Lucherberg/Inden: Kunsthandwerkermarkt am Indemann: Heftiger Sturm verschreckt die Besucher nicht

Lucherberg/Inden : Kunsthandwerkermarkt am Indemann: Heftiger Sturm verschreckt die Besucher nicht

„Der Koloss vom Indeland“ auf der Goltsteinkuppe wird bei der Auflistung der antiken und zeitgenössischen Weltwunder zwar bis jetzt nicht aufgeführt, doch ist er seit zehn Jahren zumindest als Wahrzeichen der Region etabliert.

Der 36 Meter hohe Indemann überragt seinen berühmten Vorgänger aus Rhodos, der den Sonnengott Helios darstellte, um ganze sechs Meter und mit den 40.655 Leuchtdioden strahlt er sogar am Abend. Der imposante Ausblick auf den Tagebau Inden, ein rund 2000 Quadratmeter großer und bestens ausgestatteter Spielplatz, zudem ein Restaurant und die Fußballgolfanlage bieten den Besuchern abwechslungsreiche Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung an.

Das Zelt war vom Winde verweht, doch „die Kleider mit Geschichte“ und ihre Näherin Traudi Vorberg (1. v. r.) blieben am Marktstand . Foto: Vomberg

„Was gut ist, kann besser werden“, war wohl der Anstoßgedanke für die Organisation des ersten „Kunsthandwerker und Lifestylemarktes zum Indemann“. „Der Indener Bürgermeister Jörn Langefeld stellte an uns die Anfrage, ob ein Markt am Indemann vorstellbar wäre“, sagt der Organisator Gert Schiffers von der Agentur „Junge Kreativ“. Der Versuch startete bei einer ungewohnt kurzen Vorlaufzeit für die Organisation und an dem eher unüblichen Ort für eine Marktveranstaltung mit 31 Ausstellern.

Diese Zahl sank jedoch auf 30 Anbieter bereits am Samstag. Der erste Tag des Marktes ließ mit 33,5 Grad Celsius auf der Goltsteinkuppe den italienischen Käse eines Spezialitätenverkäufers „spazieren gehen“. Auch am Sonntag war der Wettergott dem ersten „Indemann-Markt“ nicht wohlgesonnen. Der stürmische Wind am Morgen zwang einige Aussteller, ihren Zelten hinterher zu laufen und letztendlich einige abzubauen. Den Schutz ihrer Zelte beraubt, entschieden sie sich, ihre Waren unter freiem Himmel feil zu bieten und wurden mit großem Besucherandrang belohnt.

„Wir sind sehr zufrieden“, sagt die Vertreterin von „Graubeton“, einer kleinen Manufaktur aus Heinsberg. „Es ist unter anderem auch ein Kreativmarkt. Für junge Hobby-Künstler, wie wir es sind, ist es traumhaft hier“, fügt sie hinzu. Individuelle Designerobjekte aus dem Trendmaterial Beton stellten auch die Bauingenieure der Aachener Firma „Contopia“ aus. „Wir machen das, was wir lieben und können“, heißt hier das Motto für die Anfertigung von ausgefallenen Dekorationsartikeln, Alltagsgegenständen und Möbeln aus dem Baumaterial. Ausgefallen und zudem umweltfreundlich präsentierten sich die Waren des Nebenstandes.

Aus alten Glasflaschen, mit Serviettentechnik verfeinert und mit LED Leuchtern ausgestattet wurden stimmungsvolle Laternen „mit Herz selbst gemacht“. Alte Konservendosen, ausrangierte Holzreste und Gipsabfälle verlängerten ihr Dasein im Sinne des Upcyclings als auffallende Kerzenleuchter, Gartendekoration oder Willkommensschilder. Die Wiederverwertung und Umwandlung von alten Gegenständen präsentierte eindrucksvoll auch der Stand der Gold- und Silberschmiede aus Freialdenhoven.

Handarbeit angefertigte Schmuckstücke

Die von Gerd Frank in reiner Handarbeit angefertigten Schmuckstücke ließen die Besucherinnen an seinen Ausstellungstischen trotz der glühenden Hitze länger verweilen. So konnten hier zu den zeitlos schönen Armreifen, Ringen und Anhängern auch außergewöhnliche Kleinode bewundert werden, die in einer Sepiaschale entstehen. „Schon während meiner Lehre kam ich mit dieser alten Technik in Berührung“, erzählt der erfahrene Goldschmied und „vor Jahren fand ich bei einem Seeurlaub Unmengen von diesen Tintenfischschalen am Strand und diese wunderschöne Struktur wollte ich in Schmuckstücken festhalten“.

Bei einer Temperatur von 1100 Grad Celsius wird das flüssige Altgold oder -silber in ein Bett aus „Tintenfisch- Knochen“ gegossen und nimmt dessen einmalige Struktur an. Die Kalksubstanz verbrennt restlos in diesem Prozess, somit ist jedes Stück, das in weiterer Handarbeit seine endgültige Gestalt annimmt, ein doppeltes Unikat und ein Gruß aus dem Meer. Der Devise „aus Alt wird Neu“ hatte sich auch Traudi Vorberg verschrieben. Die aus Belgien angereiste Ausstellerin näht Konfektionsstücke für „Frauen mit Figur“ aus alter Bettwäsche und Restbeständen einer nicht mehr existenten Tuchherstellungsfabrik.

Baumwolle und Leinen von bester Qualität, dazu Klöppelspitze, Perlmuttknöpfe, alte Stickereien und Monogramme machen die Kleider aus der „Traudich“ Nadel einzigartig. „Es sind Teile mit Geschichte“, sagt die Näherin, für die auch die Details ausschlaggebend sind. „Ein guter Knopf aus Naturmaterial ist ein Muss“, erklärt Vorberg.

Winterhauch und Keltenmuster

Naturmaterialien und in Handarbeit hergestellte Ware fanden die Marktbesucher zudem an Verkaufsständen mit naturgetreu geschnitzten Holzmöbeln, kunterbunten Kinder-Accessoires aus Biobaumwolle sowie künstlerischen Tonarbeiten. Dass der nächste Winter unweigerlich und mit jedem Tag näher kommt, wurde den sommerlich erhitzten Marktliebhabern spätestens am „Stafford-Ireland“ Stand wieder bewusst. Die aus Wuppertal und ursprünglich aus Irland stammenden Anbieter warteten mit irischen und schottischen Produkten aus 100 Prozent Merinowolle auf.

Pullover mit original keltischen Mustern gestrickt und Gentleman-Kappen im Karodesign aus den Highlands nahmen vor allem die Herren genauer in Augenschein. Ihre Begleiterinnen wurden derweil von den Ständen mit exklusivem Schmuck in ihren Bann gezogen. Exklusive Ketten aus Naturedelsteinen, kunstvoll verarbeitete Armbänder aus Leder und im Harz zu edlen Collies verewigte getrocknete Blüten verführten zum Bestaunen. Die Befürworter eines schlichteren Stils kamen bei den Verkaufsständen mit Handelsware ebenfalls bestens auf ihre Kosten.

Erfrischungsmöglichkeiten mit kalten Getränken sowie Gegrilltes von einer überdimensionalen Feuerstelle, Eisstände und ein riesiger Abenteuerspielplatz in einer imposanten Naturkulisse verliehen dem „1. Kunsthandwerker- und Lifestylemarkt am Indemann“ die Atmosphäre eines sommerlichen Picknicks. „Das hier ist eine Veranstaltung, bei der eine Familie mit Kind und Kegel und sogar mit dem Hund den ganzen Tag gut aufgehoben ist“, stellte ein zufriedener Besucher fest.

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