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Maiclub Bourheim feiert 275-jähriges Bestehen

Maiclub Bourheim feiert Jubiläum : Eine sehr bewegte Geschichte

Mit dem Aufstellen des Maibaums am 11. Mai auf dem Maarplatz läutet der Maiclub Bourheim die Jubiläumsfeier zum 275-jährigen Bestehen ein. Gefeiert wird im Rahmen der Maikirmes am Wochenende vom 24. bis 26. Mai unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Axel Fuchs.

Der 5. Oktober 1744 war ein Herbstmontag, an dem die Menschen das Wetter noch so nahmen, wie es war. Ohne an die Warnungen bezüglich dramatischer Klimaveränderungen denken zu müssen, machte sich die Bourheimer Jugend auf, ein Feldkreuz zu errichten.

Die Erlöse der alljährlichen Maispiele hatten ausreichend Mittel eingebracht, um das Steinkreuz herstellen zu lassen, das man nun etwa 1500 Meter vom Dorf in westlicher Richtung am Rande einer Felsschlucht aufstellen wollte. Dort, wo sich die Wege von Pattern nach Koslar und von Bourheim nach Aldenhoven kreuzten, sollte es als Ort der Ruhe, der Besinnlichkeit oder der inneren Einkehr dienen.

Belegt wird dies durch die rückwärtige Inschrift: „Zur Ehren Gottes haben setzen lasen dieses Creuz die wohledle Jugend sambt deren Wohltätern von Baurheim anno 1744 den 5 Oktobris“. Dieses Datum wurde Aufzeichnungen wie diversen Festschriften zu Folge als Gründungsdatum des in der Bourheimer Maigesellschaft organisierten Brauchtums festgelegt.

„Wir blicken in diesem Jahr auf eine bewegende Zeitspanne zurück“, erzählt Thomas Hilgers vom Festausschuss im Gespräch und erinnert an einige Besonderheiten. So wurden in den Nachkriegsjahren Feiern in Scheunen oder Zelten ohne Dach veranstaltet. Ein Vertragsabschluss mit einer Musikkapelle vom April 1948 hat als Zeitzeichen nicht nur großen dokumentarischen Wert, sondern darf auch als mahnende Erinnerung an harte Zeiten gesehen werden.

Lange ist es her: der Maiclub Bourheim im Jahr 1926. Foto: Maiclub Bourheim/Archiv

Festgelegt wurden als Entgelt für die musikalische Begleitung unter anderem 3,5 Zentner Kartoffeln und 30 Pfund Weizenmehl. In diesem Zusammenhang erwähnt Hilgers lobend und dankbar das im Festjahr erneut aufspielende Trommler- und Pfeifercorps Kofferen, das seit 1977 ununterbrochen zum Erfolg der Bourheimer Maikirmes beiträgt.

Als es immer schwieriger wurde, genügend Mitstreiter unter den Junggesellen zu finden, setzten sich 1973 17 hoch motivierte Mitglieder zusammen, um das Brauchtum weiterzuführen. Man änderte die Organisation dahingehend, dass entgegen dem bisherigen Usus ein kontinuierlich aktiver Vorstand eingesetzt wurde, dem auch Verheiratete angehören dürfen. Der Vereinsname wurde von Bourheimer Maigesellschaft in Bourheimer Maiclub geändert. Nicht verändert wurden liebgewonnene Traditionen wie der „Stuckbaum“.

Kondition beweisen

Das Recht zum Tragen des geschmückten Stuckbäumchens muss sich der jeweilige Stuckbaumträger im Verlauf der Maiversteigerung ersteigern. Während des Umzugs muss der Glückliche Kondition beweisen, indem er den Stuckbaum im Rhythmus der Marschmusik „stuckt“. Das Ende des Stuckbaums liegt traditionell im Weiher der Bourheimer Burg, in dem er zum Abschluss der Kirmes ersäuft wird. Freilich wird er später vorschriftsmäßig entsorgt.

„2016 wurde beschlossen, den Ablauf der Maikirmes im Hinblick auf eine Steigerung der Attraktivität der einzelnen Veranstaltungen zu straffen“, sagt Hilgers. Mit dieser Entscheidung lag man genau richtig. Seitdem verzeichnen die Disco am Freitag, der Festumzug mit anschließender Gefallenenehrung und der Königsball am Samstag sowie der Klompenball am Sonntag wieder steigenden Besucherzuspruch.

Im Jubiläumsjahr bekommt der Sonntag eine besondere Bedeutung. Der samstägliche Umzug wird um einen weiteren, traditionellen Maiumzug am Sonntag (12 Uhr) unter Beteiligung vielen ehemaliger Könige und Königinnen ergänzt. Die eigentliche Jubiläumsfeier im Festzelt wollen die Bourheimer Maiclubverantwortlichen bewusst nicht in Form eines steifen Festkommers’ abhalten, sondern das Ereignis in würdiger und dem Fest angepasster aber auch lockerer Atmosphäre unvergesslich machen. Das Königspaar im Jubiläumsjahr sind Frank Froitzheim und Elisa Münstermann, Stuckbaumträger ist Tobias Logen, Standartenträger Felix Hager.

(jago)