Verkehrsminister Wüst zu Besuch: Lückenschluss der Strecke Linnich-Baal scheitert nicht am Geld

Verkehrsminister Wüst zu Besuch : Lückenschluss der Strecke Linnich-Baal scheitert nicht am Geld

Als Verkehrsminister eines Landes braucht man ein gutes Gedächtnis. Henrik Wüst (CDU) flogen am Freitag in Linnich die „B‘s“ und „L‘s“ als Abkürzungen für sanierungsbedürftige Bundes- und Landesstraßen oder für einen Westfalen mutmaßlich fremd klingende Dorfnamen nur so um die Ohren. Er schien nicht überfordert, sondern nickte und notierte.

So als wisse er, wo Gereonsweiler, Kelz, Golzheim, Gürzenich oder Spiel zu finden sind. Allzu große Hoffnungen machte der Christdemokrat den Verwaltungsleitern und Politikern aus dem Kreis Düren nicht — mit vielleicht einer Ausnahme: Der Gleis-Lückenschluss zwischen der Stadt Linnich und dem Hückelhovener Ortsteil Baal scheitert nicht an den Finanzen. Diese sechs Kilometer Schienen, die zwischen den Kreisen Düren und Heinsberg fehlen, um endlich wieder die Hauptstrecke Aachen-Düsseldorf zu erreichen, müssten allerdings ein vorgegebenes Verfahren durchlaufen, das sich ziehen kann.

Die Gleislücke verursacht einen „Verkehrsbruch“ in Linnich in Richtung Baal (und umgekehrt): Hier müssen Rurtalbahnpendler zum Beispiel auf den Bus umsteigen. Das und vieles mehr hörte NRW-Verkehrsminister Henrik Wüst (kleines Foto Mitte) beim Treffen mit Vertretern vieler Kommunen im Glasmalereimuseum. Foto: Jonel/Uerlings

Der Verkehrsverantwortliche im Düsseldorfer Kabinett war am Freitag auf Einladung der CDU-Landtagsabgeordneten Dr. Patricia Peill und Dr. Ralf Nolten aus dem Kreis Düren vor Ort, um vor zahlreichen Verwaltungsspitzen und Politikern aus dem Kreis die wichtigsten Projekte näher kennenzulernen, die in sein Ressort fallen. Das waren nicht wenige, die Kreisdezernent Walter Weinberger in Vertretung von Landrat Wolfgang Spelthahn da eine gute halbe Stunde aufzeichnete.

Beim bevorstehenden Strukturwandel sei eine verbesserte Infrastruktur essentiell, sagten beide Abgeordnete. Neben den Tagebaulöchern gebe es auch emotionale Löcher, von daher „sind Verbindungen für uns ganz wichtig“, erklärte Patricia Peill. Kollege Ralf Nolten: Ohne verbesserte Infrastruktur „brauchen wir über neue Gewerbe- oder Wohngebiete nicht nachdenken“.

Henrik Wüst hörte das alles: Wünsche nach Umgehungsstraßen, nach Ausbesserung holpriger Fahrbahnen, nach neuen Radschnellwegen und drei Schienenprojekten: vom Campus Aldenhoven (Automotive Testing Center) über die Euregiobahn nach Baesweiler, das dritte Gleis zwischen Köln und Aachen sowie — Dauerbrenner — Linnich-Baal. Im Bereich Straßenbau und -ausbesserung machte er wenig Hoffnung, weil die genannten Projekte nicht im Bedarfsplan des Ministeriums zu finden seien. Im Einzelfall sei vielleicht was zu machen. Bei Bahnradweg Düren-Jülich, der bis zu zwölf Millionen Euro kosten soll, sei eine Komplettförderung durch das Land ausgeschlossen, aber womöglich eine in Teilen.

„Das finde ich hochsympathisch“, sagte Wüst zum ersehnten Gleis-Lückenschluss von Linnich in den Kreis Heinsberg. Hoffnungsvoll bei Kosten von bis zu 25 Millionen Euro ist auch diese Äußerung: „Das Geld ist prinzipiell da.“

Formal aber müsse die Nahverkehr Rheinland zunächst auf eigenes Risiko eine Planung vorlegen, die dann vom Ministerium geprüft werde, bevor der Verkehrsausschuss über die ultimative Voraussetzung entscheidet: die Aufnahme in den ÖPNV-Bedarfsplan. „Und ich weiß nicht, ob NVR das machen kann und will“, sagte Wüst. Diese Frage wurde im Juni beantwortet: Die NVR-Geschäftsführung ließ ihre grundsätzliche Bereitschaft durchblicken, die beiden Kreise wollen Planungskosten vorfinanzieren. Dennoch wird es einige Jahre dauern.