Irdenes und Schwereloses: Kunstverein Jülich eröffnet Ausstellungsreihe im Hexenturm

Irdenes und Schwereloses : Kunstverein Jülich eröffnet Ausstellungsreihe im Hexenturm

Mit der Vernissage zur hoch interressanten Ausstellung „Werden – Vergehen“ mit Werken von Marianna Kalkhof und Marile Heinen eröffnete der Kunstverein Jülich die diesjährige Ausstellungsreihe im Hexenturm.

Bevor er das Mikrofon an Laudator Dr. Josef Gülpers weiterreichte, begrüßte Vorstandsmitglied Michael Küppers die Künstlerinnen und Gäste und vermittelte einen Ausblick auf die weiteren Veranstaltungen des Kunstvereins im Jahresablauf. Beide Künstlerinnen schöpfen ihren kreativen Ideenreichtum aus der Natur, erkennbar auch an stetig wiederkehrenden organischen Formen.

Auch wenn die ideelle Herangehensweise sich der identischen Quelle bedient, präsentieren sich die fertigen Werke in großer Differenziertheit. Marile Heinens Skulpturen sind erdverdbunden, aus Ton gebrannte Individuen der irdenen Festigkeit. Scheinbar schwerelos stehen dem die in Drucktechnik in mehrfacher Schichtung mit anschließender Übermalung gestalteten Werke von Marianna Kalkhof entgegen. Schnell jedoch spürt der aufmerksame Betrachter, wie der Kontrast sich im Sujet auflöst, wie Irdenes und Schwereloses sich zu einer Einheit des Seins verbinden. Das Werden und Vergehen geben sich die Hand und erkennen ihre untrennbare Symbiose.

Diesen Faden griff auch Laudator Dr. Josef Gülpers auf: „Alle Menschen betrifft das Werden und Vergehen, wir alle sind diesem Prozess unterworfen. Wie können wir uns diesem Thema nähern?“ Seine Antwort war in ihrer philosophischen Herangehensweise so vielschichtig, wie die Ansätze der zitierten Denker und Dichter Franz Grillparzer, Friedrich Hölderlin, Friedrich Nietzsche oder Dante Alighieri und gar Wilhelm Busch. Mit Blick auf Kalkhofs „Lichtobjektkästen“, in denen u.a. in der Natur gefundene Wurzelstücke zu aussagestarken Kompositionen gestaltet sind, widmete Gülpers sich intensiv der Symbolik von Wurzelwerk – auch hier überwog die philosophische Sichtweise. „Geistige und physische Freiheit“ sei es, die aus den aus Wurzeln und kreativer Hingabe entstandenen Vogelfiguren sprächen. „Auch Steine unterliegen dem Wandel der Zeit, nur etwas langsamer eben“, spannte er den Bogen zu Marile Heinens Statuen. Hier seien besonders die eriosionsähnlichen Oberflächen Ausdruck der individuellen Kunst. Greifbar wurde das Faszinosum in der Charakterisierung: „Das Plastische durchdringt das scheinbar Ewige mit dem kaum wahrnehmbaren Flüchtigen.“

Die hohe Qualität der sehr sehenswerten Ausstellung lässt sich in Gülpers‘ Schlusswort erkennen: „Ein sensibler Künstler fühlt den Werkstoff in seinen Händen, er reagiert auf ihn, er tritt in einen Dialog mit ihm. Nur wenn ein Künstler das beherrscht, entstehen Kunstwerke. Das hier sind Kunstwerke!“ Die Ausstellung ist bis zum 14. April Samstags und Sonntags jeweils von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

(jago)
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