Performance von "Schieffer und Schieffer" und dem "Impro-Ensemble"

Glasmalerei-Museum : Eine Reise zum Licht der Sonne

Wer als Besucher in der Erwartung eines Konzertes das Glasmalerei-Museum in Linnich besuchte, der wurde vielleicht enttäuscht, aber auch überrascht.

Das Künstlerehepaar Achim und Hiltrud Schieffer boten in Zusammenarbeit mit dem „Impro-Ensemble“, der Gesellschaft für zeitgenössische Musik aus Aachen, eine Performance der besonderen Art.

Die Szenerie im Saal ließ es schon erahnen: zwei weiße Leinwände, Beamer, fünf Stelen mit transparenten Glasfragmenten bestückt. In einer Performance nun beschrieben die Glasinstallation, Video-Präsentationen und Musik eine Reise zum Licht der Sonne. Der Titel „Zur Sonne fliegt man nachts“ fand sicherlich seine zeitliche Stimmungsbeschreibung in den schwarz-weiß Bildern der linken Leinwand und farbigen Bildern der rechten Wand. Verfremdung und Stilbruch waren die einschwebenden Alltagsobjekte.

Für Überraschungseffekte sorgten beide. Wie Negativdarstellungen von Schwarzweißfotos muteten die Bilder von zunächst Gebäuden, Ruinen, Steinfeldern, Gebirgsmassiven und später Szenen mit Jazzmusikern auf der linken Leinwand. Farbige Bilder hingegen wurden auf die rechte Leinwand projiziert. Naturobjekte, fließende, wehende Stoffe, warme Farben zeugten von Lebendigkeit in ihrer barocken Farbpracht.

Alltagsgegenstände wie Kinderspielzeug und Ahnenbilder, Uhren, Schlüssel und Gegenstände aus dem jährlichen Festkreis symbolisierten die Vergänglichkeit der Zeit, aber auch die ständige Wiederkehr des Lebens. Die Kasperle-Figuren zum Ende verfremdeten allerdings stark die Szenerie, führten die Abläufe fast ad Absurdum. Erst das dominante Schlussbild der Sonne in warmen, strahlenden Farben schloss den Kreis.

Die Musiker Hartmut Dicke (Saxophon/Klarinette), Achim Schieffer (Saxophon), Ludger Singer (Posaune), Gunter Wolf (Saxophon), Nicola Töngens (Flöte) und Hermann Flott (E-Piano) untermalten die Installation mit den verschiedensten Klangfarben und Tongebungen, die den Eindruck der Bilder und Farben in freier Improvisation begleiteten und die Intentionen der Künstler verstärkten.

Da seitens des Paares Schieffer-Schieffer keine näheren Erläuterungen zu der Performance gegeben wurden, blieb dem Besucher die ganze Palette der persönlichen Interpretation offen. Realitätsbewusstsein und Fantasie konnten verschmelzen, Fragen nach der Sinnhaftigkeit und Intention der Darstellung allerdings auch.

Der Titel „Zur Sonne fliegt man nachts“ war sicherlich wegweisend, durch die verfremdenden Elemente aber auch nicht unbedingt gradlinig nachvollziehbar. Die Erwartung an die Glasinstallation und die Bedeutung der Stelen und damit der Bezug zur Glaskunst blieben weit hinter den Erwartungen zurück.

Den Gästen präsentierte sich Kunst, die schwer verständlich war und die von den Zuschauern und Zuhörern viel eigene Interpretation und Fantasie forderte. Eine Auseinandersetzung mit den Stilmitteln, der bildlichen und musikalischen Aussage, warf sicherlich viele Fragen auf, führte aber auch zu angeregten Gesprächen und Diskussionen.