Drittes Konzert „Piano trifft Glasmalerei“ im Linnicher Museum

Konzert im Linnicher Museum : Romantische Raritäten beflügeln das Publikum

Mit dem Einzug des altehrwürdigen Bechstein-Flügels in das Deutsche Glasmalerei-Museum erlebt die Tradition eines literarischen, gesellschaftlichen Salons in Linnich ihre Renaissance.

Bei den erlesenen musikalischen Konzerten kommen die Besucher wie beiläufig in den Genuss der hohen Kunst der Glasmalerei und des regen Austauschs über Bildende Künste. Bei der dritten Veranstaltung unter dem Motto „Piano trifft Glasmalerei“ im Rahmen des Linnicher Kultursommers unterstrich Museumsdirektorin Luzia Schlösser in ihrer Begrüßungsrede diese wertvollen Synergiepunkte, die aus der Zusammenarbeit der Kooperationspartner sinngebend entstehen.

Dank der großzügigen Dauerleihgabe des Pianomuseums „Haus Eller“ (Sammlung Dohr), unterstützt von dessen Förderverein und unter Mitwirkung des Linnicher Stadtmarketingvereins, vertont das klangschöne Instrument aus „der goldenen Ära der Bechsteins“ seit Juni das kulturelle Geschehen im „gläsernen Palast“ Linnichs.

Auf eine inspirierende Reise in die Welt der Künste wurden die zahlreichen Gäste diesmal von Oliver Drechsler am besagten Kammerkonzertflügel, Violoncellistin Els Springstein-Woudstra und Baritonsänger Gregor Finke mit ausgesuchten musikalischen Raritäten der Romantik entführt. In seiner charmanten Moderation unterstrich Christoph Dohr die absolute Eigenart des Konzertprogramms, in dem „kein einziger bekannter Komponistenname“ zu finden war.

Doch auch ohne berühmte Meisterwerke im Abendrepertoire brachten die fundierten Musiker durch ihr hohes musikalisches Können den gefühlvollen Ausdruck der Epoche stilistisch glänzend zur Geltung. So erlebten die Zuhörer eine stimmungsvolle „Rheinfahrt“ (op. 70), wie der Komponist Georg Goltermann sich diese vorstellte. Einen Einblick in die russische Seele gestatte ihnen die feinfühlige Interpretation von drei Romanzen nach Alexander Borodin. In der Originalsprache von Gregor Finke gesungen und von sehnsuchtsvollen Klängen des Violoncellos hervorgehoben spiegelten sie Melancholie und Temperament des Volkes. Die Klaviersonate Nr. 2 As-Dur von Ferdinand Hiller gleicht im Sinne des Moderators eher einer Toccata Furioso und wurde entsprechend furios und technisch vollendet von Oliver Drechsler interpretiert.

Ungewohnte Konstellation

Einen berühmten musikalischen Namen entdeckte das Publikum doch noch an diesem Abend, jedoch in einer ungewohnten Konstellation. Der große Komponist Pjotr Iljitsch Tschaikowski betätigte sich auch als Lyriker und schrieb unter anderem den Text „Das Maiglöckchen“ für die musische Romanze seines Freundes Anton Arensky. Abermals in der Originalsprache gesungen, erklang die französische Romantik mit Werken von Charles Gounod, Jules Massenet und Jean Baptiste Faure. Eine ganze Palette von romantischen Gefühlen durchdrang das Museum mit den Liedern und Gesängen aus dem musikalischen Nachlass von Max Bruch.

Mit Leichtigkeit konnten die Zuhörer dank der großartigen musikalischen Darbietungen das Drama einer unerfüllten Liebe, melancholische Sehnsucht eines Fern- und Heimwehs aber auch unbeschwerte, tänzerische Lebensfreude nachempfinden. Sie bedankten sich mit einem lang andauernden Applaus und der lautstark geäußerten Vorfreude auf kommende kulturelle Begegnungen im „Salon“ Glasmalerei-Museum.