Jülich: Lagert die „schwere Hypothek für die Region” weiter in Jülich?

Jülich: Lagert die „schwere Hypothek für die Region” weiter in Jülich?

Ein Wahl-Sonntag, und alles wird anders? Die neue rot-grüne Minderheitsregierung in Düsseldorf geht jedenfalls in ihrem Koalitionsvertrag zu den geplanten Atommüll-Transporten vom Forschungszentrum Jülich (FZJ) ins Zwischenlager Ahaus auf Distanz.

„Die in Jülich noch lagernden 152 Castoren mit hochradioaktiven Brennelementekugeln sind eine schwere Hypothek für die Region und ganz NRW”, heißt es in dem Papier. Bleibt der strahlende Abfall jetzt in Jülich?

Das scheint bei unveränderten Rahmenbedingungen schwer vorstellbar, denn das Zwischenlager auf dem FZJ-Gelände ist nur bis 2013 genehmigt. Sollen die Behälter mit den hochradioaktiven Brennelementen hier bleiben, müsste also die Genehmigung verlängert werden - oder ein millionenteurer Neubau her. Der Vorstandsvorsitzende der Jülicher Einrichtung, Professor Achim Bachem, sagte am Dienstag auf Anfrage unserer Zeitung: „Nach einem Aufsichtsratsbeschluss tragen alle Gesellschafter die Transport-Variante. Vielleicht sagt jetzt einer der Gesellschafter etwas anderes. Bis heute war das aber nicht der Fall.” Mit anderen Worten: Auch vom Gesellschafter Land gibt es bislang keine neue Maßgabe.

Der rot-grüne Koalitionsvertrag dagegen spricht sich deutlich für eine „Verlängerung der derzeitigen Zwischenlagerung” in Jülich aus. Und weiter: „Wir wollen Atomtransporte vermeiden, weil sie unnötige Risiken für Mensch und Umwelt mit sich bringen. Die Verlagerung nach Ahaus würde massive Polizeieinsätze erfordern, Kosten für das Land auslösen und von den Menschen entlang der Transportstrecke zu Recht nicht akzeptiert. Aus diesen Gründen wird die Landesregierung ihre Möglichkeiten nutzen, dass kein weiterer Atommüll ins Brennelementezwischenlager Ahaus verbracht werden muss.”

Diese rot-grünen Ziele im Vertrag sind freilich bislang eher als Wunschdenken zu betrachten. Schließlich sind alle entscheidenden Stellen im Verfahren Bundeseinrichtungen: das Bundesamt für Strahlenschutz und das Bundesumweltministerium. Und von dort hat es bislang kein Zeichen für ein Umdenken gegeben.

„Wir haben keinen Antrag auf Transportgenehmigung gestellt”, erklärte Professor Bachem, „aber vielleicht übergeben wir das auch an eine Firma.” Der Jülicher Vorstand hat schon vor längerer Zeit erklärt, dass er die Millionen, die das Zwischenlager vor Ort kostet, lieber in die Forschung investieren möchte.