. Benannt wird die Münchener Beratungsgesellschaft WMC Healthcare, die über „weitreichende Erfahrungen aus dem Bereich der Ertrags- und Liquiditätsanalysen in Krankenhäusern verfügt“, wie die Caritas Trägergesellschaft West am Mittwoch schrieb.

Ob Abteilungsbereiche verkleinert oder geschlossen und andere Bereiche ausgebaut und weiter spezialisiert werden, sei noch offen - das ist wohl die Kulisse der „Strukturveränderungen“, die noch kommen werden. In Rede stand vor Wochen bekanntlich, dass überlegt werde, die Operationen der beiden Krankenhäuser eventuell nur noch in Linnich vorzunehmen.

Mit Blick auf diesen anhaltenden Innovations- und Kostendruck seien laut ctw strukturelle Veränderungen innerhalb des St. Elisabeth-Krankenhauses unvermeidbar. Dabei müssen die Beschäftigten und Verantwortlichen einen Spagat hinbekommen: Sie sollen laut Geschäftsführer Marcus Quintus einerseits für ein höheres Kostenbewusstsein sorgen und „unsere medizinischen Leistungen weiterhin hochwertig sicherstellen“. Die Führungsetage will nach eigener Aussage „den Bürgerinnen und Bürgern verdeutlichen, dass sich kein Patient Sorgen um seine Versorgung machen muss“.

Die „einschneidenden Kurskorrekturen“ sollen laut ctw ab dem 1. November greifen.

Die Belegschaft des Jülicher Krankenhauses hat sich nach Informationen unserer Zeitung bei der Versammlung am Mittwoch mit zahlreichen und detaillierten Fragen und Statements zu Wort gemeldet. Mehrere Teilnehmer sprachen übereinstimmend von einer in weiten Teilen konstruktiven Atmosphäre. Eine der wichtigsten Fragen blieb allerdings von der Geschäftsführung unbeantwortet: Seit Mai ist bekannt, dass die Caritas Trägergesellschaft West für ihre fünf Häuser - davon vier im Kreis Düren - strategische Partner sucht. Ob dieser Prozess erfolgreich war und wie es aktuell aussieht, blieb offen.