Puppentheater: „Looking for Brunhild“ im Kulturbahnhof Jülich aufgeführt

Puppentheater : „Looking for Brunhild“ im Kulturbahnhof Jülich aufgeführt

Innerhalb der Veranstaltungsreihe „Watt zum Lachen“ hat die Schäfer-Thieme-Produktion „Looking for Brunhild“ auf die Bühne des Kulturbahnhofs gebracht. Die Zuschauerreihen gut gefüllt, spielten Veronika Thieme und Pierre Schäfer ein Figurentheater zur Nibelungensage.

Allerdings tauchten nicht nur die altbekannten Figuren der Nibelungensage auf der Bühne auf. So wurde als erstes die Handpuppe Jacob Hermann Obereit sichtbar. Er habe 1755 die Handschrift C in einer unaufgeräumten Bibliothek eines Grafen gefunden, erklärte sich dieser in das Stück einleitend und kündigte einen multimedialen Vortrag zu der These an, dass das Nibelungenlied den falschen Namen trage und eigentlich Brunhildenlied heißen müsse. Damit war das Stück anfänglich ernster, als man es von der Reihe „Watt zu Lachen“ gewohnt ist. Dies machte sich auch an dem deutlichen ruhigeren Publikum bemerkbar.

Dann stiegen die Puppenspieler in die Nibelungensage ein. „Ein dreckiger Handel“, kommentierte Obereit, als König Gunther und die Heldenfigur Siegfried ihren Handel beschlossen hatten: Siegfried soll die schöne Kriemhild bekommen, wenn er Gunther dafür die kämpferische Königin von Island, Brunhild, bringt, die bis jetzt jeden Bewerber im Kampf besiegte.

Einige Lacher ernteten die Darsteller, als Obereit, eine Handpuppe im grauen Anzug, sich über Siegfrieds Verhalten nach der Drachentötung brüskierte. Denn in der Sage badet der Held in dem Blut des Drachen und wird somit unverwundbar – wäre da nicht das Blatt zwischen seinen Schulterblättern gewesen, dass eine Wunde dort weiterhin zuließ. „Wenn sie ein Reh überfahren, würden sie auch nicht darin herumwühlen und es probieren“, sagte Obereit und die ungefähr 50 Zentimeter große Figur tauchte die Hand in ein Wasserglas und mimte die Aktion nach.

Die einzige Klappmaulpuppe war eine lebensgroße Seniorin im Altersheim, mit krächzender Stimme von Pierre Schäfer gespielt, erzählte von Brunhilds Leid, nachdem sie von Siegfried betrogen worden war und zu Gunther nach Worms verschleppt wurde. Am Ende des Stückes stellte sie sich als die echte Brunhild heraus, die auf Grund des Nibelungenschatz-Fluches die Jahrhunderte überdauert hatte. „Brunhild hat den Tod Siegfrieds nicht gewollt. Ändern Sie das. Bringen Sie mich auf mein Zimmer“, brach die Dame lauthals im Gespräch mit Obereit aus, nachdem die Handpuppe Brunhild den Tod von Siegfried gefordert hatte. Doch Obereit bekam es mit Hagen, der Gunther treu ergeben ist, zu tun und wurde bewusstlos geschlagen.

Bizarr wurde es auf der Bühne, als Obereit wiedererwacht und nun mit dem toten Siegfried konfrontiert war. „Einen Scheiß hast du. Wie kannst du es wagen“, sagte die Handpuppe und erschoss zuerst Kriemhild, dann eine Figur nach der anderen, die sich auf einer kleinen Empore nun stapelten.

Nicht enden wollender Applaus schwappte den zwei Darstellern nach dem Stück des Publikums entgegen.

(mio)
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