LaNTD-AG Barmen startet Beweidung mit Rindern auf Driesch

Drieschbeweidung : Wie Rinder eingeschleppte Pflanzen bekämpfen sollen

Auf dem Barmer Driesch sollen Rinder weiden. Die Pilotphase des Projektes Drieschbeweidung steht in den Startlächern. Die Tiere der Rasse „Rotes Höhenvieh“ sollen unter anderem helfen, eingeschleppten Pflanzen Herr zu werden.

Vier erwachsene Rinder der Rasse „Rotes Höhenvieh“ und ein Kalb grasen und laufen auf wechselnden Weiden in der Ortslage Barmen. Das sogenannte Dreinutzungstier, das früher in der Region als Arbeitstier und zur Fleisch- und Milchgewinnung gezüchtet wurde, spielt die Hauptrolle in der in den Startlöchern stehenden Pilotphase zur Drieschbeweidung. Das Höhenvieh ist anspruchslos im Futter und frisst auch gerne die invasiven Neophyten (eingeschleppte Pflanzen). Dabei handelt es sich um das Drüsige Springkraut und den äußerst giftigen Riesenbärenklau, die sich in Auen, Lichtungen und am Wegesrand im Broicher und Barmer Driesch zu einer wahren Plage entwickelt haben.

Zuchtbulle „Max vom Driesch“ steht auf der Weide eines Partnerlandwirts im Ort, der das Projekt unterstützt und den Zuchtbullen teilt. Die zwölfköpfige LaNTD-AG des Kultur- und Verkehrsvereins Barmen, die das Projekt auf den Weg gebracht hat, kümmert sich um die Pflege der Tiere. Finanziert wird das Ganze durch den „Heimat-Scheck“, mit dem die Landesregierung Heimatprojekte fördert. „Die Beweidung muss einen anderen Stellenwert bekommen, um dem Neophytenproblem Herr zu werden“, betonte AG-Sprecher Thomas Muckenheim in Schloss Kellenberg.

Anlass war der Besuch des Bundestagsabgeordneten Oliver Krischer (Grüne). Er war nach dem Pfingssturm Ela „Zugpferd“ im ersten Landschaftplan, in dem er sich für eine Beweidung einsetzte, erntete aber direkte Ablehnung. Mit einer Machbarkeitsstudie hat die LaNTD-AG inzwischen „die Theorie bewiesen“ und mit der Rinderherde im letzten Jahr einige praktische Erfahrung gesammelt. Die rund 50 Hektar große Testfläche, auf der acht bis zehn Tiere geplant sind, hat Bürgermeister und Schirmherr des Projektes, Axel Fuchs, der AG vor einem Jahr überlassen. Eine Fläche, die sich laut Muckenheim „durch Mäander an der Rur auszeichnet, aber auch durch Hochwasser“. Und weil das „Tierwohl im Vordergrund steht“, scheidet eine Beweidung in der Hochwasserphase aus. Dafür müssen Winterquartiere zur Verfügung stehen, wie sie gerade genutzt werden.

Eine mündliche Zusage haben die Planer schon, die mit dem Projekt die Kulturlandschaft erhalten und sogleich die Landwirtschaft und den sanften Tourismus fördern wollen. Zudem hat eine Umfrage ergeben, dass die Menschen mit dem Driesch Pappelbestand, Beweidung und Erholung verbinden. Die Befragten zeigten sich auch bereit, die solchermaßen nachhaltigen und regionalen Produkte zu kaufen, auch zu einem höheren Preis. „Vom Gesetz her ist das ein vermintes Gelände“, unterstrich Muckenheim in seiner Einführung. Der Wald sei grundsätzlich nicht für eine Beweidung vorgesehen. Zudem handele es sich um ein Naturschutzgebiet, auch die Abstandsflächen zu Gewässern spielten hier eine Rolle.

Bei einem Ortstermin vor der Machbarkeitsstudie erteilten die Behörden dann aber alle ein positives Votum. Der aktuelle Stand ist eine mündliche Zusage der Bezirksregierung in Köln, die aber auf eine abschließende Genehmigung des Kreises Düren wartet. Mit Eintreffen der Genehmigung will die LaNTD-AG mit der äußeren Einzäunung des Testgeländes mit zum Teil mobilen Zäunen beginnen. Der schrittweise Ausbau der „Vision“ durch weitere Testphasen hat in den Köpfen der Mitstreiter schon Gestalt angenommen.

Wie dringend schon alleine die Bekämpfung des Riesenbärenklaus ist, veranschaulicht eine Bemerkung der Gräfin von und zu Hoensbroech: „Ich habe die Samen einer ausgewachsenen Pflanze gezählt. Es waren 9000“. Aktionen wie die gemeinsame Bekämpfung verschiedenster Interessengruppen im vergangenen Jahr waren da eher ein Tropfen auf den heißen Stein. Schirmherr Fuchs und „Zugpferd“ Krischer versprachen jedenfalls, das Projekt grundsätzlich im Blick zu halten und Türen zu öffnen.

(ptj)
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