Bagatell-Unfall entpuppt sich als Straftat: Mann wegen „versuchten gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr“ verurteilt

Bagatell-Unfall entpuppt sich als Straftat : Mann wegen „versuchten gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr“ verurteilt

Ein auf den ersten Blick scheinbar harmloser Bagatell-Unfall, dessen Folgen zunächst am Amtsgericht in Jülich aufgearbeitet werden sollten, fand jetzt vor dem Dürener Schöffengericht seine juristische Fortsetzung.

Die Staatsanwaltschaft Aachen warf einem 50-jährigen Afrikaner mit ungarischer Staatsbürgerschaft vor, den Unfall vorsätzlich provoziert beziehungsweise in Kauf genommen zu haben. Mit seiner Lebensgefährtin in Jülich hat er nach eigenen Angaben drei Kinder.

Der Fall selbst ereignete sich am 29. August des vergangenen Jahres. Kurz nach 21 Uhr hatte ein 24 Jahre alter Pizza-Bote mit einem Lieferwagen den Parkplatz der Pizzeria in der Nähe des Hexenturms verlassen. Er fuhr auf die Hauptdurchgangsstraße in Richtung Schwanenteich.

Da er sich dabei offenbar vordrängelte, betätigte der aus Richtung Aldenhoven kommenden Angeklagte heftig die Hupe, was der 50-Jährige vor Gericht bestritt. Unstrittig war, dass der Pizza-Fahrer mit relativ geringer Geschwindigkeit unterwegs war. Der begründete dies mit einer roten Ampel, allerdings mit widersprüchlichen Standortangaben – am Rathaus, an der Sparkasse beziehungsweise an der Ecke Wilhelmstraße.

Ungeachtet dessen überholte der Angeklagte das Auto, scherte ein und trat dann offenbar heftig aufs Bremspedal. Auf regennasser Straße rutsche der so Ausgebremste kurz vor der Einmündung Römerstraße deswegen auf das Heck der Vorausfahrenden.

Tatmerkmal die Mindest-Schadenshöhe

In der Anklage war zunächst von Gefährdung des Straßenverkehrs die Rede. Im Laufe des Prozesses kristallisierte sich aber zusehends heraus, dass auch eine Verurteilung wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr in Frage kommen könnte. Dabei spielt unter anderem als Tatmerkmal die Mindest-Schadenshöhe eine wichtige Rolle, die im vorliegenden Fall um einige hundert Euro unterschritten wurde. Diesem Umstand verdankt der Angeklagte, dass dieser Fall nur als Versuch gewertet wurde.

Dass das Gericht die Schilderung vom vorsätzlichen Ausbremsen mehr glaubte, begründete die Vorsitzende unter anderem mit der Aussage eines Kommissar-Anwärters, der bei diesem ersten Praxis-Einsatz akribisch auf Details geachtet habe. Dieser war sich „ganz sicher“, dass der Angeklagte am Unfallort zugab, nach dem Überholen stark abgebremst zu haben.

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Verena Neft verurteilte den bislang unbescholtenen Mann zu 70 Tagessätzen á 30 Euro. Außerdem bleibt sein seit Oktober 2018 für die Bundesrepublik Deutschland geltendes Fahrverbot für weitere drei Monate nach Rechtskraft des Urteils bestehen.

(hp)
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