Linnich: LVR Förderschule Linnich weiht Gedenkstätte ein

Linnich: LVR Förderschule Linnich weiht Gedenkstätte ein

Es ist eine traurige Tatsache, dass die Schülerinnen und Schüler der LVR Förderschule in Linnich und ihre Lehrer häufiger mit Tod und Sterben konfrontiert werden, als dies an Regelschulen der Fall ist.

Manche Schüler sind lebensverkürzend erkrankt und in den knapp acht Jahren seit Eröffnung der Schule mussten drei Mitschüler zu Grabe getragen werden. Doch sie sind nicht vergessen worden. Zunächst wurde eine kleine Gedenkecke eingerichtet, wo die Schüler trauern und sich erinnern konnten. Doch das schien allen Beteiligten nicht genug zu sein und so wurde der Wunsch nach einer richtigen Gedenkstätte laut.

Ein Zufall brachte den stellvertretenden Schulleiter Constantin Mertens vor vier Jahren mit der Künstlerin Annette Etzel zusammen. In Linnich geboren und aufgewachsen, lebt und arbeitet sie heute in der Schweiz. Der Gedanke, eine Gedenkstätte zu gestalten, wurde konkreter und der Künstlerin war sie ebenso ein persönliches Anliegen wie dem Lehrer. Auch sie hat eine Tochter, die eine Förderschule besuchte. Mit Tod und Sterben wurde sie ebenfalls früh durch den Tod ihres Vaters konfrontiert. Annette Etzel feierte zudem im vergangenen Jahr ihren 50. Geburtstag.

So sah sie in der Gestaltung und Anfertigung einer Skulptur für diese Gedenkstätte die Möglichkeit, all jenen Dank zu sagen, die sie bisher begleiteten. Ganz besonders galt dies für ihre Mutter, der sie einen Teil des Kunstwerkes widmete.

Nun steht es also im Innenhof der Schule und zieht mit seinen leuchtenden Farben die Blicke auf sich. An Tod und Sterben lässt die Gestalt nicht denken, ihre fünf Augen gehen in alle Richtungen, auch zum Himmel. Ihre asymmetrische Form macht den Kindern deutlich. „Ich bin anders“ und an der Seite ist ein Flügel angebracht, der die Verbindung zum Himmel symbolisieren soll. Diese Flügel sind außerdem mit Metallhülsen bestückt, in denen die Kinder Zettel und Briefe mit ihren Gedanken und Gefühlen stecken können.

Skulptur feierlich enthüllt

„Diese Skulptur feiert das Leben“, stellte dann auch Peter Anders, Leiter des Fachbereiches Schulen des Landschaftsverbandes Rheinland fest. Er war eigens nach Linnich gekommen, um mit Eltern, Schülern und Schülerinnen, sowie dem Lehrerkollegium an der Enthüllung der Skulptur teilzunehmen. Gekommen waren zudem zahlreiche Menschen, die der Schule bei der Realisierung dieses Projektes geholfen haben.

Herzlich wurden sie alle von der Schulleiterin Ute Vogt-Blockhaus begrüßt. „Diese Gedenkstätte mit der Skulptur ist für uns von großer Wichtigkeit. Als wir unsere Arbeit an dieser Schule begannen, mussten wir uns mit dem Thema Tod intensiv beschäftigen. Wir lehren hier nicht nur Lesen, Schreiben, Rechnen, wir müssen unseren Kindern auch beibringen, Einschränkungen zu akzeptieren. Und der Tod kam viel zu schnell zu uns“, erklärte sie und meinte weiter: „Unsere Kinder müssen sehen, aha, hier passiert etwas, hier wirst Du nicht vergessen“. So liegen neben dem Kunstwerk drei weitere in Form von Steinen, die bunt bemalt an die verstorbenen Schüler erinnern.

Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde von der Schulband.

(Kr.)
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