Jülich: Laut Gutachter ein Sicherheitsrisiko: Brandschutz Stadthalle Jülich

Jülich: Laut Gutachter ein Sicherheitsrisiko: Brandschutz Stadthalle Jülich

„Der Brandschutz ist desolat zu nennen.“ Dieser Satz des Gutachters über die Stadthalle lässt keinen Raum für Interpretationen und kommt einem vernichtenden Urteil gleich. Jülichs größter fester Veranstaltungsraum stellt nach den Anforderungen der inzwischen fast gefürchteten Versammlungsstättenverordnung ein Sicherheitsrisiko dar.

Da bleiben auch bei der bereits gestarteten fünften Jahreszeit keine Galgenfristen mehr. Die großen Sitzungen und Bälle dürfen ab sofort nur noch mit einer Brandwache der Feuerwehr über die Bühne gehen. Aber wenigstens das. Diese Interimslösung für einige Monate ist nach Angaben des Sachverständigen Georg Spennes (BFT Cognos, Aachen) notwendig, weil nun auch die Brandmeldeanlage den Geist aufgegeben hat. Ersatzteile gibt es nicht mehr.

Bis zu den närrischen Veranstaltungen ist es aber laut Stadtverwaltung nicht zu schaffen, eine neue Brandmeldeanlage zu installieren. „Wenn wir diese Anlage also noch nicht haben, müssen wir zu den Karnevalsveranstaltungen gegensteuern und sind deshalb auf die Lösung Brandwache gekommen“, erklärte Spennes am Freitag im Ausschuss für Planung, Umwelt, Bauen. Der Sachverständige machte den Kommunalpolitikern keine Hoffnung, dass die Brandwachen mehr als eine kurzfristige Zwischenlösung darstellen.

Das Aachener Büro hatte den Brandschutz der Stadthalle insgesamt untersucht, um zu klären, welche Investitionen nötig sind, um den genehmigten Zustand der Versammlungsstätte (siehe Infobox) zu erhalten. Inklusive der nun notwendigen Brandmeldeanlage summieren sich feuerfeste Türen, Beleuchtungsmaßnahmen und andere „Kleinigkeiten“ auf 150.000 Euro, um das „Mindestschutzziel“ zu erreichen.

250.000 Euro teurer (jeweils plus Mehrwertsteuer!) wäre die Variante, den Brandschutz so herzustellen, dass es bei laufenden Großveranstaltungen im Saal möglich ist, das Foyer zum Beispiel als Ausschank- oder Partyfläche zu nutzen. Dann nämlich müsste ein zweiter Fluchtweg her, der nur über eine seitlich angebaute Außentreppe plus Rauchabzugsanlage zu machen wäre, wie Georg Spennes erklärte.

Bislang könnten die meisten Besucher im Notfall durchs Treppenhaus aus dem Saal nach unten über das Foyer zum Ausgang flüchten. Wenn sich nun in diesem Vorraum Aufbauten für einen Ausschank oder eine Party befinden, ist der erste Rettungsweg verstellt.

Aus dem Saal oben kommen laut Gutachter zwar etwa 200 Menschen über eine Tür neben der Bühne nach außen, aber das reiche nicht. Wenn das Foyer auch genutzt werden soll, muss ein „echter“ zweiter Rettungsweg her, der die genannten Kosten verursacht.

Im Haushalt der Stadt sind derzeit 50.000 Euro für den Brandschutz eingeplant. Dazu kommen nun wenigstens 100.000 Euro, um das Mindestschutzziel mit neuer Brandmeldeanlage zu erreichen. „Wir werden diese Variante nun näher planen und konkret die Kosten berechnen“, sagte Hochbauamtsleiter Leo Heuter. Dann sieht man weiter — auch woher das Geld kommen soll. Bis dann muss die Feuerwehr Brandwache schieben.

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