Martina Kreßner beim Ferienprogramm in der Jülicher Stadtbücherei

Autorin Martina Kreßner : Lesen ist schön, selbst Schreiben schöner

Autorin Martina Kreßner regt beim Ferienprogramm der Jülicher Stadtbücherei dazu an, die eigene Familiengeschichte aufzuschreiben. Nicht das Lesen, sondern das Schreiben stand im Vordergrund.

Im Ferienprogramm der Jülicher Stadtbücherei las man für den letzten Julitag eine lapidare Ankündigung: „Kreßner-Abend für Erwachsene“. „Ich möchte heute keine Werbung für das Lesen sondern für das Schreiben machen“, eröffnete Martina Kreßner den Zuhörern. Die pensionierte Lehrerin ist selbst Autorin. In dem Roman „Lebenssplitter“ erzählt sie eine fabulierte Geschichte ihrer Familie mit einigen autobiographischen Akzenten. Mit Gespür für menschliche Emotionen und erzählerischem Talent zeichnet die Autorin ein faszinierendes Porträt dreier Frauengenerationen und schildert damit ein Panoramabild des 20. Jahrhunderts.

Als wäre es etwas vollkommen alltägliches, ermutigte sie ihre Zuhörer, sich „einfach hinzusetzen und ein Buch zu schreiben“. Für den Inhalt reichten die eigenen Lebenserfahrungen und Erinnerungen und es wäre ein Jammer, diese verloren gehen zu lassen.

Dass sich der Anfang nicht unbedingt einfach gestaltet, verhehlte Kreßner nicht, doch sie hatte viele praktische Tipps für die künftigen Autoren. „Wenn sie vor einem weißen Blatt Papier sitzen und damit nichts anzufangen wissen, denken sie daran, dass sie nicht für den Nobelpreis schreiben müssen“, lautete eine der Wichtigsten.

Stets eine Kladde parat

Nicht ein raffinierter literarischer Schreibstil sondern eine Kladde und einen Stift stets parat zu haben, sei ein Muss. „Wenn sie einmal den Entschluss fassten, ihre Geschichte aufzuschreiben, kommen ihnen oft spontan Einfälle, die es zu notieren gilt“. Die ersten Versuche seien gewiss eine holprige Angelegenheit. „Meine ersten Sätze landeten in dem Müll“, eröffnete Kreßner, „doch kam ihnen nicht auch schon Mal der Gedanke, dass eine bestimmte Situation, die sie gerade erleben, aufgeschrieben gehört?“

Genau an solch einem Geschehen solle man ansetzen und es so niederschreiben, als würde man alles einer Vertrauensperson erzählen. Über die Geschichte der eigenen Familie zu schreiben, sei nicht immer einfach, vor allem, wenn es keinen mehr gibt, der Auskünfte geben könnte.

Eine Recherche über die Zeiten des Geschehens könne hier behilflich sein. „Gehen sie in die Bücherei, spüren sie die Epoche auf, in der ihre Eltern und Großeltern lebten“, empfahl Kreßner, „dort finden sie Anregungen, die auch ihre Erinnerungen aufleben lassen“.

Das intensive Befassen mit den bruchhaften Kindheitserlebnissen lasse zudem oft wie in der Archäologie ein ganzheitliches Bildnis entstehen. Dabei „steigt man in einen tiefen Brunnen“ mit Geräuschen, Gerüchen und Bildern aus alten Tagen, die im Gedächtnis für immer gespeichert sind. „Schreiben sie keine Heiligen-Legenden, geben sie ihre eigenen Fehler zu und erwähnen die Anekdoten aber auch die Schattenseiten ihrer Familie“, sagte Martina Kreßner, „damit beschreiben sie ein Stück Zeitgeschichte und bewahren sie für die nachfolgenden Generationen“. Den Verstand zu benutzen, sei wichtig, doch „schreiben sollten sie vor allem mit ihrem Herzen“, betonte die Jülicherin.

(mavo)
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