Linnicherin hat viel Benzin im Blut

Nadine Vollekier gibt Gas mit 450 PS : Linnicherin hat viel Benzin im Blut

Benzin im Blut hat Nadine Vollekier vermutlich schon von klein an gehabt. „Ich kann mich genau daran erinnern, dass ich als kleines Kind tierischen Spaß daran hatte, auf dem Aufsitz-Rasenmäher durch den Garten zu fahren“, sagt die Rennfahrerin aus Linnich.

Heute wächst kein Gras mehr, wenn die 34-Jährige fährt. Rennpisten sind asphaltiert. Auch das Gefährt hat sich geändert. Es hat das Chassis eines Ford Mustang und den Motor eines Chevrolets. Acht Zylinder, 5,7 Liter Hubraum und 450 Pferdestärken. Hinter dem Steuer eines solchen Geschosses will die Mutter eines 21 Monate alten Sohns in dieser Saison Fuß fassen in der sogenannten LMV8-Oval-Series. Die fährt auf dem Oval-Kurs im niederländischen Venray, rund eine Autostunde nördlich von Linnich.

„Ich hatte schon immer den Hang, schnell zu fahren“, sagt Vollekier. Geld verdient hat sie damit nicht. Ganz im Gegenteil. „Ich war das relativ schnell leid, dass ich häufiger Geld bezahlen musste wegen Fotos, die im Straßenverkehr von mir gemacht wurden“, sagt sie und lächelt. Seit einigen Jahren lebt sie ihren Hang zu Vollgas auf Rennstrecken aus. Jetzt plant sie den nächsten Schritt. Bei ein paar Rennen in Venray will sie an den Start gehen für ihr neues Team Racing-Total. Dass schnelles Fahren teuer ist, hat sich nicht geändert. 25.000 Euro würde es sie kosten, wenn sie eine komplette Saison in Venray fährt. „Geld verdienen können im Motorsport nur die Wenigsten“, sagt die Linnicherin.

Der Gutschein der Kollegen

Die klassische Karriere mit Anfängen im Kartsport hat sie nicht hinter sich. Nadine Vollekier ist einfach schon lange Rennsportfan und fährt gerne schnell. Vor fünf oder sechs Jahren haben ihre Arbeitskollegen – Vollekier arbeitet auch heute noch als Film- und Fernseh-Kostümbilderin – ihr einen Gutschein geschenkt für eine Fahrt mit einem Rennwagen. „Danach habe ich mir gesagt: Okay, das musst du machen“, schildert sie den Moment, in dem ihr klar wurde, was sie mit dem Benzin im Blut anfangen muss.

Seit 2016 fährt sie ambitioniert schnell. Der Nürburgring war seitdem ihre Heim-Strecke, da gibt es eine sogenannte Rundstrecken-Challenge auf der Nordschleife. Da ist sie zuletzt mit einem BMW unterwegs gewesen. „Das will ich auch nicht aus den Augen verlieren“, sagt die Rennfahrerin aus Linnich. Irgendwann auf dem Nürburgring beim 24-Stunden-Rennen an den Start gehen – das wäre ein großes Ziel. „Dafür muss ich aber erst die notwendigen Lizenzen einfahren“, erklärt sie. Das bedeutet, dass sie Erfahrungen sammeln und sich ihre Sporen verdienen muss.

Beispielsweise auf dem Oval in Venray. Bei einem Probefahren hat sie überzeugt, jetzt soll sie zumindest bei ausgewählten Rennen an den Start gehen. „Schnelle Frauen sind rar“, sagt die Linnicherin. Einen Gleichberechtigungsbonus gibt es nicht, am Ende müssen die Zeiten stimmen. Daran arbeitet Nadine Vollekier. Mit Vollgas. „Es gibt eine Handvoll Frauen. Die haben ähnlich wie ich erst später mit dem Rennfahren angefangen. Wir haben eine Idee, dass wir irgendwann mal ein Frauen-Team bilden, dass europaweit unterwegs ist.“

Zuerst aber Venray und das Fahren im Kreis, beziehungsweise Oval. Das sei eine Umstellung. Eine Runde durch die Steilkurven dauert etwa 20 Sekunden. Da scheint der Drehwurm programmiert. „Viele denken, dass das langweilig ist. Aber das ist keinesfalls so. Der Fahrerpulk ist ja meistens eng zusammen, da gibt es immer spannende Positionskämpfe.“

Keine Servolenkung, kein ABS

Und es ist anstrengend. Denn die üblichen Assistenzsysteme wie Servolenkung oder ABS gibt es in einem Rennwagen nicht. Das sei eine „ganz schöne Herausforderung“, wie Vollekier berichtet. Eine Herausforderung, auf die sie ihr Partner Christopher gebracht hat. Er hat sie auf die Anzeige aufmerksam gemacht, dass für Venray Fahrerinnen gesucht werden. „Ich fand US-Cars schon immer faszinierend“, sagt die 34-Jährige über Rennwagenklassen, die mit amerikanischen Wagen gefahren werden, wie einem Ford Mustang. Das Paar teilt diese Leidenschaft, er schraubt, sie fährt.

Die Finanzierung ist ein großes Thema: Für den Versuch, in Venray Fuß zu fassen, sucht Nadine Vollekier Unterstützer. Drei Rennen pro Jahr kann sie aus eigener Tasche zahlen, deswegen läuft die Sponsorensuche. Schnell fahren ist teuer, auf einer Rennstrecke sind aber wenigstens die Fotos kosten- und folgenlos.