Linnich: Wenn die Malerei vom Leben erzählt

Linnicher Kultursommer : Kunst im Schaufenster: Wenn die Malerei vom Leben erzählt

Anni Simons (90) stellt zum letzten Mal ihre Bilder beim Linnicher Kultursommer aus. Sie berichtet, wie Schicksalsschläge ihre Arbeiten geprägt haben.

„Ich habe noch nie einen Menschen so glücklich gesehen und das Bild hängt bei ihr immer noch“. Das erzählt Anni Simons über ein Bild, dass sie für eine Frau gemalt hat. Es zeigt deren verstorbenen Hund. Hinter jedem von Simons Bilder steckt eine Geschichte. Egal ob Reisen; Freundschaft oder Liebe, jedes Thema ist in einem Kunstwerk zu finden. Die Linnicherin ist 90 Jahre alt und Malerin. Seit dem Jahr 2006 ist Simons Teil der Schaufenstergalerie des Linnicher Kultursommers. Dieses Jahr soll es ihre allgemein letzte Ausstellung sein.

Der Weg zur Malerei

Schon als Kind begann sie mit der Malerei. Die richtige Inspiration packte sie aber erst Jahre später. Schicksalsschläge und eine gute Freundin ließen Anni Simons ihre Bestimmung in der Kunst finden. Im Jahr 1984 verlor ihr Mann den Kampf gegen den Krebs, nur ein Jahr zuvor war ihr Pflegesohn verstorben. Ihr leiblicher Sohn studierte in Köln. Plötzlich war das Haus leer, sie fühlte sich einsam, die Stille wirkte erdrückend. Nachdem auch ihre Mutter zwei Jahre später verstarb, konnte eine gute Freundin sie für das Malen begeistern und sie begann, im Jahr 1986 einen Kunstkurs zu besuchen.

Die Stunden, die sie früher mit ihrem Ehemann verbracht hatte, füllte sie nun mit Malen. „Ich wäre viel weniger über den Tod meines Mannes hinweggekommen“, sagt sie zurückblickend. Um ihrem Lebenspartner zu gedenken malte Anni Simons oft Tiere, da er in der Jagd zu Hause gewesen war. Die Resonanz auf ihre Kunst und Ausstellungen waren immer positiv. Im späteren Verlauf ihrer Karriere war Simons sieben Jahre als ehrenamtliche Kunstlehrerin tätig und versuchte dabei, ihre Leidenschaft weiter zu geben.

Ungefähr 350 Bilder malte die 90-Jährige in den vergangenen 35 Jahren. 150 davon verschenkte sie an Freunde und gute Bekannte. Für jedes Bild muss man 24 bis 28 Stunden Zeit rechnen. Dabei wendet Simons unterschiedliche Stile an und perfektioniert diese. Von verschiedenen Aquarell-Techniken über Bleistiftzeichnungen bis hin zu Pastellkreide lässt sich bei Anni Simons Kunstwerken alles finden.

Beim Linnicher Kultursommer

Eine Sammlung ihrer Werke von 1984 bis heute ist nun ab dem 15. August bei der Schaufenstergalerie in der Mahrstraße in Linnich zu sehen. Dabei werden sowohl Sommer- und Winterlandschaften, als auch Tiere und Stillleben ausgestellt. In insgesamt sieben Schaufenstern zeigen weitere Künstler aus der Region im Rahmen des Kultursommers ihre Werke. Anni Simons möchte in diesem Jahr zum letzten Mal ihre Kunst in der Öffentlichkeit zeigen. Sie sei alt geworden und sehe es als eine Art Abschluss. Sie nimmt auch keine Bestellungen für weitere Bilder mehr entgegen, malt nur noch für sich selbst. Wer die Gelegenheit hat sollte Simons auf ihre Kunst ansprechen und sich die Geschichten, die hinter jedem einzelnen Bild stecken, erzählen lassen. Zum Beispiel der verstorbene Hund der alten Dame. Diesen zeichnete sie lebensgetreu, inklusive blindem Auge, so dass die Besitzerin für immer ein Andenken hat.

Kunst als Lebenselixier

 „Ich bin sehr gläubig und ich denke mir, das ist ein Geschenk von oben, ein Ausgleich für all die Zeit, in der ich alleine war“, resümiert die Künstlerin am Ende ihrer Schaffenszeit lächelnd. Sie ist mit ihrem Leben zufrieden. „Die Kunst ist mein Lebenselixier und ich erfreue mich meines Lebens.“

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